Frohse l Die Bierbranche in Deutschland schwächelt. Seit Jahren geht der Bierkonsum der Deutschen zurück, und multinationale Großkonzerne übernehmen eine Brauerei nach der nächsten. Auch in Sachsen-Anhalt ging die Zahl der Betriebe 2018 Jahr von 24 auf 23 zurück. Dem gegenüber stehen aber einige neue Klein- und Kleinsbrauerein, die die Kunden mit einem kleinen, aber feinen Angebot an handwerklich gebrautem Bier überzeugen möchte.

In Schönebeck ist es der Braumeister Stefan Henning, der vor genau einem Jahr seine Elbrauerei in Frohse eröffnet hat. Mit dem derzeitigen Trend zum sogenannten Craftbeer möchte er allerdings nichts zu tun haben, auch wenn er natürlich davon profitiert. „Das sind Moden, die kommen und gehen. Aber ich braue schon seit 15 Jahren Bier“, betont der diplomierte Braumeister.

Nachfrage stark angestiegen

Vor einem Jahr hat Stefan Henning die Produktion mit rund 200 Litern in der Woche aufgenommen. Inzwischen ist die Nachfrage so stark gestiegen, dass er bis zur zehnfachen Menge an Bier herstellt. Wobei die Elbbrauerei noch über ausreichend Reserven verfügt und eine Auslastung von etwa 60 Prozent erreicht. Und so lässt er auch noch die Magdeburger Privatbrauerei in seinen Kesseln mitproduzieren. Ein weiterer Brauer bietet bei ihm Kurse im Bierbrauen.

„Die Leute sind bereit, für ein gutes handgemachtes Bier aus der Region auch etwas mehr zu bezahlen“, sagt Stefan Henning, der nach ein paar Semestern Maschinenbaustudium schließlich zum Bierbrauer umgesattelt hatte. Gelernt hat er in der Colbitzer Heide-Brauerei im Landkreis Börde und machte dann noch sein Diplom zum Braumeister. Nach der Insolvenz 2012 wurde die Brauerei verkauft und „platt gemacht“, wie Stefan Henning sagt. Der ganze Brauprozess wird seitdem vom Computer gesteuert, das sei nichts für ihn. Und so stellte er als sogenannter Wanderbrauer zunächst seine eigene Biermarke Treibgut in verschiedenen Brauereien her, bis er sich schließlich in seiner alten Heimat Schönebeck niederließ.

Für seine Elbrauerei hat er nicht einmal einen Internet-Auftritt oder eine Facebook-Seite, auch wenn das den Absatz seines handgemachten Bieres vermutlich nur noch steigern würde. Doch Computer mag er eben nicht sonderlich. Sein Bier verkauft er direkt in der Elbbrauerei im Werksverkauf und bei einem Schönebecker Bäcker. Außerdem wird das Bier aus Frohse auf dem Fahrgastschiff Marco Polo ausgeschenkt.

Bier im Werksverkauf günstig

Günstig ist das Bier aus der Region allerdings. Tatsächlich kostet ein Bier im Werksverkauf in der Elbrauerei etwa so viel wie ein handelsübliches in einer Kneipe. Vergleichen lassen sich die beiden Produkte aber auch kaum. Schon rein geschmacklich sind Treibgut und Co. etwas ganz anderes. Wobei Stefan Henning auch gern mit verschiedenen Sorten experimentiert. Derzeit bietet er einen Maibock als Starkbier mit einem Alkoholgehalt von 6,8 Prozent an, das am ersten Mai das erste mal auf der Marco Polo gezapft wurde. Des Weiteren gibt es ein Biergetränk mit Sanddorn-Vanilie-Aroma und ein Zitrone-Ingwer Radler. Bis zum Herbst möchte Stefan Henning auch noch eine Weizenbier auf den Markt bringen.

Geschickte Verkaufsstrategie oder eher Zufall: Günstig wirkt sicher auch aus, dass die Elbbrauerei in großen Flaschen zu 0,7 Liter abfüllt. Die Flaschen sorgen nicht nur für einen höheren Absatz, sondern können bei einem Pfand von einem Euro auch nur in der Elbbrauerei abgegeben werden. Und wer schon sein Pfand wegbringt, der nimmt auch gern wieder ein, zwei Flaschen mit.