Frohse l 2000 Liter Bier lagern noch in den Tanks der Elbbrauerei. Bei drei Grad Celsius, damit es länger haltbar ist. Und nun will Bierbrauer Stefan Henning weitere 2000 Liter ansetzen. „Aber zurzeit ist das ein bisschen wie Lotto spielen“, sagt der Diplom-Bierbrauermeister. Will heißen: Er weiß nicht, ob er das Bier mit dem maritimen Namen „Treibgut“ überhaupt los wird. Denn wie bei vielen anderen Unternehmen auch bleiben in der Elbbrauerei Frohse die Kunden weg.

Dabei ist das zumindest im Werksverkauf in der Brauerei eigentlich gar nicht nötig: „Wir können wie jeder Getränkehandel auch offen haben und verkaufen“, sagt der 38-jährige Bierbrauer. Seine klassischen Verkaufstage sind Freitag und Sonnabend oder nach telefonischer Vereinbarung. „Die Leute können beim Bierkauf auch wie bei einem Drive-In-Schalter in ihrem Auto sitzen bleiben“, sagt Bierbrauer Stefan Henning.

Feiern und Veranstaltungen fallen aus

Doch die Kunden, hat er festgestellt, kamen zuletzt immer weniger vorbei. „Die Leute trauen sich offenbar nicht raus“, sagt Stefan Henning. Und wenn, dann fahren sie höchstens in den Supermarkt zum Einkaufen. Und dann wird dort offenbar auch gleich der Kasten Bier eingepackt. An handgemachtes Bier aus der Region denken die Leute derzeit wohl nicht. Und wer auf Kurzarbeit ist, spart sowieso, wo er kann.

Doch problematisch ist für die Elbbrauerei Frohse auch noch etwas ganz anderes. „Die ganzen öffentlichen Veranstaltungen, auf denen wir mit unserem Bierverkauf waren, wie das Lichterfest, fallen jetzt aus“, sagt Henning, der seit 16 Jahren Bier braut. Und auch die privaten Feiern, die Bier aus Frohse geordert hatten, mussten nun alle abgesagt werden. Keine Hochzeitsfeiern, keine große, Jugendweihen, keine großen Geburtstagsrunden.

Bockbier ohne Bockbieranstich

Auch Fußballspiele, eine gute Gelegenheit zum Bier trinken, finden derzeit nicht statt. Und das Schönebecker Passagierschiff „Marco Polo“, das das „Treibgut“ mit an Bord hat, kann keine Gäste aufnehmen. Der Bockbieranstich, den die Brauerei Mitte Mai auf dem Schiff begehen wollte, muss nun ebenfalls ausfallen. „Wir werden aber Anfang Mai ein Bockbier in der Brauerei anbieten“, sagte Braumeister Henning. Denn das Bockbier wurde bereits im Januar angesetzt und reift nun vor sich hin.

Wird die Hilfe für die Fixkosten reichen?

Bierbrauer Henning will nicht jammern. Doch die Situation ist durchaus dramatisch. Auf bis zu 90 Prozent schätzt er den Rückgang. Lange kann das sicher nicht gut gehen. Er will nun Hilfe bei den Behörden beantragen. Er arbeitet sich gerade durch die Antragsformulare. Doch ob das Geld für die Fixkosten reichen wird, ist unklar. Einen Lieferservice für Bier hat Stefan Henning bisher nicht eingerichtet. Das könne er allein gar nicht stemmen. Bei größeren Bestellungen lässt sich aber sicher eine Lösung finden.

Bestellungen im Internet sind auch nicht so die Sache von Stefan Henning. Eine eigene Seite im Netz hat die Brauerei nicht. Auch die Facebook-Seite wird seit einiger Zeit nicht mehr gepflegt. Da ist Stefan Henning vielleicht etwas altmodisch, aber das gehört für ihn auch fast schon zu seiner Philosophie dazu. „Ich möchte mich aufs Bier brauen konzentrieren“, sagt er.

Der schnelllebigen modernen Welt möchte er sein handgemachtes Bier mit Geschmack und Charakter entgegensetzen. Vom aktuellen Trend zum so genannten Craftbeer aus kleineren Brauereien mit genau diesen Eigenschaften profitiert Stefan Henning zwar auch stark. Für ihn sind das allerdings auch Moden, die kommen und gehen. Und er selbst braue schließlich schon seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten Bier. Und unabhängig von der nächsten Mode auf dem Getränkemarkt will er das auch weiterhin machen.

Einige Stammkunden halten Brauerei die Treue

Einige Stammkunden halten der Elbbrauerei Frohse auch in diesen schwierigen Zeiten die Treue. „Manche kommen ganz bewusst vorbei, um uns zu unterstützen“, hat Stefan Henning festgestellt. Darunter seien durchaus auch Leute, die gar nicht unbedingt regelmäßig Bier trinken, aber Produkte aus der Region zu schätzen wüssten. Das ist überhaupt das große Thema für Stefan Henning: handgemachte regionale Produkte. „Ein guter Ziegenkäse aus Glinde ist vielleicht teurer als aus dem Supermarkt. Das kann man geschmacklich aber auch überhaupt nicht vergleichen“, sagte Henning. Man müsse vielleicht auch nicht jeden Tag Fleisch essen und könne stattdessen lieber gelegentlich ein richtig gutes Steak beim Fleischer kaufen. Der Bierbrauer würde sich wünschen, dass die Kunden wieder öfter beim Bäcker oder Fleischer um die Ecke einkaufen würden. Und natürlich auch in der Brauerei in der Region. „Während der Krise können die Leute auch mal entschleunigen und denken vielleicht darüber nach, wo ihre Produkte eigentlich herkommen“, sagt Stefan Henning. Gerade in diesen Zeiten, sagt er, wäre es gut, wenn die Kunden auch die heimischen Betriebe unterstützen würden.

 

Elbbrauerei Frohse, Telefon 01 76/70 35 38 44, Gutscheine für Schönebecker Geschäfte und Gastronomie gibt es im Internet unter https://schoenebeck.zmyle.de