Bildung

Wissenschaft auf dem Acker in Eickendorf

Ein Besuch aus dem hohen Norden. Hamburger Studenten erforschen den Boden im Bördeland. Es ist die erste Station einer 14-tägigen Exkursion der Geowissenschaftler – und das erste reale Treffen der Studenten nach den Corona-Einschränkungen.

Von Jan Dahms
Für die Bodenproben auf dem Feld zwischen Eickendorf und Glöthe wird ein Bohrstock in die Erde geschlagen. Die Studenten Daniel Schwarze (links) und Marcel Trümper sind im Einsatz.
Für die Bodenproben auf dem Feld zwischen Eickendorf und Glöthe wird ein Bohrstock in die Erde geschlagen. Die Studenten Daniel Schwarze (links) und Marcel Trümper sind im Einsatz. Foto: Jan Dahms

Eickendorf - Das Feld zwischen Eickendorf und Glöthe ist bereits abgeerntet. Außer dem konstanten Wind, der einem um die Ohren pfeift, sollte hier eigentlich Ruhe herrschen. Trotzdem werden letzte Woche Donnerstag von einer Gruppe Studenten tiefe Löcher gebuddelt und Rohre in die Erde geschlagen. Die Arbeiten werden zu wissenschaftlichen Zwecken durchgeführt – „selbstverständlich in Absprache mit dem Besitzer des Feldes“, versichert Dr. Christian Knoblauch von der Universität Hamburg. Zusammen mit seiner Kollegin Dr. Claudia Fiencke leitet er die Exkursion des Masterstudiengangs Geowissenschaften mit der Vertiefungsrichtung Bodenkunde.

Einzigartiger Börde-Boden

Ein Ausflug ins Bördeland lohnt sich für die Hamburger Wissenschaftler. „Nur hier gibt es eine große zusammenhängende Fläche von Schwarzerde“, erklärt Knoblauch. Dieser sehr nährstoffreiche Bodentyp sei in dieser Art sonst nur in der ukrainischen Steppe zu finden, so der Experte. Die sieben Studenten der Exkursionsgruppe möchten diesen speziellen Bördeländer Boden jetzt in Realität erforschen. Masterstudentin Maria Seedtke erklärt die weitere Vorgehensweise, nachdem die sogenannten Bohrstöcker aus den gegrabenen Löchern gezogen werden: „Aus den so entnommenen Bodenproben bestimmen wir die unterschiedlichen Bodentypen und erstellen dann ein Relief des Bodens.“

Ziele der Exkursion

Die Studenten sollen so die Diversität von Böden kennenlernen, betont Dr. Christian Knoblauch. Der Einfluss der verschiedenen Bodentypen auf die Landwirtschaft sei ein weiterer Aspekt, dem auf der wissenschaftlichen Reise nachgegangen wird. Damit die studentische Exkursion ein Erfolg wird, ist ein längerer Ausflug für die Norddeutschen nötig gewesen. „In der Umgebung von Hamburg haben wir vor allem viel Sand und nur eine begrenzte Auswahl von Bodentypen. Hier in der Region gibt es im Gegensatz dazu eine ganz andere Bodenbeschaffenheit“, so der Wissenschaftler.

Erstes Treffen der Studenten nach den Corona-Einschränkungen

Für die Studenten ist es neben den wissenschaftlichen Gründen eine besondere Reise. Nach Monaten der coronabedingten Einschränkungen, sehen sich die Kommilitonen des Studiengangs zum ersten Mal außerhalb von Videokonferenzen. „Wir haben uns heute Morgen bei der Abfahrt in Hamburg alle zum ersten Mal richtig kennen gelernt“, erzählt Maria Seedtke. Das sei deshalb bemerkenswert, weil sie schon seit einem Jahr den geowissenschaftlichen Masterstudiengang besuchen, fügt sie hinzu.

Die Bodenproben werden von den Studenten aus Hamburg analysiert. Sie bestimmen die unterschiedlichen Bodentypen und erstellen ein Relief des Bodens.
Die Bodenproben werden von den Studenten aus Hamburg analysiert. Sie bestimmen die unterschiedlichen Bodentypen und erstellen ein Relief des Bodens.
Foto: Jan Dahms

Besuch im Museum für Bodenschätzung

Bevor es für die Teilnehmer der Exkursion auf das Feld ging, führte sie die erste Station des Tages in das Museum für Bodenschätzung nach Eickendorf. Nach einem Vortrag eines Studenten wurden sie vom Leiter des Museums, Joachim Werner, in die Geschichte der Bodenschätzer eingeweiht. Es sei nicht das erste Mal, dass Geowissenschaftsstudenten und Bodenkundler speziell das Bördeland und sein Museum besuchen, berichtet Werner. „Gerade die Hamburger kommen eigentlich jedes Jahr“, sagt er. Grund sei demnach der einzigartige, nährstoffreiche Boden in der Region. Die hier erreichte sogenannte Bodenwertzahl von 100 bringt es auf den Punkt. Sie beschreibt die Ertragsfähigkeit von landwirtschaftlichen Böden.

Bodenwertzahl 100

Zu Beginn der Bodenschätzung in Deutschland ab den 1930er Jahren wurde der Boden um Eickendorf mit 100 bewertet und als Referenzgröße für die nächsten Schätzungen herangezogen. Besser als die Bodenwertzahl 100 gehe es fast nicht, so Werner. „Im Bördeland wächst es im Prinzip von alleine – wenn man die klimatischen Bedingungen außer Acht lässt“, fasst er zusammen. Im Jahr 2020 hat Joachim Werner das Museum für Bodenschätzung von seinem Vorgänger und Gründer Willy Jäger übernommen. Der gründete es im Dezember 1993 als „Würdigung der Leistung der Bodenschätzer“, wie Werner erzählt.

Bodenkundler reisen weiter

Es ist der erste Exkursionstag, den die Hamburger Studenten in Eickendorf verbringen. Die Reise der Bodenkundler führt in den nächsten Tagen weiter quer durch viele Regionen Deutschlands und Österreichs. Der Reiseplan ist dabei voll. „Morgen sind wir in der Nähe von Halle, dann machen wir in Sachsen Halt, bevor wir weiter nach Bayern und Österreich fahren“, zählt Dr. Christian Knoblauch auf. Insgesamt sind die Teilnehmer dieser wissenschaftlichen Reise 14 Tage unterwegs. Erst nach diesen zwei Wochen mit insgesamt elf Stationen geht es für Geowissenschaftler zurück in den sandigen Boden von Hamburg.