Schönebeck/Staßfurt l Beim Bummel durch die Stadt etwas googlen, ein Videotelefonat mit Familie oder Freunden oder während man auf den Bus wartet ein Video streamen. Unterwegs auf digitale Inhalte zuzugreifen wird für immer mehr Menschen zunehmend wichtiger. Sie wollen online sein – immer und überall. Wer keine Datenflatrate oder nur ein geringes Datenvolumen zur Verfügung hat, der ist mit seinem Smartphone auf öffentliches WLAN angewiesen.

Doch frei zugängliche WLAN-Hotspots sind in Deutschland rar gesät – wie digitale Oasen in einer Internet-Wüste. In Schönebeck gibt es beispielsweise nur fünf Standorte, an denen sich jedermann in das Netz einloggen kann. Laut Detlev Lorbeer, Wirtschaftsförderung der Stadt Schönebeck, gibt es in der Stadtbibliothek, auf dem Marktplatz und im Kurpark öffentliches WLAN. Hinzu kommen noch Hot-Spots am Stadion an der Magdeburger Straße und beim Tennis-Club.

Geringe Nachfrage

Mehr Standorte sind auch vorerst nicht geplant. Detlev Lorbeer erklärt warum: „Grundvoraussetzung für weitere WLAN-Standorte ist, dass Bedarf besteht. Da wir aber wenig bis keine Nachfragen aus der Bevölkerung bekommen und auch die Nutzerzahlen der vorhandenen Hot-Spots überschaubar sind, scheint das Interesse an öffentlichen WLAN gering zu sein.“

Die Zahlen untermauern dies. So werden beispielsweise in der Stadtbibliothek nur vier bis fünf Logins pro Tag verzeichnet. Auf dem Marktplatz sind es wochentags zwischen fünf und zwanzig. Große Nachfrage sieht anders aus. Am meisten Logins gibt es im Solepark. Laut Lorbeer sind es hier durchschnittlich 40 bis 50 pro Tag. Diese hohe Zahl komme aber nur zustande, weil bei diversen Veranstaltungen deutlich mehr Menschen vor Ort sind, die das Netz nutzen.

Mobilfunknetz schnell genug

Unter anderem würde das öffentliche WLAN so wenig genutzt, weil das Mobilfunknetz für eine Vielzahl der Nutzer schnell genug sei – sie also überhaupt nicht auf das öffentliche Netzwerk angewiesen sind, sagt Lorbeer.

Die laufenden Kosten für das frei zugängliche Internet sind indes überschaubar. Der Zugang in der Bibliothek kostet die Stadt monatlich 55 Euro. Am Markt liegen die monatlichen Kosten bei 40 Euro. Für das Netzwerk am Solepark fallen 90 Euro im Monat an – dort gibt es jedoch auch drei Antennenanlagen. Die Kosten für die Installation sind unterschiedlich und vor allem von der Anzahl der Antennen abhängig.

Staßfurt plant 38 öffentliche Hotspots

Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass öffentliche Netzwerke andernorts einen höheren Stellenwert genießen. In Staßfurt beispielsweise. Dort gibt es aktuell drei öffentliche Hotspots, wie Christian Schüler von der Wirtschaftsförderung der Stadt mitteilt. Im Gegensatz zu Schönebeck sollen aber weitere folgen. Insgesamt sollen 38 Standorte mit dem frei zugänglichen Netz ausgestattet werden – und zwar noch dieses Jahr. Geplant und gebaut wird durch die Technischen Werke Staßfurt, gefördert wird das Projekt vom Land Sachsen-Anhalt.

Warum Staßfurt den Ausbau des öffentlichen Netzes so vorantreibt, erklärt Oberbürgermeister Sven Wagner: „Schnelle Netze werden das Rückgrat der künftigen städtischen und wirtschaftlichen, aber natürlich auch persönlichen Entwicklung der Einwohner sein. In diesem Zusammenhang hat sich die Stadt dazu entschlossen, schnelle WLAN-Netze auch in öffentlichen Bereichen kostenfrei anzubieten.“ Darüber hinaus würde das die Attraktivität der öffentlichen Räume und diverser Einrichtungen steigern, ist sich der Oberbürgermeister sicher.

Schwerpunkte gesetzt

Ausgewählt werden Orte, die stark frequentiert sind oder es werden sollen. Zum anderen liegt der Schwerpunkt auf kulturellen Lokalitäten und touristisch attraktiven Standorten. „Bei der Auswahl der Standorte wurde auch der besondere Mehrwert für die jüngere Generation bewertet und berücksichtigt“, so Wagner.

Auch in Schönebeck hat sich Wirtschaftsförderer Lorbeer schon mit weiteren möglichen Standorten beschäftigt. Denkbar wäre öffentliches WLAN zum Beispiel am Hauptbahnhof, auf dem Marktplatz in Bad Salzelmen und auch an zentralen Punkten in den Ortsteilen.