Schule

Zur Belohnung eine Radpartie nach Prödel

Viertklässler der Barbyer Grundschule „Am Prinzeßchen“ legen Fahrradprüfung ab

Von Thomas Linßner 09.07.2021, 16:52 • Aktualisiert: 12.07.2021, 17:39
Zum Abschluss verteilte Polizeioberkommissar Lutz Maser die Fahrradpässe an die Viertklässler. Hier bekommt Nicklas seinen Pass.
Zum Abschluss verteilte Polizeioberkommissar Lutz Maser die Fahrradpässe an die Viertklässler. Hier bekommt Nicklas seinen Pass. Foto: Thomas Linßner

Barby - Bevor die zehnjährige Bella losfährt, streckt sie den linken Arm aus. Erst danach setzt sich das Mädchen mit seinem Fahrrad in Bewegung. Schließlich wechselt sie vom Straßenrand in den Fahrbahnbereich, wo der Verkehr fließt. Nach der Prüfung wird Lutz Maser sagen, dass Bella die Beste des Durchgangs war.

Eltern als Streckenposten

Bevor die Viertklässler ihre Startnummern umbinden und den Fahrradschutzhelm aufsetzen, geben die drei Regionalbereichsbeamten Lutz Maser, Bernhard Wessner (beide Barby) und Holger Scholz (Bördeland) den Helfern konkrete Hinweise. Die setzen sich aus Lehrern und Eltern zusammen, die an kritischen Punkten ein Auge auf die Strecke haben und deswegen folgerichtig Beobachtungsposten genannt werden.

Die Klassen von Dietlinde Halle und Hilmar Klapötke werden von sieben Eltern/Großeltern unterstützt, die an den neuralgischen Punkten – wie Schloß- und Pömmelter Straße sowie Schenkenweg und Lindenallee – ein wachsames Auge auf die jungen Radler haben. Ohne sie würde es nicht gehen. Oder besser gesagt, nicht rollen.

Bernhard Wessner erklärt einem etwas unsicheren Prüfling am Fußgängerschutzweg, was zu tun ist: Schulterblick, einordnen.
Bernhard Wessner erklärt einem etwas unsicheren Prüfling am Fußgängerschutzweg, was zu tun ist: Schulterblick, einordnen.
Foto: Thomas Linßner

Die Theorie kommt zuerst

Die Kinder schielen den drei Polizisten zwar auf die Schultern (zwei haben silberne, der eine blaue Sterne), sind aber zu sehr in der folgenden Aufgabe gefangen, die sie erwartet. Lutz Maser weiß zu berichten, dass die Fahrradprüfung in der Grundschule bisher fast immer vorbildlich vorbereitet wurde. Ob geradelt wird, entscheidet der jeweilige Schulleiter. Die Kinder setzen sich nicht einfach so aufs Fahrrad und legen los – ihnen werden im Vorfeld die Strecke ebenso wie die Verhaltensmaßregeln erklärt. Jetzt teilen die Polizeibeamten Startnummern aus. Fahrradhelme müssen die Prüflinge selbst mitbringen. „Auf Strecke“?dürfen natürlich nur solche Kinder, deren Fahrrad in einem verkehrssicheren Zustand ist.

„U“ steht für „Unsicher“

Vati Ralf Pigorsch steht auf „Station 3“ an der Einmündung des Wilhelmsweges. Hier trifft die Stadtstraße auf die Landesstraße 51. Dementsprechend sind die Kinder herausgefordert. In seiner Liste bedeutet das „VZ“ Verkehrszeichen, das die Prüflinge beachten müssen. Sie tun es unterschiedlich sicher. Ab und zu trägt der „Posten“ dann ein „U“ für „Unsicher“ in die Liste ein, die am Ende der Prüfung von den Polizeibeamten ausgewertet wird. Die aufgeregten Zehnjährigen dürfen von 86 Gesamtpunkten nur elf Fehler machen. Wer mehr hat, rauscht durch.

Fahrradprüfung der Grundschule Barby. Besonders gute Nerven mussten die Kinder beweisen, wenn Autos vor, hinter oder neben  ihnen fuhren.
Fahrradprüfung der Grundschule Barby. Besonders gute Nerven mussten die Kinder beweisen, wenn Autos vor, hinter oder neben ihnen fuhren.
Foto: Thomas Linßner

Neue Verkehrsregel wird nicht eingehalten

Als die Mädchen und Jungen fertig sind, ihre Helme abgesetzt und die kleinen Fahrräder in den Ständer gestellt haben, beginnt die Auswertung im Klassenraum. Streckenposten Opa Lothar Schwemer tut eine interessante Beobachtung kund: Noch nicht alle Autofahrer halten sich an die neue Rechts-vor-links-Regel in der Schloßstraße. Dementsprechend verunsichert seien die jungen Radler gewesen.

Alle Schüler bestehen die Prüfung - bis auf eine Ausnahme

Kommissar Bernhard Wessner hält sein unerbittliches Fazit: „Das war krass: 90 Prozent aller Jungen sind schlecht, 90 Prozent aller Mädchen gut gefahren. Sein Kollege Oberkommissar Lutz Maser relativiert: „Das war sicherlich eine Momentaufnahme. Mir ist das nicht so aufgefallen.“ Egal. Bis auf ein Mädchen, das sich nicht traute, die Hand vom Lenker zu nehmen und den Fahrtrichtungswechsel anzuzeigen, bestehen alle Kinder. Lehrerin Dietlinde Halle verspricht: „Die 4a macht am Schuljahresende eine Radtour nach Prödel!“ Applaus! Lutz Maser grinst aus dem Hintergrund: „Dann fragt aber vorher bei der Stadt an, ob die Fähre auch fährt!“