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Zurück zu den Anfängen: Geflügelzüchter aus Großmühlingen feiern 100-jähriges Bestehen

Vor 100 Jahren organisierten die Zuchtfreunde aus Großmühlingen sich als Verein. Die heutigen Mitglieder präsentieren anlässlich des Jubiläums die Gründerrassen in ihrer jährlichen Ausstellung, die an Weihnachten stattfinden soll.

Von Robert Gruhne

Großmühlingen - „Wir spielen Champions League“, sagt Holger Zwernemann. Er ist der Vorsitzende des Rassegeflügelvereins Großmühlingen. Der Verein wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. In dieser Zeit haben die Mitglieder fast alles errungen, was man im Geflügelzuchtbereich erringen kann. „Wir haben Europameister, Landessieger, Kreismeister und mehr“, zählt Zwernemann auf.

Gegründet wurde der Verein 1921 in Form eines Kaninchen- und Geflügelzuchtvereins. Überliefert sind zahlreiche Ausstellungen im Dorf vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit Beginn der DDR-Zeit widmet sich der Verein rein der Geflügelzucht. Ausgestellt wird seit Langem zu Weihnachten. Über die Jahre fanden die Schauen an unterschiedlichen Orten statt – in mehreren Gaststätten, der Turnhalle und schließlich einem umgebauten Getreidespeicher über der Feuerwehr.

„Wenn wir ausstellen, wird es ernst!“

In letzter Zeit hat der Verein aber vor allem Mitglieder eingebüßt statt neue gewonnen. Die Nachwuchssuche falle schwer, sagt der Vorsitzende und zieht das bittere Fazit: „Wir sind auf dem absterbenden Ast.“ Und dennoch: Auch heute zählt der Verein noch 19 Mitglieder, die ihrem Hobby treu bleiben. Laut Zwernemann sei der Verein wie alle Geflügelzüchtervereine in der Gemeinde sehr aktiv und rührig. Das läge vor allem an der Leidenschaft der Mitglieder: „Wer heute Geflügel hält, lebt das vielmehr aus als früher.“

Zwernemann weiß, wovon er spricht, denn er steckt viel Zeit und Energie in seine Tauben, die „Orientalischen Roller“. Mit ihnen wurde der Großmühlinger fünf Mal deutscher Meister. Das erste Paar kaufte er sich 1974 als Jugendlicher. In diesem Jahr hat er 21 Brutpaare.

Die Qualität müsse heute hoch sein, um bei den Schauen mithalten zu können, sagt Zwernemann. Die Geflügelzucht ist weiterhin ein sehr wettbewerbsorientiertes Hobby. „Es macht schon Spaß, aber wenn wir ausstellen, wird es ernst. Dann geht richtig die Post ab!“, sagt Zwernemann. Schließlich wolle jeder der Beste sein. Hinzu komme, dass schließlich jeder viel in das Hobby investiere: „Wir trainieren an 365 Tagen im Jahr!“

Zuchtfreunde stellen alte Rassen vor

Seit der Corona-Pandemie steht das Vereinsleben der Großmühlinger allerdings still. „Eigentlich treffen wir uns einmal im Monat“, sagt Zwernemann. Aber die letzte Versammlung fand im November statt. Im letzten Jahr gab es nur eine Jungtierschau im Oktober. Die große Ausstellung musste ausfallen.

Die diesjährige Schau ist jetzt aber für Weihnachten – genauer den 25. und 26. Dezember – geplant. Außerdem soll am zweiten Wochenende im Oktober eine Jungtierschau stattfinden. Damit die Organisation endlich losgehen kann, wollen sich die Vereinsmitglieder schnell wieder treffen.

Für die Jubiläumsschau haben sich die Zuchtfreunde etwas Besonderes überlegt. „Wir wollen die Gründerrassen vorstellen“, verrät Zwernemann. Jeder Züchter habe eine Rasse übernommen. Zwernemann beispielsweise hat nun ein paar Deutsche Nönnchen in seinem Garten. Die Rasse zählt zu den ältesten deutschen Taubenrassen. Die Tiere gelten trotz ihrer geringeren Größe als kräftig und fluggewandt. Ihr Wesen beschreibt der Verband Deutscher Rassetaubenzüchter als lebhaft und ihre Form als graziös.

Die Orientalischen Roller sind das Spezialgebiet von Holger Zwernemann und seine Tiere vielfach preisgekrönt. In diesem Jahr hat er 21 Brutpaare.
Die Orientalischen Roller sind das Spezialgebiet von Holger Zwernemann und seine Tiere vielfach preisgekrönt. In diesem Jahr hat er 21 Brutpaare.
Fotos: Robert Gruhne