Digitalisierung

Bis 2024 sollen alle Zähler digital sein

Die Digitalisierung macht auch vor dem Wasser- und Abwasserzweckverband "Bode-Wipper" nicht halt. Ein Interview mit Geschäftsführer Andreas Beyer.

Von Von Rene Kiel

Volkssstimme: Sie hatten angekündigt, die Trinkwasserzähler der Kunden des Verbandes in den betreffenden 22 Orten Schritt für Schritt durch modernere zu ersetzen. Was ist das Ziel?

Andreas Beyer: Ich verfolge damit mehrere Ziele. Zum einen wollen wir natürlich Kosten einsparen, um die günstigen Trinkwassergebühren möglichst lange halten zu können. Zum anderen wollen wir auch den Service für die Kunden erhöhen, denn die neuen Zähler können viel mehr als nur die Wassermenge messen. Bei der Installation erhalten die Kunden ein Merkblatt, welches auf die Vorteile der neuen Zähler hinweist.

Welche Kosten kann der Verband damit langfristig einsparen?

Zunächst ist festzustellen, dass man nichts sparen kann, wenn man nicht investiert. Die Funkzähler sind in der Anschaffung teurer, haben aber einen entscheidenden Vorteil: Nach aktueller Rechtslage dürfen und werden diese mindestens zwölf Jahre beim Kunden verbleiben – herkömmliche Zähler werden nach sechs Jahren gewechselt. Allerdings gibt es Bestrebungen, dass die Eichvorschriften auf 15 Jahre verlängert werden. Über einen Betrachtungszeitraum von 12 Jahren rechne ich mit durchschnittlichen Einsparungen von 1,75 Euro je Jahr und Zähler. Bei 15.800 Zählern sind das in zwölf Jahren rund 330.000 Euro.

In welchem Zeitraum soll die Umstellung erfolgen?

Die Umstellung läuft seit Oktober 2017 und soll bis zum 31. Dezember 2024 abgeschlossen sein.

„Die Kosten für die Umstellung auf die neuen digitalen Zähler sind bereits in den Trinkwassergebühren enthalten.“

Wo ist der Einbau bereits erfolgt und welche Erfahrungen hat der Verband dort gesammelt?

In den Ortslagen Löbnitz, Osmarsleben, Tarthun und Warmsdorf ist die Umstellung bereits im letzten Jahr abgeschlossen. Wir planen pro Jahr (mit Ausnahme der Kernstadt Staßfurt) vier bis fünf Orte komplett zu wechseln. In diesem Jahr stehen neben aktuell Egeln auch die Orte Amesdorf, Hohenerxleben und Hakeborn auf der Agenda. Bis auf wenige Ausnahmen haben wir nur positive Rückmeldungen bekommen.

Kunden haben berichtet, dass sich Ihre Mitarbeiter vorher nicht angemeldet haben. Stimmt das?

Das ist richtig. Der Erstkontakt findet „auf gut Glück“ statt. Das vermeidet unnötige Ausfallzeiten. Wenn Kunden da nicht erreicht werden, werden entsprechend individuelle Termine vereinbart.

Welche Kosten kommen durch die Umstellung auf die Verbraucher zu?

Die Kosten für die Umstellung auf die neuen Zähler sind bereits in den Trinkwassergebühren enthalten. Die Mehrkosten der neuen Zähler im aktuellen Kalkulationszeitraum 2018 bis 2020 haben wir übrigens durch die Senkung der Wasserverluste 2015 und 2016 kompensiert. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass auch 2017 ein gutes Jahr war.

Informationen aus den Reihen der Bürgerinitiative „Bezahlbares Abwasser“ zufolge stellt der Hersteller der digitalen Zähler ein Rückschlagventil zur Verfügung. Dieses soll durch einen vom WAZV genehmigten und zugelassenen Installateur ausgeführt werden. Warum?

Es ist richtig, dass der Hersteller ein Sieb und ein Rückschlagventil liefern kann. Allerdings ist gemäß DIN 1988 EN 806 die Kundenanlage gegen Rückfluss zu sichern. Die Monteure des WAZV haben aus rechtlichen Gründen an dieser Kundenanlage nichts zu suchen. Daher muss die Montage durch einen Installateur erfolgen.

Welche Aufgabe hat dieses Rückschlagventil?

Das Rückschlagventil sichert die Kundenanlage gegen Rückfluss. Das heißt: Das Leitungssystem wird vor Rückfluss, Rückdruck oder Rücksaugen des Wassers aus der Kundenanlage geschützt. So werden Verunreinigungen des öffentlichen Trinkwassernetzes vermieden.

Seit dem 1. Januar gibt es eine neue Gebührensatzung für das Trinkwasser. Wie hat sich die Erhöhung der Grundgebühr von 7,70 auf elf Euro pro Monat bei gleichzeitiger Senkung der Mengengebühr von 1,35 Euro auf 1,09 Euro je Kubikmeter ausgewirkt? Ist schon eine Tendenz erkennbar?

Ich denke, dass es nach einem Monat zu früh ist, hier eine seriöse Tendenz zu erkennen. Abgerechnet wird immer erst am Jahresende. Das macht die Sache interessant, aber auch sehr schwierig, weil man auf Fehlentwicklungen immer erst mit einem Jahr Verzögerung reagieren kann.

Was sich aber leider bestätigt hat: Wir haben auch im Jahr 2017 wieder weniger Wasser verkauft. Nach erster Auswertung zwischen 2,0 bis 2,5 Prozent. Es ist zu hoffen, dass die Stützung der Mengengebühr durch die erfolgte Anhebung der Grundgebühr diese Tendenz zumindest mildert.