Regenwasser

Bode-Wipper-Verband prüft Versickerung nach Bodenmerkmalen und Grundwasserständen

Ist das Prinzip Regenwasser-Entsorgung angesichts der vergangenen trockenen Jahre noch zeitgemäß? Diese Frage stellte ein Bürger dem Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZV) Bode-Wipper, als es um ein Regenwasserbeseitigungs-Konzept für das Gebiet II (Ex-Bodeniederung) ging.

Von Falk Rockmann 18.07.2021, 16:02
WAZV-Chef Andreas Beyer verteidigt die Regenwasser-Beseitigung mit dem Wassergesetz. Zudem reagiere man auf Veränderungen.
WAZV-Chef Andreas Beyer verteidigt die Regenwasser-Beseitigung mit dem Wassergesetz. Zudem reagiere man auf Veränderungen. Foto: René Kiel

Staßfurt - Michael Zenker macht sich Sorgen. Der Neundorfer registriert seit einigen Jahren die Grundwasserpegel in seinem Heimatort. Es gab regenreiche Zeiten, da waren die Stände alarmierend hoch. In den vergangenen trockenen Jahren hat sich das ins Gegenteil verkehrt. Den „Dürre-Hotspot“ Sachsen-Anhalt mit der Grundwasserabsenkung nahm Zenker zum Anlass zu der Feststellung: „Wenn wir mit dem Regenwasser-Entsorgungsprinzip so fortfahren, kommt noch weniger Regenwasser im Grundwasser an. Andererseits schaffen es die Leitungen bei Starkregen nicht.“

Grundsätzlich fehle Regenwasser, welches zentral abgeleitet wird, als Grundwasser im Boden, ist der Sprecher des Trinkwasserversorgers Magdeburg Peter Bogel bei dem besorgten Bürger.

In der Bode-Wipper-Verbandsversammlung ging es auch um ein Gutachten zu besagtem Konzept für das Gebiet des ehemaligen AZV Bodeniederung (mit Egelner Mulde, Stadt Hecklingen, Löderburg und Neundorf).

Die Frage Zenkers nach einem zweiten Gutachten verneinte WAZV-Geschäftsführer Andreas Beyer. Zudem berühre die Frage die Tagesordnung und sei also nicht zulässig. „Damit ist die Frage beantwortet“, stellte der Versammlungsvorsitzende Klaus Stops trocken fest. „Aber nicht zufriedenstellend“, so ein enttäuschter Michael Zenker.

Von Altlast bis Versickerungsfähigkeit

Salzland-Kurier richtete die Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen sinkenden Grundwasser-Pegelständen und der Regenwasser-Entsorgung in Orten an den WAZV-Chef. Andreas Beyer dazu: „Der AZV ,Bodeniederung’ hat im Sommer 2013 ein Gutachten zur Versickerungsfähigkeit im Abwasser-Gebiet II an ein Planungsbüro in Auftrag gegeben. Ziel war es, die Gebiete zu lokalisieren, in denen der (damals) AZV und in denen der Grundstückseigentümer Niederschlagswasserbeseitigungs-pflichtig ist.“ Beyer verweist auf den Paragraph 79b des Wassergesetzes Sachsen-Anhalts. „Dabei wurden 2013 schon mehrere Bodenmerkmale geprüft, so unter anderem die Bodenart, Vorhandensein von Altlasten, Versiegelungsgrad, Grundwasserflurabstand, Speicherfähigkeit des Bodens.“ Im Ergebnis sei aus einem Punktesystem abgeleitet worden, ob der Boden als versickerungsfähig gilt oder nicht. „KO-Kriterien waren zum Beispiel Grundwasserabstand unter einem Meter und Altlastflächen.“

Auf Grundwasser-Entwicklung reagiert

Im Rahmen der Überarbeitung des Gutachtens 2019/2020 habe der WAZV „Bode-Wipper“ auf die stetig sinkenden Grundwasserstände reagiert und in den Gebieten sogenannte Kleinrammbohrungen und Versickerungsversuche unternommen, in denen die 2013 vorherrschenden hohen Grundwasserstände Grund für eine Nichteignung zur Versickerung waren. „In der Tat verhielt es sich so, dass durch die trockenen Sommer das Grundwasser flächendeckend zurückgegangen ist. Im Ergebnis konnten nun somit im Vergleich zum Gutachten 2013 viele Gemeindegebiete als versickerungsfähig eingestuft werden“, stellt Beyer fest und nennt als Beispiel Borne, wo aktuell nur in fünf von 24 Gemeindeteilgebieten eine Versickerung nicht möglich ist.

Und was veranlasst den WAZV überhaupt, sich für die Oberflächen-Entwässerung zu engagieren? „Grundsätzlich obliegt die Niederschlagswasserbeseitigungspflicht dem Grundstückseigentümer, es sei denn, er darf aus den genannten Gründen nicht versickern“, erklärt Andreas Beyer. Dann sei die Gemeinde zuständig. Diese Aufgabe haben die Gemeinden des Abwasser-Gebiets II 2011 dem WAZV „Bode-Wipper“ übertragen.

Die Stadt Güsten sucht aktuell Lösungen für lokale Versickerungen im Bereich des zu sanierenden Ratsteiches.

Michael Zenker sorgt sich seit Jahren um Entwicklungen und Tendenzen der Grundwasserpegel in Neundorf und in der Region.
Michael Zenker sorgt sich seit Jahren um Entwicklungen und Tendenzen der Grundwasserpegel in Neundorf und in der Region.
Foto: Falk Rockmann