Wasserwandern

Bodetourismus: Alle in einem Boot von Etgersleben über Staßfurt bis Nienburg

Mit dem Kanu die Bode erkunden: Das funktioniert. Nur das Aussteigen an einem der Orte zwischen Etgersleben, über und Nienburg endet mit nassen Füßen. Neue Bootsanlegestellen sollen Abhilfe schaffen. 

Von Von Sabine Lindenau
Acht neue Bootsanleger sollen an der Bode entstehen: von Etgersleben über Staßfurt  bis Nienburg.
Acht neue Bootsanleger sollen an der Bode entstehen: von Etgersleben über Staßfurt bis Nienburg. Grafik: prePress Media Mitteldeutschland GmbH

Unseburg/Staßfurt - „Bislang bin ich immer nur durch den Salzlandkreis gefahren. Bald kann ich bequem aussteigen.“ Boris Funda atmet auf. Der Bootsverleiher aus Bernburg ist froh, dass sich entlang des naturbelassenen Flusses im Salzlandkreis etwas tut. Auch wenn von den ersten Ideen bis zum Startschuss viel Wasser durch die Bode geflossen ist. In einem gemeinsamen Projekt von Landkreis und anliegenden Kommunen entstehen bis Ende nächsten Jahres acht neue Bootsanlegestellen. Ausgangspunkt ist Etgersleben im Norden. Nienburg, der Ort, an dem die Bode in die Saale mündet, bildet den Endpunkt. Landrat Markus Bauer (SPD) und die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden sind überzeugt, den Tourismus dadurch weiter anzukurbeln.

Mehr Wohlfühlflair, längere Verweildauer

„Rad- und Bootfahren ist ein Wirtschaftsfaktor“, weiß Bau-er genau. Ein Tagestourist lasse täglich rund 70 Euro in der Region. Gleichwohl der Salzlandkreis kein Gebiet sei, in dem Touristen zwei Wochen blieben, könnte sich die Verweildauer durchaus erhöhen. Wer sich wohlfühle, bleibe länger, sieht der Landrat großes Potenzial in den neu entstehenden Treppenanlagen. Da die Menschen in Zeiten von Corona ohnehin eher in heimischen Gefilden Urlaub machen und ein Zurück-zur-Natur-Gefühl entwickelt haben, können die Salzländer mit ihrem Blauen Band punkten. „Der Zeitpunkt ist ideal, deutsche Regionen werden ja gerade als Urlaubsgebiete wiedergefunden“, blickt Axel Großheim der Fertigstellung erwartungsfroh entgegen. Der Bürgermeister der Gemeinde Börde-Hakel war schon des Öfteren mit dem Boot auf der Bode unterwegs. Und ist beim Aussteigen meistens nass geworden. Seine Kollegen aus den anderen anliegenden Orten sehen das ähnlich.

Für Touristen und Einheimische

„Wir sind keine touristische Hochburg. Aber wir haben unsere Juwelen, so wie die Bode“, deutete Bördeaues Gemeindeoberhaupt Peter Fries an. In seiner Gemeinde wird der Standort in Unseburg sein. Er erhofft sich natürlich, dass mehr Menschen über den Ausstieg den Ort und die Bode-niederung erkunden. Aber auch, dass Einheimische öfter einmal selbst ins Boot steigen.

Fördermittel fürmehr Attraktivität

Davon geht Staßfurts Oberhaupt Sven Wagner fest aus. Allein in seiner Stadt wird es fünf Bootsanlegestellen geben. Die bessere Infrastruktur werde die Menschen animieren, ihre Heimat auf anderen Wegen zu erkunden, ist Wagner überzeugt. Vom Kanu aus bieten sich auch ganz andere Perspektiven als vom Land aus. „Vorher waren es Hürden, die die Menschen nehmen mussten, die bauen wir jetzt ab. Unsere Bode ist ein attraktives Domizil“, macht Staßfurts Bürgermeister Werbung für die Region. Und fand sogleich noch einen passenden Vergleich für die jahrelange Dauer der Vorbereitung. „Es ist eben wie ein guter Wein, es braucht seine Zeit. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen.“ Zumal jetzt auch die Fördermittel des Gemeinschaftsprojektes fließen. Jede Kommune für sich hätte nicht die Möglichkeit gehabt, Summen dieser Größenordnung zu erhalten, wie es durch den Landkreis ermöglicht werden konnte. Deshalb zeigten sich alle Vertreter der beteiligten Städte und Gemeinden erfreut über die gelungene Zusammenarbeit.

„Ohne Fördermittel geht nichts“, weiß Sven Rosomkiewicz. Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde (Borne) hat er kaum finanziellen Spielraum für freiwillige Aufgaben. Da kommt solch ein Projekt genau richtig. „Das ist ein gutes Puzzleteil, ein Zahnrädchen mehr, das uns hier in der Region stärkt.“ Das neue Landtagsmitglied sieht sich zudem als Multiplikator, das verbindende Projekt über die Salzlandgrenzen hinauszutragen.

Lange Zeit der Vorbereitung

Im Jahr 2015 waren erste Ideen gereift. Seinerzeit wurde auch eine Arbeitsgruppe gegründet. In enger Abstimmung mit Bootsverleiher Funda, aber auch mit den Gemeindevertretern wurden seinerzeit schon geeignete Standorte bei Vor-Ort-Begehungen ins Visier genommen. „In einem längeren Prozess haben wir uns dann geeinigt“, gab Tilo Wechselberger einen kurzen Abriss. Der zuständige Fachbereichsleiter im Salzlandkreis hatte vor wenigen Tagen zum Startschuss in Unseburg eine große Landkarte mitgebracht, auf der die Ein- und Ausstiege markiert sind. Insgesamt acht werden unter Federführung des Landkreises entstehen, zwei hat das Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) bereits bauen lassen. „Am Schütz“ in Staßfurt steht eine im Jahr 2019 fertiggestellte Anlage, die erahnen lässt, wie die weiteren aussehen werden. Im März dieses Jahres hat der Landkreis den Fördermittelantrag gestellt. Der Bewilligungsbescheid ging schnell ein. Knapp 840 000 Euro gibt es von Bund und Land für diese „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.

Baubeginn und -ende im nächsten Jahr

Im kommenden Jahr sind sowohl Baubeginn als auch -fertigstellung geplant. 2023 sollen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen folgen. Im März 2024 läuft der Projektzeitraum aus. Wechselberger hofft, dass sich die Anlagen dann auch in den anderen beiden Landkreisen, durch die die Bode fließt, herumsprechen. Kooperationsvereinbarungen mit den Landkreisen Harz und Börde existieren, doch dort wurde das Projekt noch nicht in Angriff genommen.

Hoffnung auf Synergieeffekte

Im Salzland geht der Blick indes voraus. „Wir können vernetzen, Menschen zusammenbringen“, umreißt Markus Bauer eine wesentliche Aufgabe des Landkreises außerhalb des Amtsstuben-Alltags. Das Bode-Projekt hat etliche Protagonisten zusammengeführt, die für ein gemeinsames Ziel im Boot sitzen. Mit Boris Funda ist auch ein Gewerbetreibender dabei, der die Nachhaltigkeit sieht. „Neben Fahrradtouren boomt seit Jahren der Tourismus auf dem Wasser. Viele entdecken gerade ihre Heimat als Urlaubsziel.“ Der Bootsverleiher, der selbst auch gern auf dem Wasser unterwegs ist, freut sich, alsbald auf der Bode bequem aussteigen zu können. Er wünscht sich aber, noch stärker involviert zu werden, wenn es um die Bauausführung geht. Schließlich kennt er sich genau aus, wenn es darum geht, ein Boot trockenen Fußes zu verlassen. Dass es Synergieeffekte über die Salzlandgrenzen hinaus geben wird, davon ist Funda überzeugt.

Unseburg an der Bode soll über den Landkreis einen Bootsanleger  wie sieben andere Orte an der Strecke zwischen  Etgersleben und Nienburg bekommen. Das könnte auch Geld in die Region bringen. Ein Tagestourist  gibt  etwa 70 Euro pro Tag aus.
Unseburg an der Bode soll über den Landkreis einen Bootsanleger wie sieben andere Orte an der Strecke zwischen Etgersleben und Nienburg bekommen. Das könnte auch Geld in die Region bringen. Ein Tagestourist gibt etwa 70 Euro pro Tag aus.
Foto: Sabine Lindenau
Strahlende Gesichter zur Inbetriebnahme der Kanu-Ein- und Ausstiege 2019 Am Schütz in Staßfurt, von links: Kanutouristik-Unternehmer Boris Funda, LHW-Flussbereichsleiter Dr. Christoph Ertl, Landrat Markus Bauer (SPD) und Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD).
Strahlende Gesichter zur Inbetriebnahme der Kanu-Ein- und Ausstiege 2019 Am Schütz in Staßfurt, von links: Kanutouristik-Unternehmer Boris Funda, LHW-Flussbereichsleiter Dr. Christoph Ertl, Landrat Markus Bauer (SPD) und Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD).
Archivfoto: Falk Rockmann
Wasserwandern auf der Staßfurter Bode.
Wasserwandern auf der Staßfurter Bode.
Foto: Franziska Richter