Weihnachtsmärkte

Budenzauber ohne Bühne

In Staßfurt soll einen „Lichterglanz“ geben. Die Ortsteile sagen ab oder suchen nach Alternativen zum klassischen Weihnachtsmarkt.

Staßfurt l Die Mitglieder sind bei der Verteilung des Staßfurter Adventskalenders 2020 und der Gewerbeverein hat auch Anteil an der Einführung der neuen Salzlandkarte. An die Vorbereitung und Durchführung des grandiosen „Staßfurt in Flammen“, welches in den vergangenen 15 Jahren die Menschen zu Tausenden auf die Steinstraße, den Sperlingsberg und an den Stadtsee lockte, brauchte der Gewerbeverein in diesem Jahr aber gar keinen Gedanken verschwenden. Auch das mittlerweile ebenfalls zur beliebten Tradition gewordene Kirschblütenfest im Mai war 2020 wegen Corona kein Thema. Von der verordneten sechswöchigen Schließzeit im Frühjahr mal ganz zu schweigen.

Eines der schwärzesten Jahre – auch für die Staßfurter Gewerbetreibenden – wollen die Mitglieder um Vereinsvorsitzenden Ronald Teßmer wenigstens etwas weniger dunkel verabschieden.

„Wir alle wissen: Ein Weihnachtsmarkt wie bislang üblich, wird nicht durchführbar sein. Aber wir wollen gemeinsam mit der Stadt unseren Einwohnern und Kunden zum vierten Advent ein ,Staßfurt im Lichterglanz‘ anbieten“, erklärt Teßmer. Weihnachtlich typische Angebote aus Buden heraus, die in der Steinstraße mit dem nötigen Abstand verteilt werden, stellt sich der Interessenvertreter der Staßfurter Gewerbetreibenden dabei vor.

Auch auf dem Sperlingsberg werden Buden so „luftig“ gestellt, dass die geltenden Regeln eingehalten werden können. Dass solche Freiluft-Veranstaltungen funktionieren können, zeigten sowohl der „Tag der Regionen“ als auch das Eisenbahnfest in Staßfurt im September. Nicht zu vergessen der Herbstmarkt im Oktober.

„Wir werden uns auch wieder um die Weihnachtsbäume kümmern, mit denen die Steinstraße geschmückt wird“, versichert Ronald Teßmer. Die schmückenden Leuchtelemente, die der Gewerbeverein in den vergangenen Jahren nach und nach anschaffen konnte, sind bereits von den Stadtwerken an den Straßenlaternen installiert worden.

Da der gebotene Abstand das A und O der Hygieneauflagen sein wird, verzichten die Veranstalter in diesem Jahr auf eine Bühne, vor der sich sonst die Menschen versammelten, wenn Kindertagesstätten ihre kleinen Programme darboten, Musiker und Theater spielten.

Auf weihnachtliche Klänge aus der Konserve werden die Besucher aber nicht verzichten müssen. Ebenso wenig auf den Weihnachtsmann und dessen Engel, die im Weihnachtsmann-Haus die Wunschzettel der Kinder entgegen nehmen.

„Staßfurt im Lichterglanz“ soll von Donnerstag, 17. Dezember, bis Sonntag, 20. Dezember, jeweils von 12 bis 19 Uhr, in die Salzstadt locken. Die Steinstraße wird für diese Tage bis jeweils 12 Uhr für den Lieferverkehr frei bleiben. Genügend Parkplätze, kaum 100 Meter entfernt, sind ringsum vorhanden, vom neu gestalteten Postringparkplatz über den Kaligarten, Bodepark bis zum Benneck‘schen Hof. Der vierte Adventssonntag wird ein verkaufsoffener sein ab 13 Uhr.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn die Staßfurter und ihre Gäste unser Angebot wahrnehmen, und sich trotz aller gegebenen Umstände auf das Fest einstimmen lassen“, lautet Roland Teßmers größter Wunsch.

Für Förderstedt, wo bisher der Vereins zur Förderung des Feuerwehrwesens am alten Feuerwehrhaus zum Weihnachtsmarkt einlud, gibt es eine Absage: „Leider muss in diesem Jahr der Förderstedter Weihnachtsmarkt ausfallen. Das tut uns sehr leid.“ Der Vereinsvorsitzende Detlev Kiel erklärt: „Wir versprechen jedoch allen Kindern, dass sich das bereits bestellte Karussell im nächsten Jahr drehen wird.“

Einen weiteren Weihnachtsmarkt in Förderstedt sagt Organisator Marcus Janisch ab: „So wie er sonst war findet der Weihnachtsmarkt auf jeden Fall nicht statt.“ Der Inhaber der Bulettenschmiede Förderstedt behält sich aber vor, vielleicht in kleinerer Form zu feiern, falls es die Auflagen erlauben. „Wenn, dann entscheiden wir uns kurzfristig“, so Janisch.

„Wir planen keinen Weihnachtsmarkt in diesem Jahr“, sagt Nico Braunroth von der ZLG. Der Atzendorfer Sportverein hatte mit vielen weiteren Vereinen immer auf den Hof der Feuerwehr Atzendorf zum Weihnachtsmarkt eingeladen. „Wir würden die Auflagen nicht erfüllen können“, sagt Braunroth. Die ZLG hat sich darauf mit ihren Mitstreitern verständigt. Das Atzendorfer Event habe sowieso meist zu Beginn der Adventszeit stattgefunden, die in diesem Jahr mit dem ersten Advent sogar noch in den November fällt.

In Üllnitz war der Lebendige Adventskalender für den Ort immer die weihnachtliche Zusammenkunft. Jeden Advent lud eine andere Üllnitzer Familie auf ihren Hof ein, zu Glühwein, Würstchen und Zusammensein. In Üllnitz müssen die Organisatoren zumindest diese Treffen der Einwohner absagen. Kerstin Boße erklärt: „Wir sagen den Lebendigen Adventskalender coronabedingt ab. Das kann niemand verantworten. Nicht jeder hat einen großen Hof und wir denken besonders an die ältere Bevölkerung.“

„Wir sind todtraurig deswegen“, sagt Kerstin Boße weiter. Man überlege im Ort noch, ob man vielleicht doch irgendwie Weihnachten gemeinsam, aber mit Abstand feiern könne. Vielleicht könne man Musik in den Straßen erklingen lassen oder Zettel in die Briefkästen werfen. „Wenn wenigstens ein bisschen was los ist, sind alle vielleicht ein bisschen glücklicher“, so Kerstin Boße.

In Brumby haben Gemeindekirchenrat und seine vielen Helfer eine Alternative gefunden: „Der Weihnachtsmarkt muss leider ausfallen, aber es wird sogenannte ‚Momente der Besinnung‘ für die Brumbyer begeben“, sagt Alt-Pfarrer Gottfried Eggebrecht.

Der Kirchhof werde geschmückt und beleuchtet, zu bestimmten Zeiten werde Musik erklingen. Den Weihnachtsbaum auf dem Kirchhof können die Brumbyer individuell mit eigenen Dingen schmücken. An jedem Sonntag, außer dem ersten Advent, gibt es ein kleines Programm. „Am zweiter Advent kommt der Nikolaus für die Kinder“, so Eggebrecht. Am dritten Advent sollen sich die Brumbyer an einem Tag der Heiligen Lucia, die das Licht geteilt hat, Kerzen in der Kirche abholen und diese anderen Menschen bringen. „Am vierten Advent wird es Blasmusik auf dem Kirchhof geben“, so Eggebrecht. Wer etwas trinken will, muss sich eine Teekanne mitbringen. Gastronomische Angebote werde es nicht geben.

„So zu tun als wäre nichts, wäre unverantwortlich, aber gar nichts zu machen hieße, die Menschen mit ihren Bedürfnissen allein zu lassen“, sei laut Eggebrecht der Tenor im Gemeindekirchenrat gewesen.