Coronavirus

Digitaler Impfpass: Anlaufprobleme bei den Apotheken in Staßfurt

Seit Montag können sich geimpfte Bürger in den Apotheken einen digitalen Impfpass ausstellen lassen. In Staßfurt gab es am ersten Tag noch große Probleme mit der Technik. Die Apotheken erhielten teilweise sehr viele Anfragen von Bürgern.

Von Enrico Joo
Eine Kundin übergibt ihren Impfpass und ein Covid-19 Impfzertifikat in einer Apotheke, um sich einen digitalen Impfnachweis ausstellen zu lassen. Nach anfänglichen Problemen am Montagmorgen klappt das in Staßfurt schon gut.
Eine Kundin übergibt ihren Impfpass und ein Covid-19 Impfzertifikat in einer Apotheke, um sich einen digitalen Impfnachweis ausstellen zu lassen. Nach anfänglichen Problemen am Montagmorgen klappt das in Staßfurt schon gut. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Staßfurt - Der Cursor für die Buchstaben war eingefroren, bewegte sich kaum noch. Manchmal war der Bildschirm gleich ganz schwarz und überall berichteten die Apotheken das Gleiche. Sie würden gern digitale Impfpässe ausstellen. Allein: Der Zugang fehlt noch, es gibt große Serverprobleme in den Apotheken in Staßfurt. Zumindest in den Morgenstunden.

Alle Apotheken in Staßfurt beteiligen sich. „Es ist wichtig. Wir werden das anbieten“, sagte Synke Mutke von der Nord-Apotheke. „Es dauert wohl aber noch ein paar Tage, bis es funktioniert. Wir warten aktuell noch auf den Zugang.“

In der vergangenen Woche hatte das Gesundheitsministerium des Landes angekündigt, dass auch in Sachsen-Anhalt ab Montag in den Apotheken flächendeckend digitale Impfausweise ausgestellt werden können. Das führte offensichtlich aber nicht nur zu Serverproblemen bei den Apotheken. Die Seite „mein-apothekenmanager.de“, die auflistet, welche Apotheken sich beteiligen, war über Stunden nicht oder kaum erreichbar. Das Online-Portal war überlastet. Zwischendurch zeigte die Seite an, dass es Wartungsarbeiten gibt. Erst am späten Vormittag lief die Seite wieder reibungslos.

„Es gibt einen Wahnsinns-Andrang, sehr viele Nachfragen“, erzählte Sandra Trümper von der Germania-Apotheke in Förderstedt. Auch hier: Der Server überlastet. Erst um die Mittagszeit konnten dort die ersten digitalen Impfausweise ausgestellt werden. Bis dahin gab es schon etwa 20 Anfragen.

Noch größer war der Andrang bei der Leopold Apotheke in Staßfurt. „Wir machen derzeit nichts anderes außer digitale Impfpässe auszustellen“, sagte Michael Teuber um die Mittagszeit. Morgens gab es auch hier noch Probleme, dann lief es aber gut. Ungefähr 80 Personen hatten sich bis 12 Uhr bereits einen digitalen Impfpass geholt. „Es ist voll, aber eine Schlange gibt es nicht“, so Teuber.

Alle Apotheken loben dabei: Der Aufwand ist nicht groß. „Es lässt sich einfach kontrollieren und dauert nicht lang“, sagte Karolin Busch von der Zentral Apotheke Staßfurt.

Bei der Bode Apotheke war man am Vormittag gerade dabei, die Technik für den Ansturm vorzubereiten. Auch hier gab es viele telefonische Nachfragen.

Digitaler Impfpass auch im Impfzentrum in Staßfurt

Auch das Impfzentrum in Staßfurt stellt aus. „Seit vergangenen Freitag haben wir die Möglichkeit, den digitalen Impfpass nach vollständiger Immunisierung auszustellen“, teilte Salzlandkreis-Sprecher Marko Jeschor mit. „Das bedeutet, dass künftig alle Bürgerinnen und Bürger im Rahmen ihres Termins im Impfzentrum in Staßfurt das Angebot unterbreitet bekommen.“

Allerdings können in den Impfstationen noch keine digitalen Impfpässe ausgestellt werden. „Die dafür notwendige Hard- und Software-Komponenten sind zwar bestellt, jedoch noch nicht geliefert worden“, so Jeschor. Impfstationen gibt es in Schönebeck, Eggersdorf, Barby, Calbe, Egeln und Güsten. Aber auch in Aschersleben, Bernburg, Nienburg, Könnern und Gatersleben.

Dazu wird es bald möglich sein, dass die geimpften Bürger sich im Nachgang selbst einen digitalen Impfpass ausstellen. Marko Jeschor vom Salzlandkreis teilte dazu mit: „Für eine rückwirkende Ausstellung des digitalen Impfpasses soll es – und da beziehen wir uns auf die Aussagen des Landesgesundheitsministeriums in Magdeburg – bis Ende des Monats eine Internetseite geben, über die sich die vollständig Geimpften anhand ihrer Daten das Zertifikat selbst ausstellen können.“

Kommentar von Enrico Joo:

Es klingt skurril. Wer sich einen digitalen Impfpass besorgen will, muss mit seinem Impfpass zur Apotheke und bekommt dann ein Stück Papier in die Hand. Zwar könnte der Bürger den QR-Code auch selbst an Ort und Stelle am PC der Apotheke einscannen. Das ist aber unpraktisch, schützt die Daten kaum und setzt die Patienten unter Druck. Für mich ist der umständliche Weg zum digitalen Impfpass mit dem Zwischenschritt des erneut erhöhten Papierverbrauchs symbolisch. Symbolisch für die digitale Wüste, in der Deutschland noch immer feststeckt. Seit über einem halben Jahr wird gegen das Coronavirus geimpft. Dass es erst jetzt möglich ist, den Nachweis auch digital zu führen, ist beschämend.