Wirtschaft

Gewinner in Krisen-Zeiten

Der E-Bike-Hersteller TechniBike aus Staßfurt baut sein Geschäft aus und sucht 30 neue Mitarbeiter.

Staßfurt l Der Eingang ist unscheinbar. Hinter einer Schranke liegen mehrere Gebäude im Gewerbegebiet Nord in Staßfurt an der Nordstraße verteilt. Wer hinter der Schranke die flachen Gebäude weiter hinten betrachtet, würde nicht vermuten, dass hier der Beweis für innovatives Wirtschaftswachstum beheimatet ist. Das Unternehmen TechniBike hat hier seinen Sitz. Hier werden Elektrofahrräder hergestellt.

Das ist seit Jahren ein Segment mit Wachstumsgarantie. Aber in Corona-Zeiten konnte das Unternehmen noch einmal profitieren. „Der Absatz von E-Bikes der Marke Technibike stieg in 2020 sehr stark an. Corona-bedingt investieren die Verbraucher häufiger in hochwertige E-Bikes“, sagt Produktionsleiter Horst Hüttner. „Corona hat uns da in die Karten gespielt.“

Ab dem Frühjahr 2020 war das Unternehmen Hunderten Bestellungen hinterhergelaufen. Die Kapazitäten reichten nicht aus, um dem Wunsch auf dem Markt nach hochwertigen E-Bikes von TechniBike gerecht zu werden. 3000 Fahrräder mit Elektroantrieb wurden 2020 hergestellt. Es wird aufgestockt. In diesem Jahr sollen 7500 E-Drahtesel hergestellt werden, in 2022 sollen es schon 10.000 sein. Angefangen hatte das Unternehmen einmal mit 500 E-Bikes.

Damit die Produktionszahl erhöht werden kann, sucht das Unternehmen 30 neue Mitarbeiter. Derzeit sind es 14 Mitarbeiter im Montage-Bereich. Im kommenden Jahr werden zudem über 500.000 Euro in die Vergrößerung der Montage, Erweiterung der Fläche sowie in ein neues Montageband investiert.

Preislich bewegen sich die Fahrräder mit Elektroantrieb zwischen 2000 und 5000 Euro. Ob der Preis abschreckt? „Nein, gar nicht“, sagt Hüttner. Etwa 50 E-Bikes wurden in der Region um Staßfurt verkauft, aber es wird größer gedacht. Nicht nur Deutschland, sondern auch Österreich, Schweiz, Niederlande und Belgien sind für TechniBike unmittelbare Abnehmerländer der Fahrräder. „Made in Germany - Made in Staßfurt“ heißt es also bei Fahrrädern, die in halb Mitteleuropa herumfahren.

„In der Konkurrenz zu Fernost haben viele Unternehmen nicht überlebt. TechniBike hat sich einem Nischenmarkt gewidmet und auf hochwertige Produkte gesetzt“, sagt Christian Schüler von der Wirtschaftsförderung. „Für uns hat das Unternehmen einen hohen Stellenwert.“

Das gilt genauso für TechniSat. Als Hochburg der Elektrotechnik ist Staßfurt seit mehr als 100 Jahren überregional bekannt. Zu DDR-Zeiten war der Fernseher aus Staßfurt ein echter Exportschlager. Zwar gingen nach der Wende viele Jobs verloren. TechniSat ist aber bis heute ein Begriff für hochwertige Fernseher aus der Region. TechniSat-Werkleiter Michael Wylega sagt, dass die Verkaufszahlen für DAB- und Fernsehgeräte in 2020 so stark anstiegen, dass das Unternehmen mit der Auslieferung bestellter Produkte kaum noch hinterher kam. Es werden also neue Mitarbeiter gesucht.

Genauso wie im neuen Bereich Maskenproduktion. „Wir werden ab Januar 2021 mit vier Produktions- und vier Verpackungsmaschinen monatlich 3,5 Millionen Schutz- und FFP2-Masken produzieren“, so Wylega. Es wird auf Vlies aus Aschersleben und eigenen Vlies gesetzt. Die Masken werden unter anderem an Apotheken und einen namhaften Nahrungsmittelhersteller verkauft. Für beide Bereiche sucht TechniSat insgesamt 40 neue Mitarbeiter. „Beide Unternehmen sind bundesweit sehr etabliert und bekannt“, freut sich Christian Schüler von der Staßfurter Wirtschaftsförderung.

TechniBike geht bei der Herstellung der E-Bikes nun auch neue Wege. Weil sich Continental als Erstausrüster zurückzieht, muss das Unternehmen neue Motoren und Rahmen verwenden. Ab sofort setzt das Unternehmen auf Shimano, einen bekannter Hersteller aus Japan. 504 Modellvarianten sind möglich. Die neuen Produkte bekommen dann aus Marketinggründen auch neue Marken-Namen. Weil der Stammsitz von TechniBike in der Eifel in Daun in Rheinland-Pfalz ist, werden die Fahrräder statt als „TechniBike“ als „HoheAcht“ und „Cooper“ (abgeleitet von Mini-Cooper) verkauft. Die Hohe Acht ist der höchste Berg der Eifel.

Der Vorteil bei Shimano: „Das hat jeder Fachhändler im Programm“, sagt TechniBike-Produktionsleiter Horst Hüttner. So ist auch bessere Expertise bei Reparaturen und anderen Fragen vorhanden. Denn die Fahrräder werden nun nur noch beim Fachhändler verkauft. Auch das ist neu. Der Verkauf in Großmärkten neben vielen anderen Produkten fällt weg. Das habe nicht so gut funktioniert, meint Hüttner. Ob und welche Fahrrad-Fachhändler sich in Staßfurt und Umgebung daran beteiligen, sei noch nicht ganz klar.

Klar ist aber: Staßfurt wird man in Zukunft mehr denn je auch mit Elektrofahrrädern in Verbindung bringen. „Der Kuchen auf dem Markt ist eigentlich verteilt. Aber wir überzeugen mit Qualität und Preis“, sagt Hüttner.