Verkehrssicherheit

Hohe Hürden für Zebrastreifen oder Ampel in Wolmirsleben

Senioren vor Rasern vor Dorfhaus schützen / Seit Ende 2020 keine Gespräche mehr von Gemeinde mit Kreis

Vor dem Dorfgemeinschaftshaus i soll nach dem Willen der Gemeinde eine Ampel oder Fußgängerweg entstehen. Foto: René Kiel

René KielWolmirsleben

Das leidige Thema des fehlenden sicheren Fußgängerüberwegs sprach Michael Vorwerg in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung im Saal des Dorfgemeinschaftshauses „Zum Adler“ zur Sprache. „An der Kreuzung ist mir aufgefallen, dass ältere Bürger beinahe erwischt werden. Dort hält sich keiner an die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer “, sagte er und brachte einen Zebrastreifen ins Spiel.

„Ich lasse da nicht locker“, sagte Wolmirsleben Bürgermeister Knut Kluczka (CDU), der schon seit Jahren für eine Fußgängerampel auf der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt der Landstraße 70 in Wolmirsleben kämpft. „Und wenn diese nur in der Zeit von 6 bis 18 Uhr geschaltet wird“, fügte das Ortsoberhaupt hinzu.

In diesem Zusammenhang kündigte Kluczka an, in diesem Jahr einen zweiten Versuch für einen besseren Schutz der Fußgänger zu unternehmen. Ein Zebrastreifen bringt aus seiner Sicht jedoch nicht viel.

Bürgermeister: Landkreis hat seinen Blitzer abgeschafft

„Jeder Kraftfahrer, der einen Führerschein hat, muss wissen, dass er anhalten muss, wenn sich ein Fußgänger auf dem Zebrastreifen befindet“, stellte der Fraktionschef der Freien Wählergemeinschaft Wolmirsleben, Peter May, klar. „Die sicherste Alternative ist eine Ampel“, sagte der Bürgermeister, der eine eigene Verkehrszählung vor dem Dorfgemeinschaftshaus „Zum Adler“ anstrebt. Denn eine Signalanlage sei abgelehnt worden nachdem dort eine offizielle Zählung stattgefunden hatte, deren Ergebnis Kluczka anzweifelt. „Es ist keine richtige Zählung erfolgt“, sagte er.

Deshalb regte Michael Vorwerg eine Kontrolle der Einhaltung der Geschwindigkeit in dieser Tempo-30-Zone an. „Der Landkreis hat seinen Blitzer abgeschafft“, sagte der Bürgermeister. Das könne nur die Polizei in Kooperation mit der Fachhochschule der Polizei in Aschersleben machen. Jens Braune (Fraktion Freie Wählergemeinschaft Wolmirsleben) empfahl Kluczka sich an das Polizeirevier zu wenden.

Auf Nachfrage der Volksstimme, wieso dort keine Ampel oder kein Zebrastreifen installiert werden können, damit die älteren Bürger gefahrlos die vielbefahrene Straße passieren können, zumal dort eine neue Arztpraxis entstehen soll, fasste sich der Sprecher der Kreisverwaltung, Marko Jeschor, kurz: „Der Bürgermeister der Gemeinde ist seit Dezember 2020 über die Bewertung unserer Straßenverkehrsbehörde in Bezug auf ihre Anfrage im Bilde. Seitdem gab es keine weiteren Gespräche. Insofern können wir keine ergänzenden Aussagen dazu treffen.“

Der Bau- und Ordnungsamtsleiter der Verbandsgemeinde Egelner Mulde, Sascha Josuns, machte deutlich, dass vom Gesetzgeber hohe Hürden für die Errichtung eines Fußgängerüberweges geschaffen wurden. Laut Straßenverkehrsordnung seien Verkehrseinrichtungen nur dort anzuordnen, wo dies aufgrund der besonderen Umstände zwingend geboten sei.

„Hinreichend gebündelt auftretender Fußgänger-Querverkehr“ nötig

Daneben gelten die „Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen,“ wonach neben einer bestimmten Verkehrsbelegung auch ein „hinreichend gebündelt auftretender Fußgänger-Querverkehr“ vorhanden sein müsse. Für den jeweiligen Standort müsse eine belastbare Verkehrs- und Fußgängerquerungszählung vorliegen. Daneben müsse es straßenseitig Besonderheiten, wie scharfe Kurven oder steiler Anstieg, geben und Unfälle müssten bereits passiert sein.

Josuns: „Wenn man diese Voraussetzungen bejahen könnte, dann stünde die Errichtung eines Fußgängerüberweges immer noch im Ermessen der Straßenverkehrsbehörde.“ In Staßfurt entstanden in der Gollnowstraße nach dem grundhaften Ausbau gleich zwei Zebrastreifen.