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Jobs im Salzlandkreis: Angebot an Lehrstellen größer als Nachfrage

Corona hat das Kennenlernen der Berufe erschwert. Die IHK Magdeburg teilt mit, dass jetzt wieder Betriebspraktika möglich sind, um reinzuschnuppern.

Von Nora Stuhr
Im Salzlandkreis fehlen in vielen Betrieben Lehrlinge.
Im Salzlandkreis fehlen in vielen Betrieben Lehrlinge. Symbolfoto: ehrenberg-bilder

Hecklingen/Bernburg/Magdeburg - „Wir haben definitiv weniger Bewerber um einen Ausbildungsplatz als sonst“, berichtet Mathias Möller von der Geschäftsleitung der Möller Industrietechnik in der Stadt Hecklingen. Das im Gewerbegebiet „Bodewiesen“ ansässige Unternehmen beschäftigt rund 150 Mitarbeiter, ist eigenen Angaben zufolge in seiner Branche der größte Vollsortimenter in Europa. Möller hat sich auf die Produktion von Flachdichtungstechnik spezialisiert und exportiert rund 15 Prozent seiner Produkte. Seit jeher wird im Betrieb ausgebildet. Im Moment sind fünf Lehrlinge beschäftigt. Für das kommende Ausbildungsjahr sind Möller zufolge Stellen in allen Bereichen frei: Industriekaufmann, Industriemechaniker, Fachkraft für Lager und Logistik, Maschinen- und Anlagenführer. Immer weniger junge Leute, die diese Berufe erlernen möchten, melden sich. Die Dichte an Bewerbungen sei einfach abgeschwächt, meint Möller. Das sei ein rückläufiger Trend, der allgemein in den zurückliegenden Jahren zu beobachten sei, meint er. Ob das an Corona liege, sei fraglich. „Sicher ist, wir befinden uns in einem Kampf, Leute zu finden“, sagt Möller.

Auch die Industrie- und Handelskammer in Magdeburg macht auf Anfrage der Staßfurter Volksstimme deutlich, dass das Angebot im Moment größer ist als die Nachfrage. „Im Moment sind mehr Lehrstellen zu besetzen als es aktuell Bewerber gibt“, teilt Bildungsservice-Referent Sebastian Patze mit. Die Nachwuchssuche sei aber über alle Berufsgruppen ungebrochen. „Vor allem in den gastronomischen Berufen sind interessierte junge Menschen gern gesehen“, weiß der Mann von der IHK.

Dennoch würden die Aus- und Weiterbildungsberater der IHK sehr unterschiedlich aus den Unternehmen berichten. So gebe es Unternehmen, die sich sehr gut versorgt sehen, andere wiederum hätten Schwierigkeiten.

Für ihre Kammerregion im Salzlandkreis ist die IHK Magdeburg aber optimistisch, die Vorjahreszahlen bestätigen zu können. „Mit Stand Ende Mai haben wir hier ein kleines Plus an Berufsausbildungsverträgen zu verzeichnen und hoffen, dass Auszubildende und Unternehmen in den nächsten Monaten weiter zueinanderfinden“, so Patze. Der Referent macht auf Vorteile für potenzielle Bewerber im Salzlandkreis aufmerksam: „Um eine tolle Ausbildungsstelle zu finden, braucht kein Jugendlicher mehr das Bundesland zu verlassen“, sagt er.

Persönliche Berufsorientierung fehlt

Dennoch melden Unternehmen der IHK Magdeburg, dass Corona das Kennenlernen der Berufe erschwert. Etliche Betriebe würden zurückmelden, berichtet Patze, dass vor allem die persönliche Berufsorientierung und damit die Möglichkeit, dass Schüler und Unternehmen sich über mehrere Tage oder Wochen kennenlernen, extrem fehlt. Problematisch sei zudem, dass die Berufsorientierung in den Schulen und auch die Beratungen durch die Agenturen für Arbeit nicht so umgesetzt werden konnten, wie dies für gewöhnlich der Fall ist. Im Distanzunterricht seien auch der Berufsorientierung ihre Grenzen gesetzt.

Bleibt zu fragen, welche Lösungen angeboten werden. Die Agentur für Arbeit in Bernburg macht das Thema öffentlich und warnt, dass Corona nicht zur Ausbildungs- oder Fachkräftekrise werden darf. Pressesprecherin Heike Wunschik verweist auf ein digitales Angebot der Vermittlung. Im Internet (https://www.arbeitsagentur.de/m/ausbildungklarmachen/) werden Jugendliche, Eltern und Unternehmen angesprochen. Dort gibt es Tipps für die Berufswahl, Ausbildungsplatzangebote und es wird erklärt, wie ein persönliches Gespräch mit Berufsberatung per Videoberatung möglich ist. „In einer Veranstaltungsdatenbank finden die Jugendlichen außerdem virtuelle Ausbildungsmessen, Speed-Datings und weitere digitale Events in ihrer Region“, so Wunschik.

Die IHK geht digitale Wege, um Jugendliche in ihrem Heimatland Sachsen-Anhalt auszubilden. Patze spricht die sogenannte „hierbleiben.Last-Minute-Azubi Kampagne“ an. Sie laufe über Social Media. Es gehe darum, junge Menschen und Unternehmen miteinander zu vernetzen. Zudem verweist er auf die App „FindMe!“. Die Ausbildungsberater der IHK können ebenfalls über die Hotline (03 91) 5 69 34 38 jederzeit zu Möglichkeiten der Ausbildung in der Region befragt werden.

Jetzt, da Kontakte langsam wieder möglich sind, können junge Leute auch wieder in die Betriebe. Patze: „Wir hoffen, dass die mittlerweile wieder möglichen Betriebspraktika intensiv genutzt werden und fordern Unternehmen und Schüler auf, diese Chance zu nutzen“, so sein Appell.

Die Hecklinger Firma Möller schlägt bei der Suche nach Lehrlingen auf eigene Initiative neue Wege ein: Das Unternehmen rüstet sich, platziert Firmenvideos in sozialen Medien, um die Jugendlichen zu erreichen. „Wir müssen aktiv für Azubis werben“, steht für Möller sicher fest.