Heimatgeschichte

Natur pur statt Großkraftwerk in Groß Börnecke

Von Groß Börnecke aus wurden vor mehr als 100 Jahren kurzzeitig auch einige Gemeinden im Harz und die Stadt Schönebeck mit Strom versorgt.

Von Nora Stuhr
Auf dem Gelände befand sich ein Kraftwerk. Es arbeitete bis 1926. Heute kann man angeln, wo früher die Anlage stand.  Repro: Claus Freitag
Auf dem Gelände befand sich ein Kraftwerk. Es arbeitete bis 1926. Heute kann man angeln, wo früher die Anlage stand. Repro: Claus Freitag Repro: Claus Freitag

Groß Börnecke - Woher haben die Einwohner in Groß Börnecke vor mehr als 100 Jahren ihren Strom bekommen? Diese Frage rollt unser Leser Claus Freitag auf. Anlass ist das aktuelle Heimaträtsel. Gesucht war in der vergangenen Woche ein altes Foto. Das Bild einer historischen Postkarte zeigte die ehemalige Brikettfabrik im Ort. Diese gibt es heute nicht mehr. Ein weiteres Stück Geschichte, die damit verbunden ist, hat Claus Freitag aufgeschrieben.

Ihn beschäftigt die Frage, woher der Strom um 1900 in Groß Börnecke kam. In einem kleinen Bericht fasst er die wichtigsten Daten und Fakten dazu zusammen:

Elektrizität und Gas standen in Konkurrenz

Elektrizitätswerk und Gaswerk konkurrierten um 1900. Private Leute, aber auch die Industrie wurden so – und das war in Groß Börnecke nicht anders – mit Licht und Kraft versorgt. Doch das sollte nicht so bleiben. Immer mehr Bürger erkannten die Vorzüge der Elektrizität. Immer größer wurde der Kreis der Abnehmer. Schon 1902 reichten die vorhandenen Maschinen für das Dorf nicht mehr aus. Vor allem waren keine Reserven vorhanden. Eine weitere 500 PS starke Dampfmaschine und ein neuer Dynamo mit 400 KW Leistung wurden aufgestellt. Jetzt schlossen sich immer mehr kleine Gewerbetreibende dem Elektrizitätswerk an.

Der Kreis der Lichtabnehmer wurde immer größer. Im Jahre 1908 kamen deshalb ein Dieselmotor mit 200 PS Leistung und ein weiterer Dynamo als Verstärkung dazu. Das Gleichstromnetz dehnte sich immer mehr aus, so dass die Versorgung mit Strom für Kraft und Licht immer mehr Schwierigkeiten machte. Man sah sich deshalb gezwungen, mit der Firma Bennecke, Hecker & Co. in Verhandlungen zu treten, zwecks Errichtung eines Großkraftwerkes auf dem Gelände der Jakobsgrube in Groß Börnecke.

Billiger Strom aus Groß Börnecke

Man glaubte – und das war ja auch so – durch die Errichtung des Werkes aus der Braunkohle billigen Strom zu erhalten.

Die Verhandlungen führten 1911 zum Ziel: In dem Dorf, das damals noch Preußisch Börnecke hieß, wurde ein Großkraftwerk für Drehstrom bei der Grube Jacob mit zunächst 800 KW Leistung errichtet. In dem Vertrag war vorgesehen, dass die Staßfurter Licht- und Kraftwerke nunmehr ihren gesamten Strom diesem Werk entnahmen, so dass die Anlage in Staßfurt als Reserveanlage diente.

Von hier aus wurden auch einige Gemeinden, im Harz und die Stadt Schönebeck mit Elektrizität versorgt, doch war diese Versorgung nur eine vorübergehende. Immer größer wurde die Abnahme von elektrischer Kraft. In dem Kraftwerk in Börnecke musste deshalb schon im Jahre 1913 eine 2000 KW-Dampfturbine aufgestellt werden.

Kraftwerk Staßfurt übernimmt Energieversorgung

Das Kraftwerk arbeitete  bis 1926. Mit der Stilllegung und dem Abriss der Grube Jacob übernahm dann das Kraftwerk Staßfurt die Energieversorgung. Heute kann man angeln wo einst das Kraftwerk stand. Denn die alten Schächte, in denen früher Braunkohle abgebaut wurde, sind geflutet. Dort hat die Natur ihr Revier wieder zurück erobert.

Der Ortsteil Jakobsgrube liegt idyllisch inmitten einer Seenlandschaft. Naturliebhaber kommen dort auf ihre Kosten, wenn sie sie die heimische Fauna und Flora entdecken möchten.