Kita

Neue Fragen bei der Kita Glöthe

Seit Monaten wird über die Zukunft der Kita „Winnie Puuh“ in Glöthe diskutiert. Eine Bürgerinitiative im Ort hakt immer wieder nach.

Glöthe l Je länger der Monolog mit eingeschobenen Fragen dauerte, desto ungeduldiger wurden die Herren, die da vor Heike Schattschneider saßen. Die Einwohnerin aus Glöthe von der Bürgerinitiative „Pro Kita Glöthe“ hatte kürzlich im Staßfurter Stadtrat die Einwohnerfragestunde zum Anlass genommen, um wegen der Kita im Ort Fragen zu stellen.

Frage um Frage warf Schattschneider in das Plenum. Erst brummte Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) vor sich hin, dann wies der Stadtratsvorsitzende Peter Rotter (CDU) die Glötherin freundlich darauf hin, dass die Tagesordnung sehr lang wäre. Und fragte, wie viele Fragen sie denn noch hätte. Heike Schattschneider hatte noch einige. Die erneute Hartnäckigkeit der Glötherin ist bemerkenswert. Keine Stadtratssitzung oder einen Sozialausschuss ließ sie in den vergangenen Monaten aus. Immer wieder hakte sie bei der Kita nach.

Es geht hier um die Frage, was aus der Kita wird. Es wurde vorgeschlagen, dass die Einrichtung mit nur noch vier Kindern geschlossen wird. Auch, um 30.000 Euro im Jahr zu sparen. Die Bürgerinitiative will natürlich verhindern, dass die Kita geschlossen wird.

„Wir haben schon früher mehrere Anfragen gestellt und auch Antworten bekommen. Die sind aber nicht zufriedenstellend und erteilen keine Auskunft“, sagt Heike Schattschneider. Also stellte sie neue Fragen und wiederholte teilweise Fragen, die sie bereits gestellt hat.

„Warum wurden Eltern nicht in die Entscheidungsprozesse einbezogen?“ Diese Frage hatte Schattschneider bereits einmal gestellt. Eine wirkliche Antwort gab es ihrer Meinung nach darauf nicht.

„Warum wird uns eigentlich immer unterstellt, dass wir die Unwahrheit sagen?“ Hier bezieht sie sich darauf, dass Antworten aus einem Fragebogen, der im Ort herumging, nicht anerkannt wurden. „Im Mittelpunkt sollten doch die Kinder stehen. Um die geht es“, so Schattschneider.

„Auf welcher Basis sind die 30.000 Euro kalkuliert?“ Schattschneider beklagt, dass es keine richtige Aufschlüsselung der Kosten gegeben habe. Sie wisse bis heute nicht, worauf sich diese 30 000 Euro beziehen und wie sie sich genau zusammensetzen. Eigentlich müsste diese Kalkulation vorliegen, weil die Stadt der Träger der Kita ist und diese jedes Jahr beim Landkreis vorlegen muss.

Schattschneider nimmt auch Bezug auf einen Fragenkatalog des Stadtrats Ralf-Peter Schmidt (UBvS). Er hatte gezielt nachgefragt, aus welchen Orten die Kinder der Kita in Glöthe kommen und wann diese geboren wurden und wie viele Kinder überhaupt in Frage kommen. So stellte sich heraus, dass bereits seit einigen Jahren keine neuen Kinder mehr in Glöthe in die Einrichtung gekommen sind und dass die meisten Kinder die Kita im Ort gar nicht besuchen. „Wenn die Fakten nicht bekannt sind, wie wird dann kalkuliert?“, fragt Schattschneider.

Hier fragt sich die Vertreterin der Bürgerinitiative, ob die Stadtverwaltung personell überhaupt in der Lage ist, die Kernstadt und 14 Ortsteile zu bearbeiten. „Wir haben die Zusammenführung Staßfurts mit vielen Ortsteilen und Problemen erlebt. Ist diese Verwaltung diesen vielseitigen und filigranen Problemen gewachsen? Wurde die Verwaltung dem Zuwachs der Stadt durch die Ortsteile angepasst?“, so Schattschneider. „Gibt es genug Mitarbeiter, die sich auch der Themen annehmen können? Warum wird zum Beispiel seit Jahren nicht erkannt, dass trotz der hervorragenden baulichen Voraussetzungen keine Kinder in Glöthe angemeldet wurden?“

Sie fragt sich also, ob bei der Kita in Glöthe möglicherweise Dinge übersehen oder nicht richtig untersucht worden. „Das ist keine Kritik an der Arbeit der Verwaltung. Es gibt viele kooperative Mitarbeiter. Aber es ist offensichtlich, dass es immer mehr Arbeit wird. Ich schlage daher vor, dass beim Personal etwas geändert wird“, sagt Schattschneider. Dass womöglich Mitarbeiter sich einzig um die Ortschaften kümmern. Denn auch Glöthe fühlt sich im großen künstlichen Konstrukt Staßfurt mit so vielen Ortsteilen abgehängt und nicht immer ernst genommen.

„Man hat das Gefühl, dass auf der einen Seite die Verwaltung im Töpfchen schmort und auf der anderen Seite die Bürger in der Ecke schmollen. Der eine schimpft über den anderen. Dabei sitzen wir alle in einem Boot. Ich wünsche mir mehr Miteinander statt Gegeneinander“, so Schattschneider.

Die Glötherin ist dabei ähnlich wie schon Ralf-Peter Schmidt der Meinung, dass die Analyse der Betreuungssituation in Glöthe von allein von der Verwaltung hätte vorgelegt werden müssen. „Es ist eigentlich die Aufgabe der Stadt, festzustellen, dass es in Glöthe ein Betreuungsproblem gibt. Diese Arbeit haben wir als Bürgerinitiative der Stadt abgenommen“, sagt Schattschneider. Und das könne eben nicht sein. „Es muss doch aufgefallen sein, dass es Diskrepanzen zwischen Anmeldung, Bedarf und Wirklichkeit gibt.“

Zuletzt möchte Heike Schattschneider wissen, was mit den Kindern der Kita „Teichspatzen“ in Brumby passiert, wenn diese wie geplant in den kommenden Jahren saniert wird. Auch diese Frage hatte Schattschneider schon einmal gestellt. Sie glaubt, dass wie schon bei der Sanierung der Kita in Förderstedt die Einrichtung in Glöthe als Ausweich-Kita eingeplant ist. Alle Fragen hat sie schriftlich eingereicht.

Aber vielleicht kommt ja schon Bewegung in die festgefahrene Auseinandersetzung bei der Kita in Glöthe? Heike Schattschneider berichtet jedenfalls von einer Nachbarin im Ort. Diese habe im Spätsommer nachgefragt, ob ihr Kind, das im März ein Jahr alt wird, die Kita Glöthe besuchen kann. „Ihr wurde mitgeteilt, dass das erst im April 2022 möglich ist. Jetzt hat sie kurz vor Weihnachten überraschend die Nachricht bekommen, dass sie ihr Kind bereits ab März in die Kita in Glöthe bringen kann“, erzählt Schattschneider.