Coronavirus

Wie in Hecklingen gegen das Coronavirus geimpft wird

Viele ältere Patienten sind verunsichert, da sie sich hier selbst um einen Impftermin kümmern müssen.

Hecklingen/Groß Börnecke/Schneidlingen/Cochstedt (ntu). Im Gegensatz zu anderen Kommunen wie etwa der Egelner Mulde gibt es in Hecklingen kein Impfzentrum. Geimpft wird in allen drei Hausarztpraxen. Seit knapp 14 Tagen ist das bereits so.

Beispiel Groß Börnecke: Mediziner im Dorf sind die Ärzte Karola Schladitz und Andrea Coetzee. In ihrer Praxis werden Listen geführt. Wenn Patienten mit einem Termin dran sind, werden sie angerufen. „Problem ist“, erklärt eine Schwester, „dass wir erst am Dienstagmittag erfahren, wie viel Impfstoff für die kommende Woche zur Verfügung steht.“ Seit 14 Tagen hat die Praxis pro Woche um die 48 Impfdosen erhalten. Aufgrund dieser Situation müssten sich Patienten darauf einstellen, dass sie die Termine kurzfristig zugewiesen bekommen. Um die 100 Patienten sind in Groß Börnecke schon geimpft worden, heißt es.

In der Praxis von Elke Seidenberg in Hecklingen ist die Situation ähnlich. „Wir impfen, aber wir terminieren selber und treten an die Leute heran“, teilt eine Mitarbeiterin der Praxis im Gespräch mit der Staßfurter Volksstimme mit.

Bleibt zu fragen, wie Leute der Stadt Hecklingen, die einen Termin haben möchten, an einen solchen kommen?

Viele ältere Menschen verunsichert

Eine Schwester aus der Hecklinger Praxis erklärt: „Jeder kann selbst entscheiden, ob er sich im Impfzentrum in Staßfurt impfen lässt. Dann ruft er dort an. Er kann sich aber auch bei seinem Hausarzt impfen lassen.“ Wichtig sei nur, dass man einen Termin absage, wenn man einen anderen hat, den man lieber wahrnehmen möchte.

Auch die Praxis von Elke Seidenberg erfährt erst dienstags, wie viel Impfstoff von welchem Hersteller für die darauffolgende Woche zur Verfügung stehen wird. In dieser Woche waren das 24 Impfdosen. „Alles schon verbraucht“, heißt es dazu.

Bleibt festzuhalten: Ältere Menschen und alle anderen, die einen Anspruch haben, können in Hecklingen kein Impfzentrum nutzen, sondern müssen sich selbst kümmern: entweder um einen Termin im benachbarten Impfzentrum in Staßfurt oder sie kontaktieren ihren Hausarzt. Dort kommen sie auf eine Liste und werden angerufen, wenn Impfstoff da ist und sie geimpft werden können.

In Hecklingen waren in der vergangenen Woche viele ältere Menschen verunsichert. Für Unklarheit hatte ein Schreiben des Bürgermeisters der Stadt Hecklingen Uwe Epperlein (Wählergemeinschaft Hecklingen) gesorgt.

Der Rathauschef hatte rund 200 Bürger vor Ostern angeschrieben, ihnen in dem Brief aber nicht mitgeteilt, wie sie an einen Termin kommen und an wen sie sich wenden müssen. Vielmehr wurde der Bedarf abgefragt, ob sich jemand impfen lassen möchte oder nicht.

Das wirbelte nach Ostern bei den Betroffenen viele Fragen auf. Zig Leute riefen im Rathaus an. Der Bürgermeister selbst konnte die Fragen zu seinem Schreiben nicht beantworten, weil er nach dem Urlaub nicht da war, da er selbst an Corona erkrankt ist.

Bürgermeister in der Kritik

Von mehreren Seiten wurde berichtet, dass im Rathaus keiner Bescheid wusste, weil der Bürgermeister persönlich die Schreiben verschickt haben soll und kein anderer Mitarbeiter der Verwaltung involviert gewesen sei. Auch mit den Hausärzten sei im Vorfeld nicht gesprochen worden. Ortsbürgermeister und der Seniorenrat wurden nicht mit ins Boot geholt. Von mehreren Seiten stand die Corona-Politik des Bürgermeisters in der Kritik (Die Volksstimme berichtete).

Epperlein äußerte sich auf Nachfrage der Volksstimme gestern am Telefon hörbar geschwächt zu den Vorwürfen. Er sprach von einem „unglücklichen Aktion, die gut gemeint war.“ Als das Schreiben verschickt wurde, habe noch nicht festgestanden, ob die Ärzte impfen oder ob es ein Impfzentrum gibt, erklärte er.

Problem an dem Brief war, dass viele ältere Menschen dachten, dass sie ein Impfangebot von der Stadt erhalten. Weil das aber nicht der Fall war, kam Kritik hoch.

Die Vorsitzende des Seniorenbeirates Heidi Hoffmann (WGH ) moniert etwa, dass Leute angeschrieben wurden, die in den Heimen leben und dort schon längst geimpft waren, als der Brief eintraf.

Aktuell ist es ihr ein Bedürfnis zu helfen. Daher bietet sie Leuten, die Probleme haben, einen Termin zu bekommen, Hilfe an. Wer mag, kann sie anrufen (03925) 284509.

Ortsbürgermeisterin Ethel-Maria Muschalle-Höllbach (WGH) schließt sich an. Wer in Groß Börnecke Sorgen habe, könne sich an sie wenden. Das habe sie mit der Stadt so abgesprochen. Auf das aktuelle Impfgeschehen im Ort eingehend, meinte sie, habe sie ein gutes Gefühl. „Mit unserer Hausarztpraxis funktioniert das hervorragend“, ist sie sicher. Zum Schreiben des Bürgermeisters sagte sie, dass dieses komplett nach hinten losgegangen sei. Es habe mehr Verunsicherung herbeigeführt, als das es geholfen habe.

Ortsbürgermeister Martin Zimmermann (SPD) aus Schneidlingen bestätigt, dass in der Hausarztpraxis von Angelika Köbel in Schneidlingen geimpft wird. Zimmermann ist der Ansicht, dass die Stadt im Vorfeld mit allen Beteiligten eine Impfstrategie ausloten hätte müssen. Im Alleingang zu agieren, sei der falsche Weg. „Man hätte sich rechtzeitig zusammensetzen können: Apotheke, Ärzte, Ortsbürgermeister, Vertreter des Kreises.“