Förderverein Wasserburg Schneidlingen nimmt Abschied "Wir gehen mit einem weinenden Auge"
An diesem Wochenende ist die Schlüsselübergabe. Dann muss der Förderverein Wasserburg Schneidlingen, der sich seit 2004 um den öffentlichen Erhalt des Gebäudes kümmert, seinen Schützling endgültig verlassen, denn der private Käufer will sofort mit Sanierungen beginnen. Der Verkauf der Burg verspricht eine Verbesserung ihres Zustandes, auf der anderen Seite steht die Angst um die Frage, inwieweit die öffentliche Vereinsarbeit hier fortgesetzt werden kann.
Schneidlingen. Falk Kahmann und Ronny Weishaupt rauchen ihre letzten Zigaretten auf der Burg, ein bischen traurig schauen beide drein. Wenn man die Mitglieder des Fördervereins Wasserburg Schneidlingen auf den Verkauf des Objekts am 22. Juli (Volksstimme berichtete) anspricht, geben sie sich erfreut, weichen aber den Blicken aus und schauen zu Boden.
"Für die Burg ist es ja super, dass sich ein Käufer gefunden hat", erklärt Falk Kahmann als Vorsitzender des Fördervereins die Situation. Wenn die Sicherungs- und Baumaßnahmen, die der neue Käufer, Peter-Klaus Glaser aus Hessen, hier durchführen will, eingeleitet werden, bedeute das natürlich ein Plus für die Region. Arbeitsplätze werden geschaffen, Baufirmen aus der Gegend beaufragt und sogar ein Fördervereinsmitglied steht im Gespräch zur Übernahme als Hausmeister. Schließlich besteht auch Einsturzgefahr auf der Seite zur Straße hin, Sanierungen sind überfällig.
"Mit der Fördervereinsarbeit ist jetzt Schluss"
"Für uns heißt das aber, raus und Schluss mit der Fördervereinsarbeit", erzählt Kahmann, denn jetzt ist das Gebäude Privatbesitz und es wird wohl Jahre dauern, würde die Burg komplett saniert werden. "So richtig kann man das gar nicht glauben", sagt Kahmann und steht etwas verdutzt auf der Burg. Jetzt plötzlich soll alles vorbei sein. Das ganze Herzblut, was der Verein hineingesteckt hat, die ganze Geschichte seit 2004 zieht nochmal an ihnen vorbei. Dass sie ab Montag vor verschlossenem Burggittern stehen sollen, wird ihnen langsam klar.
Für den "harten Kern" des Vereins, etwa neun Mitglieder, wurde die Burg zum täglichen Hobby, wo sie Geschichtliches erkundeten und Besucher herumführten. Nach wie vor brennen die Mitglieder, die den Förderverein bald auflösen werden, für das mittelalterliche Gemäuer. "Hier unten war wahrscheinlich mal eine Brauerei, wo eigenes Bier hergestellt wurde", führt Kahmann durch das tiefe Gewölbe in der rechten Burghofseite und kann schon wieder schwärmen, über den Brunnen, der tief bis zum Grundwasser geht und das historische Mauerwerk, das der Verein in jahrelanger Arbeit von Schutt und Gerümpel befreit hatte.
Wenn Kahmann auf dem Turm steht, dessen wieder regelmäßig läutende Glocke auch Verdienst des Vereins ist, wird auch klar, wieviele private Spenden und Einnahmen von Veranstaltungen schon in den Räumen der Burg lagern, schließlich seien diese Maßnahmen durch Anwohner und Gäste finanziert worden.
"Deshalb wäre es eben schade, wenn die Burg nicht mehr öffentlich zugänglich ist, und wir wollten sie ja immer für die Öffentlichkeit erhalten", so Kahmann. "Na, ich gehe mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge."
Die beherzten Führungen, durch die Vereinsleute fallen erstmal aus, allein schon aus Sicherheitsgründen bei den Bauarbeiten.
"Es bräuchte ein kleines Museum für die vielen Stücke"
"Auch der Burghund muss seinen Job aufgeben", scherzt Kahmann. Hund Max war nämlich aus dem Tierheim gekommen und verbrachte jeden Tag auf der Burg. Sogar Einbrecher begrüßt er mit einem netten Schwanzwedeln, erzählt Kahmann mit einem Augenzwinkern.
Neben der Aufgabe des Fördervereins – diesen fortzuführen, würde die Mitglieder in eine rechtliche Zwangslage versetzen – stellt sich nun die Frage, wie geht‘s weiter? Die "Freye Ritterschaft", Vereinsmitglieder, die sich Ritterspielen verschrieben haben, soll weiter existieren – wie genau ist allerdings unklar. Fraglich ist auch die Museumsarbeit, die der Verein hier getan hat. "Über Jahre haben sich Stücke aus der Geschichte der Burg, aber auch viel aus dem Ort angesammelt", berichtet Kahmann. Wo das nun hin solle, ist unklar. Man könnte eine Art Heimatmuseum aufbauen, nur ist die Frage, wo. "Wir bräuchten ein kleines Museum für die vielen Dinge". Der Ortsteil Schneidlingen hat dafür keine Stelle parat, weiß man aus Gesprächen mit der Verwaltung. Jetzt steht das Wichtigste – Überschüssiges wurde entsorgt – in privaten Lagern.
Der Schlüssel wird an diesem Wochenende an den Besitzer abgegeben. Danach ist auch ganz Schneidlingen gespannt, wie der neue Besitzer den örtlichen Begebenheiten der Wasserburg begegnen wird.