Wölfe bei Löderburg gesichtet

Von Franziska Richter

Eine Frau aus Löderburg hat vor kurzem Wölfe auf einem Feld gesehen.

Löderburg/Athensleben/Atzendorf l Nur 20 Meter Entfernung seien zwischen ihr und den Tieren gewesen, berichtet sie der Volksstimme. Jäger und zuständige Ämter halten die Sichtung für wahrscheinlich.

Stephanie Mohaupt aus Löderburg hat bereits am vorletzten Sonntag, 9. August, Wölfe auf einem Feld bei Löderburg gesehen. Von Zuhause aus ist sie über die kleine Fußgängerbrücke in Höhe Heyerstraße gelaufen, um mit ihrem Hund spazierenzugehen.

Als die 27-Jährige auf einem Feldweg bis fast nach Athensleben gelaufen und schon auf der Rücktour war, entdeckte sie einen Wolf mit zwei halb ausgewachsenen Jungen. Die Entfernung habe nur zirka 20 Meter betragen.

Wie ein kurzer Schock

"Ich bin erstmal stehen geblieben, ich konnte es nicht glauben", erzählt Stephanie Mohaupt. Zuerst sei sie wie im Schock erstarrt. Ihr Jack-Russel-Terrier habe sich die ganze Zeit schon ängstlich verhalten.

In Gedanken sagte sie dann zu sich selbst: "Du gehst jetzt ganz langsam und vorsichtig nach Hause. Das habe ich dann auch gemacht. Die Wölfin hat mich nicht aus den Augen gelassen und ich sie auch nicht", berichtet die junge Frau. Die Tiere seien auf Distanz geblieben.

Jäger halten Beobachtung für wahrscheinlich

Jäger, die die Volksstimme befragt hat, ob die Sichtung wahrscheinlich ist, bejahen dies. Klaus Engler, der im Bereich Athensleben und Löderburg sein Revier hat, hält die Sichtung für "durchaus möglich", auch wenn er selbst in seinem Revier noch keine Wölfe gesehen hat. "Im vergangenen Jahr haben uns Autofahrer berichtet, dass sie abends zwischen Athensleben und Groß Börnecke drei bis vier Wölfe gesehen haben", erklärt Klaus Engler.

Er weiß auch von einem anderen Jäger, dass in Atzendorf am Freitag, 7. August, zwei Wölfe gesehen worden sein sollen. Diese sollen sich in Richtung Bahrendorf und Schönebeck bewegt haben.

Gerücht aus Atzendorf

In Atzendorf bestätigt Johann Hauser, der selbst Jäger ist, zwar das Gerücht, aber aus seinem Jägerkreis kommt wiederum die Meldung: Keine Spuren von Wölfen in Atzendorf! Auch er selbst hat bei Atzendorf keinen Wolf gesehen.

Ein weiterer Jäger aus dem Raum Löderburg hält die Beobachtung von Sabine Mohaupt auch für möglich: In Sachsen-Anhalt seien Wolfssichtungen keine Seltenheit mehr. In den vergangenen zwei Jahren hätte es mehrere Meldungen von Bürgern über Wölfe gegeben.

Die Jäger betonen aber: Eine Ansiedlung von Wölfen im Raum Staßfurt sei geradezu abwegig. Das Gebiet ist für Wölfe vollkommen unattraktiv.

Keine Meldung für Wolfsmonitoring

Das betont auch Dr. Martin Trost vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Der Biologie ist für das Wolfsmonitoring, also die wissenschaftliche Erfassung von Spuren und Sichtungen von Wölfen, zuständig. Von der Volksstimme auf die Sichtung in Löderburg hin angesprochen, sagt er zwar: "Das ist nicht auszuschließen".

Es müsse sich aber um Wölfe gehandelt haben, die nur auf der "Durchreise" waren. Sie könnten aus der Lausitz oder aus Polen in Richtung Niedersachsen gewandert sein, erklärt der Experte. Sesshaft werden könne der Wolf im Salzlandkreis aber nicht. "Die gesamte Gegend des Salzlandkreises, sogar die gesamte Magdeburger Börde, ist nicht geeignet für die Ansiedlung von Wölfen. Sie siedeln sich nur in geschützten Gegenden mit großen, dichten Wäldern an", erklärt der Experte und verweist als Beispiel auf das Gebiet im Fläming.

Seinem Amt sind keine aktuellen Sichtungen von Wölfen im Raum Staßfurt bekannt. Nicht alle Bürger, die meinen, einen Wolf gesehen zu haben, melden dies auch. Daher ist aus dem Raum Staßfurt beim Landesamt für Umweltschutz nur eine Sichtung dokumentiert: Im Januar 2014 wollen Menschen hier einen Wolf gesehen haben. Das war genau der Zeitpunkt, als die Volksstimme über Sichtungen eines Wolfes bei Ilberstedt und dann wenig später bei Hohenerxleben berichtete. Fotos oder sichere Beweise wurden aber keine gefunden.

Dass die Frau aus Löderburg die Wölfin mit ihren Jungen aus nur 20 Metern Entfernung gesehen haben soll, hält der Biologie für "die absolute Ausnahme", wie er sagt. Die scheuen Tiere würden ihre Jungen kaum in die Nähe des Menschen bringen. "Das wäre ein extrem seltener Fall", so Dr. Martin Trost.