Stendal l Es ist kaum zu glauben: Wie er da so steht, mit seinen 1,89 Meter, etwas unbeholfen mit den Armen schlenkert, den Blick schüchtern gesenkt... Da ist der Erwachsene Carsten Faseler tatsächlich Kind: Der zehnjährige Roman, in schwierigen Verhältnissen lebend, der sich heimlich von zu Hause aufmacht, um mit dem Zug nach Leipzig zu fahren – zum Vorsingen bei den Thomanern. Denn Roman liebt das Singen, und ein Talentsucher hat ihn entdeckt.

Schauspiel ist Freiheit

Kind ist Carsten Faseler gern – oder vielmehr: nicht erwachsen. Genau wie Peter Pan, von dem er den Satz „Erwachsen werden verboten“ geborgt und als Leitspruch neben seinem Foto auf der Theater-Homepage stehen hat. „Als Schauspieler dürfen wir unseren Spieltrieb ausleben, beim Spiel auf der Bühne hat man sehr viel Freiheit“, sagt Carsten Faseler, der 1989 in Essen geboren wurde und mit zwölf Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne stand.

Bei einem Jugendprojekt wollte er eigentlich Musik machen, da waren aber alle Plätze schon vergeben. „Da bin ich dann eben in den Theaterworkshop gegangen, mein Auftritt war stocksteif, aber es war geil.“ Sagt er und erinnert sich grinsend an das Gefühl, auf der Bühne zu stehen.

Beinahe kein Abi gemacht

So schlecht kann er auch gar nicht gewesen sein, denn von 2007 bis 2010 spielte und assistierte Carsten Faseler zahlreiche Produktionen in der Studio-Bühne Essen. Wenngleich er mit 15 noch drauf und dran war, aufs Abitur zu verzichten, war er dann doch froh, dass ihn Lehrer und Eltern zum Dranbleiben drängten. An der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover studierte er schließlich Schauspiel, ging dann nach Berlin, wo es aber bei einzelnen Engagements als freier Schauspieler blieb – und vielen Vorsprechen.

Und nun also Stendal, sein erstes festes Engagement. „Ich habe die regelmäßige Arbeit sehr vermisst, und ich bin froh, aus Berlin raus zu sein, ich fühle mich sehr wohl hier.“ Nicht nur, dass die Stadt Stendal ihm gefällt, auch das Ensemble behagt ihm sehr. „Es ist kein Ellenbogen-Ensemble, es ist sehr kollegial.“ Mit fast allen Mitgliedern konnte er im Lauf des letzten Jahres schon zusammenarbeiten.

Das vierte Stück am TdA

„Draußen bleiben“ ist nun das vierte Stück, in dem Carsten Faseler am Theater der Altmark zu sehen sein wird. Zuerst war er als Gast in der Spielzeit 2014/15 Benvolio in „Romeo und Julia“. Dann wurde er der Soldat in „Nathan der Weise“, dann der 28-jährige Gustin in „Saturn kehrt zurück“. Als Nächstes freut er sich auf seine Rolle des Doktor Rank in „Nora – ein Puppenheim“. Diese Rolle ist gemeinhin mit einem betagten Doktor assoziiert, in der Stendaler Inszenierung wird es ein an Jahren junger Mann sein. „Da bin ich gespannt, wie es ist, Wege zu finden, einen jungen Mann glaubhaft todkrank sein zu lassen.“

"Kinder haben ganz andere Gesten"

Nun aber erst einmal das Kind Roman. Es ist das zweite Mal, dass Carsten Faseler in seiner Schauspielerkarriere eine Kinderrolle übernimmt. Die erste war der Kasperl in „Räuber Hotzenplotz“. Den zehnjährigen Jungen Roman in „Draußen bleiben“ ist er zunächst technisch angegangen. „Der tapsige Gang, das Schmollen, die Augen aufreißen, ein bisschen höher sprechen – das alles habe ich erst ganz bewusst gesteuert, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Kinder haben ja auch ganz andere Gesten, die muss man bewusst einüben, bevor sie sich irgendwann verkörperlichen.“ Nicht einmal seine Körpergröße hindert ihn, den Jungen Roman glaubhaft zu spielen.

Direkt nach den Proben ist Carsten Faseler manchmal höchstens noch für ein, zwei Momente der Junge aus dem Stück. Bis er wieder umschaltet zu sich selbst. – Er selbst ist er durchaus in Gesellschaft. „Ich mache gern auch Quatsch mit, brauche aber auch meine Rückzugsmomente. Ich bin den ganzen Tag mit Menschen zusammen, studiere andere Menschen, bin andere Menschen... Da tut es gut, auch einfach mal nur Ruhe zu haben.“ Oder sich der Musik zu widmen.

Filmfan, der Klavier lernt

Selbst wenn der 26-Jährige nicht gegen Widerstände kämpfen muss – den Traum vom Musikmachen hat Carsten Faseler genau wie der Junge Roman. Gitarre spielen kann er schon, jetzt will er noch Klavier lernen. „Das Klavier ist ein Instrument, da hört sich alles gut drauf an. Wenn man es kann.“ Was Carsten Faseler – ein ausgesprochener Filmfan mit riesiger DVD-Sammlung – gern spielen können würde, wäre Filmmusik. Nach bislang dreimal Unterricht ist das ein nahezu unerreichbar scheinender Traum, aber wie sagt doch die Zugbegleiterin im Stück „Draußen bleiben“: „Denk dran, unsere Träume sind so was wie Züge in die Zukunft. Also, verpass deinen Zug nicht.“

Die Premiere von "Draußen bleiben" (ab 9 Jahren) ist am Sonnabend, 19. Dezember, um 15 Uhr im Theater der Altmark. Karten unter Telefon 03931/635777 oder www.tda-stendal.de