Stendal l Die erste Entscheidung müssen am Sonnabend die Besucher des Weihnachtsbaumschlagens an einer Gabelung treffen. Links geht es zu den Fichten, rechts zu den Kiefern. Renate Haberland und Kirsten Klaus sind rechts abgebogen. Vor allem die Kindheitserinnerungen haben sie zu den Kiefern gelockt. „Man läuft durch die Reihen, bis man den perfekten Baum gefunden hat“, beschreibt Kirsten Klaus die Vorgehensweise. Sie wird den Baum mit Kugeln schmücken, Lametta nur ganz wenig einsetzen. „Das ist nicht mehr wie früher“, gibt sie dem bekannten Loriot-Sketch recht.

Verkauf seit rund 20 Jahren

„Das ist das Schöne an der Aktion, man kommt schnell ins Gespräch und die Leute erzählen von ihrem Weihnachten“, sagt Burkhard Zimmermann. Er arbeitet im Amt für technische Dienste und ist zusammen mit Revierförster Ingo Matthias im Einsatz. Die beiden machen das seit rund 20 Jahren. „Die meisten kennt man schon“, bemerkt Zimmermann.

Seit vielen Jahren holt sich auch Barbara Buchhorn ihren Weihnachtsbaum aus dem Stadtforst, immer eine Kiefer. „Die hält einfach am längsten“, verrät sie. Geschmückt wird sie ganz in Silber. Lust auf Weihnachten macht auch ihr Festtagsbraten: Kaninchen mit Rot- und Grünkohl und Klößen. „Ja, Grünkohl muss sein“, findet Zimmermann und lächelt.

Bilder

Da rollt Familie Müller an. Mutter Anke, die beiden Geschwister Anna-Lena und Anton sowie Oma Ingrid sind in diesem Jahr zum zweiten Mal im Stadtforst. Wieder möchten sie eine Kiefer mit nach Hause nehmen. „Die muss gar nicht so groß sein, wir haben nicht so viel Platz“, gibt Anke Müller vor. Im vergangenen Jahr hatte Anton noch Angst sich zu verlaufen, in diesem Jahr gibt der Sechsjährige bewaffnet mit einer Säge die Marschrichtung vor. „Die?“ „Zu groß.“ „Die?“ „Die ist nun wirklich etwas zu klein.“

Nach einigem Suchen ist der richtige Baum gefunden und Anton macht sich ans Werk. Da dürfen auch weder die große Schwester noch die Mutter helfen. Nebenbei erzählt er, dass er in der Schule schon gelernt hat, dass man Stendal gar nicht mit „sch“ schreibt, obwohl es so gesprochen wird.

„Mal sehen, was Kimo sagen wird“, überlegt Anke Müller. Kimo ist der Kater der Familie und auch der Grund, warum bei ihnen kein Lametta an den Baum kommt. Beim ersten Weihnachten mit Kimo war das noch so und der hatte sein Lieblingsspielzeug entdeckt. Nach einigen Minuten hat Anton sein Werk vollbracht und zurück geht es zu Burkhard Zimmermann. Der kassiert fünf Euro und dann fährt die Familie Müller mit ihrem Baum nach Hause.

Schnee, Lagerfeuer und Glühwein

Mittlerweile ist es schon kurz nach 11 Uhr. Um 9 Uhr hat die Aktion begonnen, „und jetzt dünnt der Strom schon ganz schön aus“, bemerkt Zimmermann. Etwa 200 Bäume werden es wohl wieder werden, die vom Stadtforst in eine heimische Stube kommen. Um 12 Uhr ist Schluss, da muss man schon rechtzeitig auf den Beinen sein. Käufer auf den letzten Drücker kommen so gut wie gar nicht vor.

Es gab aber auch ein Jahr, in dem um kurz vor halb eins noch eine Gruppe angefahren kam. „Die habe ich dann sofort abkassiert, irgendwann muss auch Feierabend sein“, erinnert sich Zimmermann. Jedes Jahr ist anders. Während es dieses Mal frühlingshaft mild war, gab es auch Jahre mit Kälte, Schnee, einem wärmenden Feuer und dazu heißen Glühwein. „Da kam dann so richtig Weihnachtsstimmung auf“, denkt er gern an dieses Jahr zurück.