Stendal l Es klingt nach Zukunftsmusik: Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen wird die Störungsstelle per Katheter geortet und dann vor Ort entweder vereist (bei bis zu minus 80 Grad) oder verödet (bis zu 70 Grad). Diese und andere moderne Behandlungsmethoden will die neue Leitung der Stendaler Klinik für Kardiologie und Angiologie – Angiologie sind Gefäßerkrankungen – schon in absehbarer Zeit anwenden.

„Top-Medizin gehört nicht nur an Uni-Kliniken“, sagt Dr. Bogdan Muntean, der die Herzrhythmus-Abteilung am Benjamin-Franklin-Campus der Berliner Charité aufgebaut hat. Der 47-Jährige, der aus Rumänien stammt und unter anderem in Frankfurt/Main und Bad Oeynhausen seine Ausbildung absolvierte, glaubt, dass die Klinik in Stendal in einem Jahr alles anbieten könne, um Herzrhythmusstörungen zu behandeln und zu heilen. Erste Angebote könnten schon in zwei, drei Wochen unterbreitet werden.

Mehr als Zukunftsmusik also. Das sieht auch Dr. Christian Gross so, der seit diesem Monat die Klinik für Kardiologie und Angiologie leitet. Die Voraussetzungen seien gut in Stendal, schätzt er ein und sagt: „Jetzt machen wir das Feintuning.“ Der neue Chefarzt arbeitete unter anderem an der Charité im Bereich Kardiologie in der Grundlagenforschung und war am Benjamin-Franklin-Campus stellvertretender Klinikleiter. Nun also Stendal. „Ich habe eine neue Herausforderung gesucht“, begründet der 52-Jährige den Wechsel.

Bislang war die Kardiologie das Feld von Prof. Ulrich Nellessen. Mit dem Start ins Jahr 2016 übernahm er die Funktion des Ärztlichen Direktors des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal hauptamtlich. Die hatte er bereits seit 1996 neben seiner Chefarztposition im Zentrum für Innere Medizin inne. Jetzt konzen­triert er sich auf den Job in der Krankenhaus-Verwaltung. „Das müssen ja nicht immer Ökonomen machen“, so Nellessen, der seine medizinischen Nachfolger selbst ins Boot geholt hat.

„Bundesligaspieler“

Und er ist überzeugt, damit ins Schwarze getroffen zu haben. „Die drei Ärzte bringen Expertisen mit, die wir bislang nicht hatten. Sie haben das Level einer Uni-Klinik“, erklärt Nellessen und fügt schmunzelnd an: „Das ist so, als hätte sich Lok Stendal Bundesligaspieler geholt.“ Mit den drei „Könnern“, die nun in Stendal tätig sind, habe das Krankenhaus die „Manpower“, um modernste Behandlungsmethoden anzuwenden, merkt der Ärztliche Direktor an. Patienten mit Herzrhythmusstörungen aus der Altmark mussten bislang zumeist nach Berlin und Leipzig überwiesen werden. Nellessen und Gross können sich nun vorstellen, dass Stendal nicht nur die Altmark und den Norden Sachsen-Anhalts versorgt, sondern überregional an Bedeutung gewinnt.

Herz und Gefäße werden ein zentrales Thema bleiben, sagt Gross und verweist auf eine alternde Bevölkerung. Schon an der Charité hatte Dr. Susanne Rutschow, die an der FU Berlin studierte, mit ihm zusammengearbeitet. Nun gibt es die Fortsetzung in Stendal.