Schnelltest

Abstriche beim Corona-Abstrich?

Erzieher und Lehrer können sich in Sachsen-Anhalt per Schnelltest testen. In Stendaler Kindertagesstätten und Schulen wurde begonnen.

Stendal l In der Kita in Wahrburg haben sich sieben Erzieher freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Martin Jurga, Hauptbrandmeister der Stadt Stendal führt die Schnelltests durch. Er und sein Kollege „klappern“ 16 Kitas und Horte in Stendal innerhalb von zwei Tagen ab. „Seit acht Uhr bin ich unterwegs“, sagt Jurga und zieht sich einen Schutzanzug an. Dazu trägt er einen Mund-Nasenschutz, ein Visier und Handschuhe. Eine professionelle Einführung habe er zuvor allerdings nicht erhalten, gibt er zu. Jurga selbst habe sich bisher noch nie auf das Virus testen lassen müssen, gesteht er erleichtert.

Für die Kita-Leiterin Annika Michaelis ist das der erste Corona-Test. Sie erklärt sich unter ihren Kollegen als Erste bereit, sich testen zu lassen. Die 35-Jährige hat weder Angst vor der Durchführung noch vor dem Ergebnis, weil sie symptomfrei ist, wie sie sagt.

Um überhaupt ein Ergebnis zu erhalten, führt Martin Jurga ein Stäbchen in die Nase der Erzieherin. Das Sekret vermischt er zwei Minuten lang mit einer Flüssigkeit in einem kleinen Fläschchen. Im nächsten Schritt träufelt er das Gemisch auf den Reagenzträger. Nun heißt es 20 Minuten warten.

Annika Michaelis macht die Wartezeit nichts aus: „Man kann es aushalten.“ Sie ist auch nicht besonders aufgeregt. „Unangenehm war es, aber weh tat es nicht“, gibt die Leiterin zu. Ihre Augen haben kurz getränt. Während sie auf ihr Ergebnis wartet, testet Martin Jurga die anderen Mitarbeiter der Einrichtung.

Nach 20 Minuten ist nur ein Strich zu sehen, der ein negatives Ergebnis symbolisiert. „Bei zwei Strichen wäre der Test positiv“, erklärt Jurga. Dann müsse die betroffene Person einen PCR-Test machen und sich in Quarantäne begeben, bis das Ergebnis vorliegt.

Die Schnelltests der Kitas in Stendal kommen von der Stadt. Rund 170 Tests seien kostenlos vom Sozialministerium zur Verfügung gestellt worden, teilt Pressesprecher Philipp Krüger mit. Auch in den Schulen wird rege getestet, etwa in der Sekundarschule „Adolf Diesterweg“ in Stendal: „Wir haben uns bereits im Dezember auf die Tests vorbereitet und alles organisiert. Letztendlich haben wir nur auf den Startschuss gewartet“, sagt Schulleiterin Heike Szebrat. 60 Tests hätten die Schule erreicht, ausreichend für das gesamte Personal, welches im Gebäude ein und aus geht. Dazu zählen nicht nur das Lehrpersonal selbst, sondern auch Hausmeister, Schulsozialarbeiter und Reinigungspersonal.

Ob alle Tests gebraucht werden, blieb gestern offen, die Durchführung sei schließlich freiwillig. Immerhin 38 Tests waren am Donnerstag (7. Januar) geplant – um 8 Uhr startete die Schule und um 14 Uhr war der erste Durchlauf geschafft. Die Abstriche werden von der Hygienebeauftragten und der Leiterin des Schulsanitätsdienstes durchgeführt.

Auch im Privatgymnasium in Stendal, der Privaten Sekundarschule und dem zugehörigen Privatgymnasium in Tangermünde laufen die Tests bisher problemlos. „Ich führe sie selbst durch“, sagt Schulleiter Peter Scholz. Für alle drei Schulen seien ausreichend Schnelltest vom Landesschulamt angekommen. Die Lehrer konnten sich vorab über ein Portal im Internet anmelden, sodass es an den beiden Tagen nicht zu Wartezeiten kommt.

Ein ähnliches Verfahren zur Anmeldung nutzen auch das Rudolf-Hildebrand-Gymnasium und die Berufsschule in Stendal. „Über das Programm Schoolfox konnten sich die Kollegen vorab melden und haben dann einen Termin bekommen“, erklärt die Studiendirektorin des Gymnasiums Doreen Schütte. Auch hier werden die Tests durch Lehrpersonal durchgeführt, allerdings erst am heutigen Tag (8. Januar).

Schneller geht es bei der Berufsschule: Sie starteten mit insgesamt 140 Tests für beide Tage. Die Organisation begann bereits vor den Ferien, sodass man auf den Kraftakt gut vorbereitet sei, so die Schulleitung.

Auf den ersten Blick scheint also alles reibungslos zu funktionieren. Dennoch kommt Kritik auf: „Ich halte es für fragwürdig, dass wir selbst, also das Lehrpersonal, die Tests durchführen müssen“, sagt Ute Wernicke, Schulleiterin der Pestalozzischule. Immerhin sei die korrekte Handhabe der Tests wichtig, was durch ein Anleitungsvideo kaum gewährleistet werden könne. Hier wird, wie auch im Rudolf-Hildebrandt-Gymnasium, erst heute getestet.

In den weiterführenden Schulen können die Abschlussklassen ab Montag (11. Januar) zum Teil wieder im Präsenzunterricht gelernt werden, weswegen auf Hochtouren getestet wird. Doch auch dort, wo es weiterhin keinen Präsenzunterricht geben wird, haben Lehrkräfte die Möglichkeit, sich auf Corona testet zu lassen. Beispielsweise in der Europagrundschule am Stadtsee, wo eine Notbetreuung angeboten wird. „Uns haben ausreichend Schnelltests erreicht“, sagt Andrea Tiehman.