Stendal l Mord ist Familiensache. Nicht prinzipiell, auf jeden Fall aber im Erfolgsstreifen „Knives Out“, der am Freitagabend als zweiter Film der 2020er Stendaler Autokino-Saison über die Leinwand flimmerte – und den sich Eltern gern mit ihren etwas älteren Kindern angeschaut haben. Denn auch Kino ist Familiensache. Darum hatten schon am Nachmittag viele Kinder und Erwachsene den Flugplatz angesteuert, um mitzuerleben, wie aus dem kleinen Simba ein stolzer König der Löwen wurde.

Als am Abend kurz vor 19 Uhr die Autos zeitweise Stoßstange an Stoßstange am Einlass stehen, freut sich Jörg Schubert über die große Resonanz. „Die Leute sind dankbar für die Abwechslung“, sagt der Inhaber von Schubert Event Magdeburg. Seit Jahren arbeitet er beim Rolandfest mit der Hansestadt Stendal zusammen, darum stieg er als Partner gern mit ein ins Boot. „Aus einem Kurzgespräch wurde ein schnelles Ja“, beschreibt es Jörg Schubert. Denn beim Stendaler Autokino gehe es „nicht nur um eine Geschäftsidee, sondern darum, ein Zeichen zu setzen“.

Popcorn und Getränke

Und es gebe eine Botschaft: „Dass es immer wieder mal neues Altes gibt.“ Was er meint, ist das Aufleben des Autokinos, das es auch in Stendal vor vielen Jahren schon auf dem Flugplatz gegeben hatte. Das ist lange her. „Ich schätze mal, dass vermutlich mehr als 90 Prozent der jetzigen Besucher noch nie in einem Autokino waren“, so Jörg Schubert, der an diesem Eröffnungsabend selbst in Warnweste Dienst am Einlass hat.

Bilder

Der ist logistisch sehr gut vorbereitet. Am ersten Container werden die Eintrittskarten, die nur online erworben werden können, gescannt. Am zweiten Container gibt es Popcorn, Nachos, Getränke und anderes für einen entspannten Kinoabend, angeboten vom Uppstall-Kino Stendal. Viele haben ihr „Versorgungspaket“ vorbestellt, bekommen die fertige Tüte am Drive-In herausgereicht. „Wir haben aber auch für die Kurzentschlossenen etwas da“, erklärt Jael Kempf vom Uppstall-Kino. Beim Einlass können die Besucher Getränke und Snacks kaufen, aber auch während der Vorstellung – einfach aussteigen und zum Container gehen.

Nach dem Einlass übernehmen die Einweiser. Damit jeder eine möglichst gute Sicht auf die LED-Leinwand hat, stehen die Autos leicht gefächert und versetzt. Maximal 300 Autos finden Platz. Während die Autos anrollen und die Fahrer den Hinweisen auf der Leinwand folgend am Autoradio die richtige Frequenz einstellen, bereitet Glen Schwenzfeger an seinem Arbeitsplatz die Filmvorführung vor. In einem Kleintransporter steht sein Technikpult. Über einen Laptop steuert der Mitarbeiter der Blankenburger Ton- und Lichtfabrik die Werbung vor dem Film, für den er pünktlich um 19.30 Uhr auf den Startknopf drückt. Dann setzt er sich selbst ins Auto mit Blickrichtung zur Leinwand, „damit ich sehe, ob alles funktioniert“.

„Knives Out“ erstmals in Stendal

Sein Job in Stendal freut Glen Schwenzfeger auch privat: Denn in der Festival-, Stadtfest- und Open-Air-Saison ist er monatelang beruflich unterwegs – jetzt ist der Osterburger Heimschläfer. Was ihm am Stendaler Autokino gefällt: „Es ist ein schönes Konzept, denn alle haben etwas davon, die beteiligten Unternehmen und die Gesellschaft.“

Neben dem Veranstalter Studio D4 aus Wernigerode und der Hansestadt Stendal ist als wichtiger Partner das Uppstall-Kino mit im Boot, das unter anderem für die Filmauswahl sorgt. Auf „Knives Out – Mord ist Familiensache“ freut sich auch Kino-Chef Günther Tyllack: „Den Film hatten wir noch nicht in Stendal.“ Also noch eine Premiere an diesem Autokino-Premierenabend.