Groß  Schwechten l Eigentlich ist es ein ruhiger Stendaler Ortsteil, in dem Annett Obst lebt. Vor vier Jahren ist sie nach Groß Schwechten gezogen. Unter den paar hundert Einwohnern ist aber einer, der ihr das Leben richtig schwer macht. Er hat es auf ihre Katzen abgesehen. Im September ist auf einen ihrer Kater geschossen worden. Zunächst hatte sie das gar nicht bemerkt, nur festgestellt, dass es dem Tier schlecht geht. Dann schien es dem Kater gutzugehen, doch drei Wochen später verendete er. „Wir haben es nicht einmal bis zum Tierarzt geschafft“, erzählte Obst. Sie ließ den Kadaver im Landesamt für Verbraucherschutz untersuchen. Das Ergebnis: Unter der Haut wurde im Bauchbereich ein spitzer Diabolo gefunden. Dieses Geschoss hat offenbar für eine Entzündung im Körper gesorgt, die zum Tod führte. Annett Obst war geschockt, ahnte aber nicht, dass das nicht das letzte Kapitel sein sollte.

Vierbeiner gehören zu ihrem Leben

Sie ist das, was man wohl guten Gewissens eine Tierfreundin nennen kann. Wenn Tiere in Not, verwahrlost oder herrenlos sind, können sie auf ihrem Hof ein Heim finden. So leben dort neben Katzen auch Hühner und Hasen. „Ich bin mit Tieren aufgewachsen und habe noch kein Lebensjahr ohne Katzen verbracht“, erzählte die gebürtige Stendalerin. Im vergangenen Jahr waren es sogar 13 Katzen auf dem Hof, derzeit sind es zehn. Doch dieser Lebensstil scheint jemandem nicht zu passen.

Am vergangenen Wochenende wurde wieder eine Katze getroffen. Beim Abtasten spürte Annett Obst das Geschoss, der Tierarzt bestätigte es, in der kommenden Woche soll „Mütze“, der Schwester des getöteten Katers, das Projektil, das in ihrem Bein sitzt, herausoperiert werden. Weil sie argwöhnisch geworden war, hatte Obst noch eine weitere Katze mit zum Veterinär genommen. „Streifen“ war von einem ihrer beiden Söhne mit schweren Gesichtsverletzungen vor zwei Jahren gefunden worden. Die Röntgenaufnahme bestätigte nun ihren schlimmen Verdacht. Auch Streifen war von einem Geschoss getroffen worden. „Das sitzt aber so nahe am Gehirn, dass der Tierarzt eine Operation abgelehnt hat“, erklärte die 48-Jährige. Da er aber nun schon seit zwei Jahren mit der Kugel im Kopf gelebt hat, ist sie optimistisch, dass sie keine negativen Auswirkungen haben wird.

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Tierfreunde haben Belohnung ausgesetzt

Reaktionen auf ihre Erlebnisse, die sie auf Facebook öffentlich machte, hat Annett Obst ganz unterschiedliche erfahren. Sie reichten von Mitleid bis zu Anfeindungen, als Zugezogene solle sie doch keine Unruhe ins Dorf bringen. Nach vier Jahren gilt sie manchen in Groß Schwechten immer noch als Fremde, wobei ihr selbst doch nur an guter Nachbarschaft gelegen sei. Doch solche Kommentare zeigen natürlich Wirkung, wie die Aktionen gegen ihre Tiere ohnehin. „Ich sehe sie als Familienmitglieder, da bedeutet das eine nervliche Belastung“, schilderte sie. Wenn eine Katze nicht rechtzeitig im Hause sei, werde sie schon unruhig. Auf der anderen Seite bräuchten die Tiere aber auch ihre Freiheit und die wolle sie ihnen auf gar keinen Fall nehmen, dem Druck werde sie nicht nachgeben.

Und Annett Obst hat Geschichten gehört, die belegen, dass sie kein Einzelfall ist. Da ist von verschwundenen Tieren die Rede, von einem Dorfbewohner mit Lebendfallen auf seinem Grundstück, der dann die Tiere erschießt, von Schüssen auf Hunde. Doch in die Öffentlichkeit gehen möchte keiner derjenigen. Anzeigen gegen Unbekannt hat sie erstattet, die Kriminalpolizei ermittelt. Zwei Tierfreunde, die anonym bleiben wollen, haben jeweils 500 Euro für Hinweise, die zum Täter führen, als Belohnung ausgesetzt.