Stendal l Als er den historischen Filtertank auf einer Auktionsplattform im Internet sah, war es um Norman Schönemann geschehen. Den müsse er unbedingt kaufen, habe sich der Gründer der Stendaler Taubentanzbrauerei schon in diesem Moment gedacht. Dass es im ersten Anlauf nicht klappte, entmutigte den Stendaler Unternehmer nicht. Als sich Ende des vergangenen Jahres eine zweite Chance auftat, schlug er zu. Seit Ende Januar steht der imposante Tank auf einem Hinterhof in der Breiten Straße.

Wo gäbe es denn eine vergleichbare Attraktion, nämlich ein Hofladen und Verkostungsstätte in einem Industriedenkmal? Noch dazu mitten in der Stendaler Innenstadt. Denn der Tank ist nicht einfach ausrangiert worden. Das gute Stück hat auch keinen Rost angesetzt oder sonst in irgendeiner Weise gelitten.

Laden ist bereits eingerichtet

Der dunkelgrüne Koloss – mehrere Meter hoch, zehn Tonnen schwer – wurde sozusagen einer Spezialbehandlung unterzogen. Ein Künstler nahm sich des Innenraums an und gestaltete ihn im Stile des Barocks um. Eine weinrote, mit Ornamenten verzierte Tapete schmückt die Wände. Die verschnörkelten goldenen Lampen und ein goldener Spiegel runden das Bild ab.

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Das wirkt alles sehr verspielt, aber nicht notwendigerweise kitschig. Man kann es sogar durchaus als gemütlich bezeichnen. Eine Wendeltreppe führt vom „Erdgeschoss“ – hier findet der Verkauf statt – in den „ersten Stock“, wo zukünftig diverse Getränke verkostet werden können. „Oben kann man mit bis zu acht Personen zusammensitzen“, sagt Bierbrauer Norman Schönemann.

Teil der Brauerei

Drei Wochen nachdem der Tank von einem Schwerlasttransport aus der Nähe von Wust nach Stendal gebracht und per Krahn auf seinen Standort gehievt wurde, ist der Laden zu einem großen Teil bereits eingerichtet. Norman Schönemanns Frau Leonie Schneider, die ebenfalls ein Teil der Brauerei ist, öffnet die Tür. Auf einem neu eingebauten Board aufgereiht stehen die Bier-und Fassbrauseflaschen. Aus dickbäuchigen Flaschen kann man sich Himbeergeist in der individuell gewünschten Menge abfüllen lassen. Dekoriert wird der kleine Raum zusätzlich mit einer voluminösen, messingfarbenen Destille. „Damit stellen wir normalerweise unseren Schnaps her“, sagt die Stendalerin.

Vormalig in einem umgebauten Bauwagen zuhause, steht der Umzug des Hofladens für den Wachstumskurs, auf dem sich die Brauerei seit einiger Zeit befindet.

Das kann man daran festmachen, dass mittlerweile der Bedarf für zwei feste Mitarbeiter besteht. Ein weiterer Faktor dabei: Seit Kurzem befindet sich das Domizil nicht mehr in der Petrikirchstraße, sondern in der nördlichen Breiten Straße (Nummer 30). Näher am Stadtzentrum also. Auch wachse die Produktpalette stetig, berichtet die Frau des Unternehmens. In Kürze wird das Ehepaar gar ein Produkt ganz abseits der gewohnten Spirituosen auf den Markt bringen: „Wir planen, eine Tomatensauce zu verkaufen.“ Der Name stehe bereits fest, für die Herstellung arbeite man mit dem Havelberger Sternekoch Christopher Franz zusammen. Die Zutaten beziehen sie aus Italien. Am Fuße des Vesuvs würden die Tomaten wachsen, verkündet zumindest das Etikett auf den Flaschen.

Kneipen bestellen momentan kein Fassbier

Auf die Idee dafür seien die beiden bereits vor längerer Zeit gekommen, als sie gemeinsame Kochabende mit Freunden veranstalteten. Dabei entwickelten diese Treffen mit der Zeit einen gewissen Wettkampfcharakter. „Wir haben ausprobiert, welches Rezept mit welchen Zutaten am besten schmeckt“, sagt Leonie Schneider. Am Ende stand plötzlich die Idee im Raum, einfach eine eigene Sauce herzustellen und zu verkaufen. Doch weiterhin liege der Fokus auf den Getränken, stellt Leonie Schneider klar. Ein Eierlikör sei in Planung, ein zuckerfreier Magenbitter bereits fertig. Die Etiketten lagerten bereits, die Flaschen müssen nur noch beklebt werden.

Mit anderen Worten: Die Taubentanz-Brauerei steht trotz der Corona-Pandemie nicht still. „Wir sind eh immer irgendwie in Bewegung und kriegen neue Ideen“, erklärt Leonie Schneider den Grund für die Umtriebigkeit. Davon abgesehen, sei es aus unternehmerischer Hinsicht sinnvoll, sich bei den Produkten breiter aufzustellen. Denn vom insgesamt sinkenden Bierabsatz war auch die Stendaler Brauerei betroffen, weil im vergangenen Jahr viele Feste ausfielen und die Kneipen als Kunden wegfielen. Da tut die Vielfalt im Sortiment natürlich gut.