Stendal l Beim Aufräumen hat Michael Trösken vor einiger Zeit einen kleinen Schatz geborgen. Er stieß auf Fotos, die er im August 1990 von einem Gerüst an der Marienkirche fotografiert hatte. „Der Turm war ja nie richtig für Interessierte zugänglich“, erzählt der heute 75-jährige Trösken. Die Treppen waren marode und der Ausblick bescheiden.

Er habe die Gelegenheit genutzt, als um die Wendezeit die beiden 82 Meter hohen Türme der Marienkirche aufwändig saniert worden sind. Da machte er „Luftaufnahmen“ von der Stendaler Innenstadt.

Turmsanierung für Fotos genutzt

1988 hatten die Sanierungsarbeiten am Südturm begonnen. Als der Stendaler im August 1990 das Gerüst bis in die Spitze hinaufstieg, da war mittlerweile der Nordturm dran.

Bilder

„Ich konnte einmal in die Runde fotografieren“, erzählt Trösken. Dies sei vom Inneren des Turmes nicht möglich gewesen, da dort lediglich aus den kleinen Fenstern heraus fotografiert werden konnte. Trösken war seinerzeit keineswegs heimlich auf das Gerüst gestiegen. Er hatte den Bereichsleiter Detlef Dreißiger vom Kreisbaubetrieb dabei.

„Mir hat das nichts ausgemacht, in der Höhe herumzuklettern“, sagt Trösken. Bereits 1988, als die Sanierungsarbeiten begonnen hatten, war der Stendaler bereits einmal in luftiger Höhe und hielt den teilweise doch sehr maroden Zustand der Innenstadt fest. 1990 hatte er dann bereits eine Canon-Kamera dabei, die er sich gleich nach der Wende gekauft hatte. Mit großer Qualität sind ihm da historische Aufnahmen gelungen. Sie dokumentieren den schlechten Zustand vieler Gebäude, die dem Abriss geweiht waren. Zu DDR-Zeiten wurde ein großflächiger Abriss geplant – zu dem es dann dank der Wende nie kam.