Stendal l Desinfektionsmittelspender in jedem Gebäude, zwei Meter Abstand zwischen den Sitzplätzen und Seminare in ausschließlich kleinen Gruppen – Präsenzveranstaltungen können unter strengen hygienischen Auflagen ab Montag, 4. Mai, stattfinden. Das teilt das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt auf ihrer Webseite mit. Diese soll es an der Hochschule Magdeburg-Stendal jedoch „nur in Ausnahmefällen“ geben, sagt Rektorin Anne Lequy.

Rund 90 Prozent der Veranstaltungen fänden bereits über das Internet statt. „Online kann ganz bunt sein“, sagt Anne Lequy. Die Bandbreite der digitalen Lehre erstrecke sich von Online-Dokumenten über Videokonferenzen bis hin zu kurzen Filmen. Das hänge von den Lehrenden ab und was unterrichtet wird. Die Kamera laufen zu lassen, während der Dozent mit Tafel und Kreide davor stehe, sei „bei Mathematik eine bewährte Methode“. Literatur könne in Einzelgesprächen erklärt werden. „Die Mischung macht‘s“, sagt die Rektorin.

Online-Betrieb funktioniert

Damit auch die Studierenden an den Online-Veranstaltungen teilnehmen können, denen es an ausreichender Technik fehlt, hat die Hochschule kurzerhand 38 Tablets gekauft. Gesamtpreis rund 15 000 Euro. Gemeinsam mit bereits vorhandenen Notebooks, die ausgeliehen werden können, soll sichergestellt sein, dass jeder Studierende im Notfall ausgestattet ist. „Mir ist kein Fall bekannt, wo Studierende nicht teilnehmen konnten“, sagt Anne Lequy.

Der bisherige Online-Betrieb habe gut funktioniert. „Ich bin angenehm überrascht worden“, sagt die Rektorin. Die größte Hürde sei die Umstellung. Das weiß auch Professor Matthias Morfeld, der in Stendal unter anderem im Studiengang Rehabilitationspsychologie lehrt. Er stand vor der Entscheidung, ob er ein Seminar, dass er seit acht Jahren in stets ähnlichem Aufbau durchführt, nun neu erfinden muss.

Morfeld: „Bisher lief der Kurs so, dass wir uns alle im Unterrichtsraum getroffen haben. Bei jedem der wöchentlichen Treffen habe ich 1,5 Stunden theoretischen Input gegeben.“ Rund 70 Studierende nehmen jedes Sommersemester an dem Kurs teil. Diese werden in 15 bis 20 Gruppen aufgeteilt und müssen als Leistungsnachweis ein wissenschaftliches Poster und einen Abschlussbericht erstellen. Die Gruppenarbeit findet stets nach der Theorie statt und wird von zwei Tutorinnen begleitet.

Mehr Arbeitsaufwand

„Ich musste am Anfang die Entscheidung treffen, mache ich das Konzept mit der Gruppenarbeit“, sagt der Professor. Er entschloss sich, dabei zu bleiben, was jedoch auch bedeutet, dass sein Drittel größeren Arbeitsaufwand betreibe. E-Mail-Anfragen müssen dem Professor zufolge innerhalb von 24 bis 48 Stunden beantwortet werden, damit die Studierenden dabei bleiben. Seine Vorlesung verkürzte er von 90 auf 60 Minuten, weil die Ablenkungen Zuhause eine längere Konzentrationsspanne bei den jungen Rehapsychologen nicht zulasse. Auch am Wochenende erreichbar zu sein, sei für ihn nun eine Selbstverständlichkeit.

„Ich glaube, wir machen gerade einen riesen Sprung“, sagt Matthias Morfeld. Es freut ihn, wie sich Dozenten gerade ausprobieren und an die digitale Lehre herantasten. Er selbst habe erst gezögert: „Am Anfang habe ich mich nicht getraut, für 70 Leute eine Vorlesung zu machen.“ Die Technik sei ihm zu unberechenbar gewesen. Doch „es wird leichter“, sagt er. Das einzige, was seiner Auffassung nach den Studierenden fehle, sei seine „Performance“ im Seminarraum. „Der Stallgeruch, der ist natürlich nicht da.“