Stendal l Der entscheidende Moment dauert nur einen Augenblick, dann zieht Arzt Gunnar Hynitzsch die Nadel aus dem linken Oberarm von Alfons Ewert. Am Montag (18. Januar) um etwa 8.45 ist der Stendaler damit die zweite Person, die im Impfzentrum des Landkreises Stendal gegen das Coronavirus geimpft worden ist. In etwa drei Wochen erfolgt die zweite Impfgabe, um vollständig gegen Covid-19 zu immunisieren.

Nachdem die Stelle des Einstichs mit einem Pflaster versorgt ist, begibt sich der 85-Jährige in den Warteraum. Eine Viertelstunde soll er hier noch ausharren, bevor es wieder nach Hause geht. Der Rentner ist erleichtert. „Für mich war es von vornherein klar, dass ich mich impfen lasse, wenn ich einen Termin erhalte“, sagt er, als er sich vom dem kurzen Pikser erholt hat. Bei der Anmeldung im Internet habe ihm glücklicherweise sein Sohn geholfen. „Am Ende war es Zufall, dass es so schnell geklappt hat“, berichtet er.

Erscheinen wirklich alle Angemeldeten?

36 Namen sind am Montag insgesamt auf der Liste verzeichnet. Alle nehmen am Ende des Tages ihren Termin wahr. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, sind doch in Folge der chaotischen Vergabe rund ein Drittel der Plätze an Menschen vergeben worden, die nicht im Landkreis Stendal wohnen. Doch auch aus weiter entfernten Städten wie Magdeburg, Salzwedel oder Hannover reisen die Impfwilligen an. „Am Freitag werden wir darüber noch einmal im Detail Auskunft geben“, kündigt der 2. Beigeordnete Sebastian Stoll (CDU) an.

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Der Stellvertreter von Landrat Patrick Puhlmann (SPD) ist für den Aufbau des Zentrums und dessen Ausstattung verantwortlich. Seit 7 Uhr in der Früh ist Stoll vor Ort, um persönlich den Ernstfall zu begleiten.

Nach all dem Unmut über die Probleme der Terminvergabe besteht das Impfzentrum im Stendaler Norden den Praxistest. Die zwölf Mitarbeiter von der Kreisverwaltung, der Johanniter-Unfall-Hilfe und der Bundeswehr hatten in der vergangenen Woche die Abläufe noch einmal bei einem Probelauf durchgespielt. 330 Mitarbeiter der Polizeiinspektion Stendal hatten dabei eine Covid-Impfung erhalten.

Datenerfassung ist sehr aufwendig

Kurz vor der Öffnung um 8 Uhr stehen die Impfwilligen zwar nicht Schlange, dennoch sind die Warteräume gut gefüllt. Zirka eine Stunde Wartezeit müsste man einplanen, erklärt Sabrina Lamcha von der Pressestelle des Landkreises. Was dabei auffällt: Die Dokumentation und Erfassung der Daten ist beim ersten Durchlauf extrem aufwendig. Und sie bindet Kapazitäten. Gleich drei Mitarbeiter sind im Eingangsbereich dafür abgestellt. Geschützt hinter Plexiglasscheiben pflegen sie die Daten in die Computer ein. „Das kostet natürlich Zeit, ist aber unabdingbar“, erklärt Sebastian Stoll. „Da die Besucher gut vorbereitet waren und ausgefüllte Unterlagen dabei hatten, dauerte der Besuch gestern maximal 30 Minuten“, weist Lamcha auf eine Möglichkeit hin, den Aufenthalt im Impfzentrum etwas zu verkürzen.

Hingegen bereitet die Aufbereitung des Impfstoffes drei Wochen nach dem Start der Corona-Impfkampagne in den Alten-und Pflegeheimen der Region keinerlei Probleme. Routiniert holt Uwe Sänze, Apotheker im Ruhestand, die Substanz aus dem Spezialkühlschrank, um sie anschließend anzumischen.

Bislang sind 2064 Menschen im Landkreis geimpft worden. Die Zahl der aktuell Corona-positiven Personen lag am Montagabend bei 385, wie das Gesundheitsamt mitteilte.