Stendal l Es ist kurz vor 14 Uhr. Die Tür des Fieberzentrums in der Ladenzeile am Roland-Ärztehaus in Stendal öffnet sich. „Treten Sie ein“, sagt eine der beiden Personen in voller Schutzbekleidung. Sie wirken verloren in dem spartanisch eingerichteten ehemaligen Geschäft. Zwei Tische, ein Raumteiler aus Tuch trennt den Vorraum zu medizinischen Utensilien.

Daten erfasst

Die Stimme verrät, ein Mann bittet einzutreten, wenig später wird der Testperson klar – es ist der Arzt. In einem kurzen Gespräch klärt er, wer die Patientin zum Test auf das Coronavirus geschickt und welche Symptome sie hat. Parallel dazu pflegt die Krankenschwester am PC die erforderlichen Daten in ein System ein, klebt einen Codestreifen auf ein Reagenzglas, versieht eine Plastikhülle mit Daten der Patientin und gibt dem Arzt das Zeichen – es ist alles bereit.

Erst dann vollzieht der Mediziner seine Arbeit: Er lässt die Patientin vor sich treten und bittet sie, ihren Mund weit zu öffnen. Dann nimmt er aus dem hinteren Rachenraum mit einem Wattestäbchen den Abstrich.

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Info über Testergebnis

„Alles gut, es ist nicht sehr angenehm, ich weiß“, beruhigt der Arzt. Die Frau nickt zustimmend und schaut erwartungsvoll. „Das war es schon. Wenn Sie positiv getestet wurden, bekommen Sie von der Kassenärztlichen Vereinigung umgehend telefonisch Bescheid“, sagt der Arzt. Bei einem negativen Befund kann es länger als 24 Stunden dauern und die Information auch per Post erfolgen.

Das Reagenzglas mit dem Stäbchen wird in die Plastikhülle verstaut und in die Kiste für den Transport zum Labor nach Magdeburg gelegt. Keine fünf Minuten dauert dieser Test, denn weitere Untersuchungen erfolgen in der Fieberambulanz nicht. „Das können wir hier auch schwer leisten und ist auch nicht geplant“, sagt Jörg Böhme.

Drei Fälle positiv

Der Allgemeinmediziner aus Stendal ist Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung und hat mit Unterstützung anderer die Fieberambulanz innerhalb weniger Tage aus dem Boden gestampft. Dazu gehörte, dass er ausreichend freiwillige Ärzte fand, die neben ihrer Arbeit in den Praxen den Betrieb im Fieberzentrum aufrecht halten. „Der Dienstplan steht bis zum 27. März“, sagt Böhme und ziehe den Hut vor den Kollegen.

Die Arbeit unter Vollschutz über bis zu drei Stunden ist eine Belastung, zumal sie einer Fliesbandarbeit ähnelt. Nur so ist das Pensum auch zu schaffen, zumal die Fieberambulanz derzeit die einzige in der Altmark ist. An diesem Freitag sind es 77 Personen aus den Landkreisen Stendal, Salzwedel und Jerichower Land. Seit der Eröffnung am Mittwoch, 18. März, sind es 177 Personen gewesen, die getestet wurden. Drei Fälle waren an den ersten beiden Tagen positiv, darunter auch ein Befund über eine schwere Influenza. „Das Krankheitsbild ähnelt der Coronavirus-Infektion“, sagt Böhme, der das täglich wechselnde Arzt-Schwester-Team in der Fieberambulanz einweist und beim sogenannten Vorsortieren hilft.

Von Tests ausgeschlossen

So begibt sich Jörg Böhme auch an diesem Tag auf die Straße, um die Wartenden zu befragen, wer sie zum Test geschickt hat. Die meisten haben eine Empfehlung, oftmals schriftlich, ob vom Hausarzt, vom Gesundheitsamt der Kreisverwaltung oder von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Manch einer wurde vom Arbeitgeber geschickt. Jörg Böhme fragt weiter, nach Symptomen wie Fieber und Husten, ob ein Kontakt zu einem nachweislich Infizierten bestand oder er bzw. sie sich in einem Corona-Risikogebiet in letzter Zeit aufgehalten hätte. Kommt nichts davon in Frage, mahnt der Mediziner, dass es sinnlos ist, sich testen zu lassen. Einige wenige werden quasi nach Hause geschickt, mit dem guten Rat, sich ruhig zu verhalten, zu beobachten und gegebenfalls zuerst den Hausarzt zu kontaktieren.

Kein Pillepalle

„Es geht hier nicht um Pillepalle, sondern um die Verhinderung, dass wir mit einem Schlag schwerstkranke Corona-Infizierte in unseren Krankenhäusern behandeln müssten“, sagt Böhme. Deshalb sind die Tests in erster Linie den Personen vorbehalten, die auch wirklich den Verdacht haben, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, um sie dann zu isolieren und zu behandeln.

Ob es die erste Testperson am Freitag betrifft? Sie verlässt das Fieberzentrum zumindest mit der Hoffnung – wenn es so ist – es innerhalb von 24 Stunden per Telefon zu erfahren.