Legazpi l Jetzt bin ich schon fast 50 Tage auf den Philippinen – geplant waren 15 Tage. Doch ich bin hier in Alcala überall willkommen. Und das macht mir den erzwungenermaßen zusätzlichen Aufenthalt nicht ganz so schwer.

Nach wie vor ist der „Lockdown“ in Kraft. Die „Zentralverriegelung“. Es gibt keine Inlandsflüge, keine Bus- und keine Taxifahrten. Seit zwei Wochen komme ich hier aus Alcala nicht einmal mehr in die zwei Kilometer entfernte Stadt Daraga, denn es ist Quarantäne angeordnet. Nur wer eine Sondergenehmigung besitzt, kann die Checkpoints, die von Polizei, Militär und Ordnungskräften besetzt sind, noch passieren.

Unter anderem sind das die wenigen Leute, die zur Arbeit nach Daraga oder Legazpi müssen, in Firmen, in denen noch gearbeitet wird. Fast alle Geschäfte sind geschlossen. Einer, der sie in die Stadt und von dort wieder zurück nach Alcala bringt, ist Tricycle-Fahrer Alan Logia. Morgens um 6 Uhr fährt er zur Arbeit, spätestens um 11 Uhr ist es wieder zu Hause. „Drei Fahrten hin und zurück, das lohnt sich kaum“, sagt er. Aber „ein kleines Geld“ sei besser als gar kein Einkommen, denn zu Hause wollen Ehefrau Dhang und die Kinder Princess (7) und Ken (14) versorgt werden. Zu normalen Zeiten, erzählt er, seien 30 bis 40 Fahrten am Tag keine Seltenheit. Vom Morgen bis zum Abend. Derzeit gibt es schon am späten Vormittag keine Kundschaft mehr. Gut, dass Ehefrau Dhang in ihrem Haus noch einen kleinen Minishop betreibt, so dass sich die kleine Familie einigermaßen über Wasser halten kann.

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Täglich nur Reis und Süßkartoffeln

Nicht so bei Bruder Argil Logia, der sich mit seiner Frau um fünf Kinder zu kümmern hat. Denn in seiner Tricycle-Werkstatt in Daraga steht derzeit alles still. Es gibt nichts zu tun. Die Corona-Epidemie sorgt dafür, dass Arme an die Armutsgrenze stoßen. Zu essen gibt es bei den Logias deshalb an jedem Tag Reis oder Süßkartoffeln. Das ist hier am billigsten zu haben. Ich werde trotzdem eingeladen, zusammen mit der Familie zu essen. Drei Mädchen und zwei Jungs im Alter von drei bis 15 Jahren gehören zu dieser. „Ich hoffe, dass bald wieder bessere Zeiten kommen“, äußert Argil Logia und meint damit das Ende des Lockdowns“.

Für mich bestand eine Zeitlang die Hoffnung, dass ich spätestens in der ersten Maiwoche nach Hause kommen kann. Doch am Montag kam für mich eine wahre Hiobsbotschaft. Da wurde in den Medien bekanntgegeben, dass der Lockdown im ganzen Land bis zum 15. Mai verlängert wird. Mit der Hoffnung auf eine Aufhebung am 30. April hatte ich mich zu früh gefreut. Viel schlimmer kann es für mich wohl kaum kommen. Vor dem 16. Mai ist nun eine Heimreise nicht möglich - außer ich werde von der Fluggesellschaft Condor nach Hause geflogen. Von denen habe ich eine Anfrage erhalten, ob immer noch Interesse an einer Rückholung von Legazpi besteht. „Natürlich!“ Wirklich große Hoffnungen habe ich nicht, dass die einen einzelnen gestrandeten wie mich aus der Umgebung von Legazpi nach Deutschland zurückholen.

Alle meine Versuche, über das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes zurück nach Deutschland zu gelangen, sind fehlgeschlagen, sowohl der Eintrag ins dafür vorgesehene Portal, als auch eine E-Mail-Anfrage an die Behörde. Die Antwort darauf kam schnell. Auszugsweise heißt es darin: „Aufgaben und Anfragen zum Thema Covid-19 sowie für Rückholaktionen werden grundsätzlich NICHT MEHR beantwortet“. Und weiter: „Es gab aufgrund der Überlastung vorübergehend Schwierigkeiten, sich in die Krisenvorsorgeliste einzutragen. Das System wurde inzwischen verstärkt und sollte wieder zugänglich sein“. Ich habe es mehrfach versucht, bin aber nie bis zur Registrierung gekommen. Ich brauche es jetzt auch gar nicht weiter versuchen, denn wie ich erfahren habe, ist der letzte Heimkehrerflug von den Philippinen nach Deutschland am Mittwoch vor Ostern um 23.30 Uhr in Manila gestartet. Auf Deutsch: Was das Rückholprogramm der Bundesregierung betrifft, ist der Zug für mich abgefahren.

An Botschaftsmitarbeiter ist kein Herankommen

Bei der Deutschen Botschaft in Manila bin ich telefonisch und auch per Mail gar nicht erst reingekommen. Sie scheint ebenfalls überlastet zu sein. Auf ihrer Internetseite ist zu lesen, dass sie wegen der Corona-Krise, gerade in Manila, geschlossen ist, aber trotzdem erreichbar sein soll. Für mich leider nicht.

Gut ist allerdings, dass es im Raum Legazpi/Daraga, zu dem auch das Dorf Alcala gehört, in dem ich mich aufhalte, bisher noch kein einziger Corona-Fall bekannt ist. Auf den Philippinen gibt es – Stand Sonntag – 6100 Infizierte und 400 Tote – allerdings fast alle im Großraum der Hauptstadt Manila. Die komplette Abriegelung der Hauptstadt hat verhindert, dass sich das Virus im Land weiter großflächig verbreitet.

Gesundheitlich ist es mit mir in den vergangenen drei Wochen etwas bergab gegangen. Ein Magen-Darm-Problem machte mir schwer zu schaffen. Nichts half dagegen. Weder der wirklich grauenvolle, von der Hausbesitzerin zusammengebraute schwarze Reis-Trunk, noch eine Kräuterbinde um meinen Bauch. Ich hab es zudem mit Tabletten und auch mit Gin probiert, der hier wirklich sehr gut ist. Ein Arzt war im Übrigen auch nicht zu erreichen. Über die Osterfeiertage war da auch nichts zu machen. Seit vergangener Woche geht es mir aber wieder besser. Irgendwie ist es der Hausbesitzerin gelungen, ein Antibiotikum zu besorgen. Jetzt fängt allerdings ein Zahn an mich zu ärgern. Aber mehr noch als das beschäftigt mich die Tatsache, dass ich wohl noch mindestens vier weitere Wochen hier verbringen werde ...