Stendal l Der Landkreis Stendal ist seit Donnerstag Inhaber eines traurigen Rekordes. In keiner anderen Region in Sachsen-Anhalt ist die Sterberate in Folge der Corona-Pandemie so hoch. Gerechnet auf 100.000 Einwohner sind in der Ostaltmark 109 Corona-Tote zu beklagen. In absoluten Zahlen sind es mit Stand von Freitagnachmittag 121. Es folgt der Kreis Wittenberg mit 75 Toten auf 100.000 Einwohner. Die statistisch gesehen wenigsten Sterbefälle (16) hat Magdeburg zu verzeichnen.

Infektionen vor allem in Pflegeheimen

Dass die Zahlen im Landkreis Stendal so hoch sind, hängt mit dem Infektionsgeschehen zusammenhängen. Wie Amtsärztin Dr. Iris Schubert auf einer Pressekonferenz am Dienstag mitteilte, seien hier weiterhin in erster Linie Alten-und Pflegeheime betroffen. Dort verzeichne man die meisten Todesfälle. Damit deckt sich der Befund, dass vor allem Menschen, die älter sind als 80 Jahre und Vorerkrankungen aufweisen, in Folge einer Infektion versterben. Nur eine geringe Zahl der Toten sei jünger als 60 Jahre, sagte Schubert im Dezember.

Ende Dezember waren in 19 von 26 Pflegeeinrichtungen im Landkreis das Coronavirus nachgewiesen worden. Während der Pressekonferenz am Dienstag hatte Schubert außerdem behauptet, dass die Sterblichkeit in Sachsen-Anhalt im Jahr 2020 nicht höher sei als im Vorjahr. „Wir haben nicht mehr Tote als sonst“, stellte die Amtsärztin fest.

Zahlen zur Sterblichkeit

Die aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamtes widerlegen diese Aussage jedoch sowohl für das gesamte Bundesland im Allgemeinen als auch für den Landkreis Stendal im Besonderen.

„Im Monat November 2020 starben nach bisherigen Meldungseingängen sechs Prozent mehr Personen als im Durchschnitt der Vorjahresmonate 2016 bis 2019. Im Dezember 2020 waren es nach bisherigem Stand sogar 29 Prozent mehr“, heißt es in einer Pressemitteilung des Amtes vom 15. Januar.

60 Prozent mehr Tote

Im Landkreis Stendal liegt die Übersterblichkeit im Dezember 2020, also in jenem Monat, in dem die Zahl der Neuinfektionen extrem in die Höhe sprang, gar um 60 Prozent höher als 2019. Auch dieser Wert ist im Landesvergleich unübertroffen. Mit jeweils 46 Prozent folgen das Jerichower Land und der Saalekreis. Dazu passt, dass es laut Stadtverwaltung in der Hansestadt Stendal zwischen dem 1. November 2020 und dem 15. Januar 2021 30 Bestattungen mehr gab als im Jahr zuvor im selben Zeitraum.

Hoffnung macht derweil, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in der Ostaltmark im Verlaufe der Woche stark zurückgegangen ist. Lag sie Mitte der Woche noch bei 227, sank sie am Freitag auf 207. Momentan sind 441 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Die Gesamtzahl liegt bei 2142.