Stendal l Eines muss man ihm lassen: Hinter dem Tresen macht Norman Schönemann am vergangenen Donnerstag schon eine passable Figur. Er drapiert das Sortiment, rückt die Flaschen ins richtige Licht. Die Schränke mit den Produkten sind reichlich gefüllt. Bier, Gin, Fassbrause, Bierbrand und Tonic Water auf der einen Seite, Tee und andere regionale Produkte auf der anderen Seite. Hinzu kommt ein Kühlschrank, um die Getränke wohltemperiert an den Mann zu bringen. Würde jetzt ein Kunde den umgebauten Bauwagen betreten, könnte er nach Herzenslust shoppen.

Dabei bedient der Gründer der Stendaler Privatbrauerei&Brennerei in der Petrikirchstraße eigentlich nur am Wochenende die Kundschaft. „Das ist immer noch ein Hobby. Hauptberuflich mache ich etwas anderes“, sagt der Stendaler. Doch obwohl er sich mit seiner Frau Leonie Schneider nur in seiner Freizeit um die Herstellung der Spirituosen kümmert, wächst das kleine Geschäft stetig.

Dreimal in der Woche geöffnet

Neue Abnehmer werden akquiriert, die Produktlinie entwickelt sich stetig weiter. Die Zugpferde bleiben die drei Craft-Biere und das Pilsener. Alle benannt nach dem alten Stendaler Taubentanz-Bier. Seit der Gründung im Jahre 2017 werden jedoch auch Gin, Bierbrand, Tonic Water und Fassbrause in Stendal hergestellt. Letztere wird seit neuestem in kleinen Flaschen abgefüllt.

Die Entwicklung verläuft so dynamisch, dass Norman Schönemann seinen ersten Mitarbeiter in Vollzeit eingestellt hat. Was wiederum die Voraussetzung für die Eröffnung des Hofladens war. Direkt neben der Produktionsstätte.

Noch mit anderen Aufgaben betraut, kümmert sich der Neue nämlich federführend um die Betreuung des Lädchens. Geöffnet hat es donnerstags und freitags jeweils zwischen 14 und 18 Uhr. „Und wenn das Tor offen steht“, sagt Norman Schönemann. Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Viel intensiver und direkter könne man sich mit den Kunden austauschen. Wenn es die Zeit erlaubt auch mal die Arbeitsweise in der Brauerei erklären. Bislang werde das Angebot gut angenommen. Besonders am Wochenende schauten viele Stendaler vorbei, so Schönemann.

Kräuterlikör ist in der Mache

Nicht ganz klar war sich der Hobby-Brauer anfangs, wie groß er den Verkauf aufziehen wollte. Prinzipiell wäre sogar ein Neubau auf dem Gelände in Frage gekommen. Letztendlich entschied sich der Brauerei-Gründer für die kleinere Variante mit dem aufgehübschten Bauwagen. Der versprüht durchaus Charme und passt mit seiner Do-it-yourself-Ausstrahlung perfekt aufs Gelände. Täuschen lassen sollte man sich trotzdem nicht. Was auf den ersten Blick leicht improvisiert wirkt, genügt hohen Ansprüchen. Die fast komplette Restaurierung plus die Ausrüstung verschlang mehrere tausend Euro.

Mit dem Resultat sind Norman Schönemann und Leonie Schneider auf jeden Fall zufrieden. Zumal das Sortiment in Bälde Zuwachs erhält. Einen Kräuterlikör haben sie in der Mache. Der Name steht bereits fest. Bezug nehmend auf einen historischen Schnaps aus der Hansestadt mit dem gleichen Namen werden die „Stendaler Bittere Tropfen“ in gar nicht allzu ferner Zukunft einen Platz im Bauwagen finden.