Firmengründung

DDR-Expertise überzeugt in Stendal nach der Wende

IHU Geologie und Analytik untersucht Flächen auf Schadstoffe

Von Antonius Wollmann
Steffi Traufelder und Uwe Stahl leiten die Geschäfte der IHU. Seit 30 Jahren ist das Unternehmen am Markt. Auch in der Corona-Krise brechen die Aufträge nicht ein. Foto: Antonius Wollmann

Stendal

Ein bisschen Glück hat die IHU Geologie und Analytik mit ihrem Geschäftsmodell in diesen unsicheren Zeiten, in denen auf so wenig Verlass ist. Was heute noch gilt, kann wegen des Coronavirus in zwei Tagen schon wieder komplett überholt sein. Von Vorteil ist es also, einer weitgehend pandemieunabhängigen Tätigkeit nachzugehen. Bei der Entnahme von Wasser-und Bodenproben ist die Einhaltung von Abstandsregelungen relativ einfach umzusetzen. Und im Labor fanden die beiden Geschäftsführer Uwe Stahl und Steffi Traufelder ebenfalls eine praktikable Lösung. „Wir sind sehr froh, dass wir während der Pandemie weitgehend störungsfrei arbeiten dürfen“, sagt Steffi Traufelder. Der IHU spiele auch in die Karten, das viele Aufträge für die öffentliche Hand erledigt werden, erzählt die promovierte Chemikerin.

Das Wissen der Gründer hat sich bewährt

Wäre ja auch geradezu verflixt gewesen, wenn das Unternehmen ausgerechnet rechtzeitig zum 30. Geburtstag ausgebremst worden wäre. So lange nämlich nimmt die Firma, die seit jeher ihren Sitz in der ehemaligen Poliklinik in Stendal-Stadtsee hat, Dienstleistungen im Gebiet der chemischen Analytik und Kartographie vor, erzählt Uwe Stahl. Der führt wie seine Geschäftsführerkollegin ebenfalls einen Doktortitel, jedoch im Fach Physik.

Damals hatten Mitarbeiter des Kombinats Erdöl-Erdgas den Schritt in die Marktwirtschaft gewagt. In der Hoffnung, dass ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in der neuen Zeit gefragt sind und sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt machen. Eine Garantie fürs Gelingen hatte niemand ausgestellt. „Es war ein Wagnis. Die Gründer hatten ja nur Erfahrungen mit der sozialistischen Wirtschaft“, sagt Uwe Stahl. Es kam also darauf an, sich so schnell an die neuen Verhältnisse anzupassen wie möglich.

„Am Ende hat es sehr gut geklappt. Was vor allem damit zu tun hat, dass die erste Generation des Unternehmens sich auf ihren Feldern exzellent auskannte“, so Stahl. Sich selbst und Steffi Traufelder zähle er zur zweiten Generation, die das bestellte Feld übernahm und dafür sorgte, dass es immer noch Früchte trägt. Das Erbe der Gründer zu bewahren, sei dabei eine besondere Herausforderung.

IHU hat zwei Niederlassungen

Mittlerweile hat sich die IHU, das kann man wohl so feststellen, auf ihrem Gebiet einen Namen gemacht. 30 Mitarbeiter an drei Standorten in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sprechen dafür. Messtechniker sind Teil des Teams, außerdem Chemiker, Physiker, Geologen, Landschaftsarchitekten und Geowissenschaftler.

Wenn zum Beispiel der Verdacht besteht, dass im Boden noch Altlasten schlummern, fahren Mitarbeiter der IHU raus, um dem Problem auf den Grund zu gehen. Doch wäre es unzulässig, das Unternehmen darauf zu reduzieren. Wahrscheinlich lässt sich das Wirken so am besten zusammenfassen: Sobald irgendwo gebuddelt wird, könnte die IHU ein Anruf erreichen, damit die Mitarbeiter ihre Expertise abgeben. Daran kann auch das Coronavirus nichts ändern.