Stendal l „Eine tolle Idee, mit einem vielleicht zu ambitionierten Programm“, sagt Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD). Er sei gern der Einladung zum „Dialog – Altmark“ gefolgt und würde auch gern mit den anwesenden Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in einen Erfahrungsaustausch treten. Seine Vermutung, dass dafür die Zeit knapp werde, weil seinem Beitrag drei weitere Vorträge an dem Abend folgten, sollte sich bestätigen. Zumindest hielt sich der Dialog im offiziellen Teil in Grenzen.

So regte der Minister an, das Format insofern zu überdenken, dass weniger vorgetragen und mehr geredet werde, zumal vom Inhalt her jeder Beitrag es verdient hätte. Die Erfahrung aus seiner bislang dreijährigen Tätigkeit an der Spitze des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung in Sachsen-Anhalt habe gezeigt, „es wird zu wenig über Politik geredet, und wenn, dann oft in Form einer Rückschau. Gleichwohl schaute Willingmann zurück, jedoch nur auf seinen Vorredner.

Kritik an Gropp-These

Adolf Fehse, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, begrüßte die Dialog-Teilnehmer im Sparkassenausbildungszentrum in Stendal und übte in seiner Einleitung harsche Kritik an den in die Schlagzeilen geratenen Gropp-Thesen. Der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp, empfiehlt, die Wirtschaftsförderung in den ostdeutschen Bundesländern auf Städte zu konzentrieren und ländliche Gebiete außen vor zu lassen. Dafür gab es bereits heftige Kritik, „der wir uns nur anschließen können“, so Fehse. Demnach würde man die Altmark aussparen und, wie Gropp auch empfehle, dicht machen können.

Armin Willingmann mahnte, diese These entspannter zu sehen. Gropp habe nichts anderes herausgearbeitet als „eine Möglichkeit“. Ob und wie diese dann in der Praxis angewendet werde, entscheide die Politik. „Bislang haben ich von keinem gehört, der ihr folgen möchte“, so der Wernigeröder, der darauf hinwies, dass Rent Gropp weit mehr als nur die eine gescholtene These aufstellte. „Viele andere sind gut“, so Willingmann und nannte als Beispiele: „Geld in die Bildung stecken, offen für Zugang sein.“ Damit war der Minister dann auch bei seinem Vortragsthema.

In Berlin um Existenzgründer werben

Sowohl die Entwicklung der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt als auch in der Altmark seien positiv. „2018 gab es eine ordentliche Steigerung beim Bruttoinlandsprodukt.“ Der Arbeitsmarkt sei in der Altmark in Ordnung, bei der Fachkräftegewinnung müsse wie überall „aufgepasst“ werden.

Für die Altmark sehe Willingmann vor allem darin eine Reserve, dass mehr versucht werden sollte, Absolventen zu motivieren, hier zu bleiben. Die Hochschule Stendal-Magdeburg mit ihren Ausrichtungen vor allem in der Wirtschaftsforschung müsse mehr genutzt werden. „Unternehmen sollten sich an der Hochschule beteiligen und Partner werden“. Ebenso sollten Firmen mehr auf die Attraktivität hinweisen, hier zu leben und zu arbeiten.“

Licht nicht unter Scheffel stellen

„Oder hier eine Existenz zu gründen“, warb Willingmann weiter und sprach die guten Voraussetzungen wie ICE-Anschluss, den bald umgesetzten Breitbandausbau sowie die Verlängerung der A14 an. Die Altmark sollte ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, sondern selbstbewusst auftreten und „warum nicht in Berlin um Existenzgründer und Fachkräfte werben“.

Ein gutes Beispiel dafür begegnete Willingmann noch am Abend, als er mit Mats Milan L. Müller ins Gespräch kam. Der 29-Jährige ist seit Januar bei der IT-Firma Coman als Marketingchef tätig, einem Start-up-Unternehmen, das sich nicht in Berlin, sondern in Stendal ansiedelte. Müller, der aus Lüneburg stammt, bezeichnete das Arbeitsumfeld in der Hansestadt als sehr gut. Das Angebot des Ministers, Coman Software mit derzeit zwölf Mitarbeitern als ein Vorzeigebeispiel zu verwenden, dem willigte Müller zu. „Publicity kann nie schaden, wir wollen noch wachsen.“

Weitere Referenten beim „Dialog – Altmark“ waren der Kreissparkassenvorstand Jörg Achereiner (Zinsen und Zölle), der Hochschulprofessor Wolfgang Patzig (Analyse der Investitionszurückhaltung der Privatwirtschaft) und Maria Wendt (Auswertung Rückkehrertag).