Vor der Restaurierung des Portals mit den zwei Raubkatzen erhält St. Marien eine Dachrinne

Die Löwen müssen sich noch gedulden

Von Reinhard Opitz

An der äußerst schadhaften Südseite der Marienkirche wird etwas gegen den fortschreitenden Verfall getan: Sie erhält erstmals in der mindestens 650-jährigen Geschichte des Gotteshauses eine Dachrinne.

Stendal l Eigentlich ist es kaum zu glauben: Das Regenwasser vom riesigen Dach der Marienkirche floss über viele Jahrhunderte einfach über die Fassade ab. "Die Denkmalpflege war auch lange der Meinung, das müsse so bleiben", erzählt Bärbel Hornemann, bei der Stadtverwaltung die untere Denkmalbehörde repräsentierend. Doch inzwischen hat ein Meinungswandel eingesetzt, gefördert nicht zuletzt durch die massiven Mauerwerksschäden, speziell auch an Stendals stolzer Bürgerkirche. Vor allem an deren Südseite sind sie unübersehbar: grauweiße salzige Ausblühungen, ausgewaschene Fugen, Algenbefall...

Dagegen wird jetzt etwas getan. Nachdem die Nordseite bereits mit einer Rinne ausgestattet wurde, ist in diesem Jahr die Südfassade an der Reihe. Seit einer Woche ist sie eingerüstet, demnächst werden die Dachdecker zur Traufe hochsteigen. 60 laufende Meter Kupferdachrinne sind dort zu installieren. 26000 Euro hat der Förderverein Glocken St. Marien, für den Bärbel Hornemann als Vorsitzende steht, aus Fördermitteln von Seiten der Stadt und aus Spenden eingeplant. Für den Anschluss der Fallrohre an den Regenwasserkanal und die damit verbundenen archäologischen Grabungen vor der Paradiespforte muss die Stadtgemeinde zusätzliche Ausgaben in Höhe von etwa 13000 Euro aufbringen. Alle Ausbesserungsarbeiten, die das sakrale Gemäuer dringend nötig hätte, müssen warten. Ebenso die Restaurierung des Löwenportals, die der Glockenverein seit langem auf seiner Wunschliste hat. "Die aus der Romanik stammenden Löwen müssen von ihrer Verkrustung befreit werden, und am Portal sind Ergänzungen der Substanz notwendig", beschreibt Bärbel Hornemann die Aufgabe. Da kommen spielend Kosten um die 200000 Euro zusammen. "Dieses Jahr", sagt Hornemann, "wird das wohl nichts mehr." Zumal die Kirche auch noch auf einen neuen Dachreiter wartet.