Digitalisierung im Stufenmodell

Stufe 0 „Offline“: keine digitalen Dienste, wie bisher nur per Papier oder persönlich.

Stufe 1 „Information“: Auf der Webseite der Organisation werden Informationen zur Leistung dargestellt.

Stufe 2 „Formular Assistent“: Webseite stellt ein webbasiertes Eingabeformular zur Verfügung

Stufe 3 „Online Leistung“: vollständig digital

Stufe 4 „Online Transaktion“: vollständig digital, Nachweise müssen nur einmalig erbracht werden.

Quelle: www.digitalesrathaus.info

Stendal/Tangerhütte l Mit wenigen Klicks auf dem Computer den Hund anmelden oder eine Hausnummer beantragen: Das ist auf der Internetseite des digitalen Rathauses von Tangerhütte möglich. Ganze 25 Online-Anträge stehen den Tangehüttern dort zur Verfügung, dazu kommt ein Antrag in der Testversion. Im März ging das digitale Rathaus an den Start – beschleunigt durch die Corona-Pandemie. So war auch der erste Antrag die Rückerstattung der Kita-Gebühren im Lockdown. Neuerdings sind die Dienste auch per App verfügbar: „Und zwar per Handy via Fingerabdruck, von überall aus und rund um die Uhr“, wird Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) in einer Pressemitteilung von der Stadt Tangerhütte zitiert.

Als wäre das nicht Grund genug, sich in Sachen Digitalisierung erst einmal zurückzulehnen, ist Tangerhütte als erste Kommune in Sachsen-Anhalt digital mit dem Land verknüpft. „Damit haben Nutzer mit nur einmaliger Registrierung und einem einzigen Onlinekonto ab sofort Zugriff auf alle digitalen Verwaltungsangebote im ganzen Bundesland“, so Brohm.

Tangerhütte hat die meisten digitalen Dienste

Tangerhütte ist die Kommune im Land, die die meisten voll-digitalen Dienste anbietet, also Dienste ab der sogenannten Stufe drei. Dies lässt sich auf einer Internetseite vom Land Sachsen-Anhalt einsehen, auf der alle digitalen Dienste von den Rathäusern aus dem Bundesland aufgeführt sind. Mit Blick auf das Onlinezugangsgesetz bedeutet das, dass Tangerhütte bereits einige der gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Denn bis Ende 2022 müssen nach diesem Gesetz die Dienste der Verwaltungen auch digital angeboten werden.

Digitalisierung ist jedoch nicht unumstritten. Neben Bedenken zum Datenschutz stellt sich schnell die Frage, ob auch ältere Menschen so ein online Angebot nutzen können. „Es geht uns ja nicht darum, das ‚alte‘ Rathaus zu schließen und die Menschen dazu zu zwingen, ihre Anträge nur noch online zu machen. Es geht uns darum, eben jedem die Möglichkeit zu geben, Dienste online in Anspruch nehmen zu können, wenn das gewollt ist“, sagt Hagen Woecht von der IT-Firma Innocon Systems aus Tangermünde. Er hatte die Software für das digitale Rathaus in Tangerhütte zur Verfügung gestellt. Auch anderen Kommunen in der Region hätte er sie vor einiger Zeit kostenlos angeboten – erfolglos. Nun gibt es aber neue Verhandlungen und „interessante neue Anfragen“, so Woecht. Über Details darf er derzeit aber noch nicht sprechen. „Ich kann aber sagen, dass die Stadt Stendal derzeit eine abschließende Prüfung durchführt und voraussichtlich, wenn beim Test nicht noch Probleme auftreten, in dieser Woche mit einer Terminanfrage an das Einwohnermeldeamt starten wird“, so der Tangermünder.

Stendal versucht sich an online Terminvergabe

Aus dem Rathaus Stendal heißt es, dass man noch in der „Anfangsphase“ der Digitalisierung sei. „Wenn wir mal von Antragstellung per E-Mail absehen, dann ist bislang noch keine Verwaltungsleistung rein digital verfügbar“, sagt Armin Fischbach, Pressesprecher der Hansestadt Stendal. Würde sich die digitale Terminvergabe als praktikabel herausstellen, würde man sie auf alle Fachbereiche ausweiten, wo es regelmäßig Publikumsverkehr gäbe, „beispielsweise die Wohngeldstelle oder das Sachgebiet Kitas/Schulen.“

Neben Stendal hätte auch Arneburg-Goldbeck Interesse an der Software von Innocon bekundet – im Gegensatz zu Osterburg und Tangermünde. In Osterburg wird sich dem Thema Digitalisierung anders genähert. „Wir bieten Dienste wie etwa den Hund anmelden oder Kita-Anträge über E-Mail und Telefon an. Aber bei komplett digitalisierten Diensten, da sind wir noch nicht so weit“, sagt Anke Müller von der Verwaltung. Man hätte eine online Terminvereinbarung im Kopf und wolle auch das Servicekonto vom Land Sachsen-Anhalt auf der Website verlinken. „Aber das ist noch nicht konkret“, so Müller. „Man muss sehen, wie der Bedarf da ist.“

In Tangerhütte ist der Bedarf da, das zeigen die Zahlen: Etwa 850 Bürger haben sich bereits ein Benutzerkonto für das digitale Rathaus erstellt.