Stendal l Kindern den Unterrichtsstoff über das Internet oder telefonisch zu vermitteln ist nicht einfach. Die Herausforderungen für Schulen, Lehrer und Eltern sind groß. Um ein Beispiel in den Vordergrund zu rücken, bei dem der digitale Unterricht gut funktioniert, meldete sich Norman Rentner als Reaktion auf einen Artikel zum Thema Hausunterricht, auch Homeschooling genannt, bei der Volksstimme: „Was daraus werden kann, wenn es Hilfe, Inspiration und Ermutigung gibt, zeigen uns Beispiele wie die Bilinguale Grundschule in Stendal und die Grundschule in Börgitz. In Börgitz wurde schon während des ersten Lockdowns in einer Klasse der Online-Unterricht geprobt“, schreibt Norman Rentner der Volksstimme.

Seine Frau Verena Rentner ist Lehrerin an der Grundschule und initiierte laut dem Schulleiter Olaf Götzky die Nutzung der Lernplattform Learningview. „Sie verteilte darüber die Aufgaben an die Schüler und nutzte die Plattform auch weiter, als die Schüler wieder im Präsenzunterricht waren.“ Dadurch war die Schule im zweiten Lockdown nicht unvorbereitet.

„Wir haben eine schulinterne Fortbildung für das Personal durchgeführt. Wir sind aber alle noch am Lernen“, berichtet der Schulleiter. „Das hört sich alles so reibungslos an, doch es ist eine große Herausforderung für uns. Ich bin sehr dankbar, dass alle Kollegen mitmachen.“

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Damit die Lehrkräfte der Grundschule Börgitz noch sicherer im Umgang mit dem digitalen Unterrichten werden, können sie an einer vierwöchigen Fortbildung teilnehmen. Über den Tag verteilt werden verschiedene Kurse angeboten.

Fehlende Technik und langsames Internet

Personell ist die Schule gut auf den Distanzunterricht eingestellt. Doch mangelnde technische Möglichkeiten seien eine Hürde für den Fernunterricht. Nicht in allen Haushalten gäbe es die Voraussetzungen, um das Online-Angebot nutzen zu können. Deswegen sei etwa auf Videokonferenzen verzichtet worden. „Die Kinder bekamen online Wochenpläne mit interessant gestalteten Lernspielen, Erklärvideos und Aufgaben für ihre Arbeitshefte. Erledigte Aufgaben wurden per Foto hochgeladen, zeitnah vom Lehrer korrigiert und kommentiert. Der gesamte Lernprozess kann in einem Lernjournal von den Eltern nachvollzogen werden“, schreibt Rentner.

Die technischen Mängel hebt auch der Schulleiter der Grundschule hervor. „Auch wenn sich das alles sehr gut anhört, sind es die technischen Möglichkeiten, die uns Steine in den Weg legen“, sagt Olaf Götzky. So fehlten etwa Leihgeräte, die eben genau an die Kinder herausgegeben werden könnten, bei denen im Elternhaus keine Endgeräte vorhanden seien.

Hinzu käme, dass die Internetverbindung in den Dörfern des Einzugsgebietes der Grundschule nicht ausreichend sei. „Alle Eltern sollten die Möglichkeit haben, auf eine schnelle Internetverbindung zurückzugreifen. Und sie sollte auch für alle finanzierbar sein“, sagt der Schulleiter.

Stendal hat stabiles Internet

Immerhin sei die Grundschule selbst nicht von langsamem Internet betroffen. „Durch unseren Träger, die Hansestadt Stendal, haben wir ein sehr stabiles und schnelles Internet an der Schule und ein gutes Computerkabinett.“ Zudem finanziere die Hansestadt der Schule den Nachrichtendienst Schoolfox, mit dem die Lehrer mit den Eltern kommunizieren können.

Für die Eltern, die online nicht auf das Lernangebot für ihre Kinder zurückgreifen können, sowie alle Eltern der Erstklässler, werden die Aufgaben telefonisch übermittelt oder können in Ausnahmefällen bei der Schule abgeholt werden. „Bei den Erstklässlern sind die Arbeitsblätter notwendig. Es haben sich Gruppen innerhalb der Elternschaft gebildet, sodass nur ein Elternteil für möglichst viele Erstklässler aus einem Dorf die Zettel gesammelt abholt. Wir wollen die Kontakte eben so weit es geht reduzieren.“

Lese-App-Gutschein für die Kinder

Norman Rentner schreibt der Volksstimme, dass im September 2020 die Kreistagsfraktion der SPD, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist, in der Grundschule Börgitz zu Gast war. Sie hätten sich vor Ort über den Stand zum Thema Homeschooling informiert. „Schulleiter Olaf Götzky berichtete dazu ausführlich und erläuterte die nächsten Schritte“, so Rentner.

Zudem sei der Schule im Dezember vom SPD-Ortsverband Uchtspringe ein Gutschein zur Nutzung einer Lese-App für Kinder übergeben worden. Die Lese-App, herausgegeben von einem Schulbuchverlag, läuft in der 3. Klasse im Probebetrieb und werde von den Kindern sehr gut angenommen.