Brücke bei Tangermünde voll gesperrt / Bangen um Hohengöhrener Deich

Elbe flutet Dörfer in der Altmark

Von Thomas Pusch und Jens Schmidt

Stendal l In der Altmark ist der erste Deich gebrochen. Fischbeck wurde überflutet. Als nächstes könnte Hohengöhren betroffen sein, der dortige Deich wurde aufgegeben.

Der Montag war gerade zwei Minuten alt, da brach der Deich bei Fischbeck auf einer Länge von zehn Metern. Die Evakuierung von Fischbeck, Kabelitz, Wust und Schönhausen wurde angeordnet. Die B 188 von Tangermünde über die Elbe nach Wust wurde voll gesperrt. Damit ist auch die Elbebrücke von Tangermünde unpassierbar geworden. Das bedeutet, dass zwischen Magdeburg und Wittenberge die Elbe nicht mehr überquert werden kann. Gesperrt wurde auch die Eisenbahnbrücke bei Hämerten im Landkreis Stendal. Dadurch ist die ICE-Verbindung zwischen Berlin und Hannover gekappt (weitere Sperrungen Seite 2).

Der Riss am Deich zwischen Tangermünde und Fischbeck dehnte sich schnell auf 50 Meter aus. Pro Sekunde schoss eine Million Liter Elbwasser durch den Deich. Bis zum Nachmittag war die Gemeinde auf einer Höhe von 2,50 Metern überflutet. Gestern Abend flogen Bundeswehr-Hubschrauber Big-Bags nach Fischbeck.

Nördlich und südlich von Büttnershof müssen neun Kilometer unsanierter Deich verteidigt werden. 450 Bundeswehrsoldaten sind dort im Einsatz, stabilisieren den Deich mit Sandsäcken von der Wasserseite aus.

Kritisch bleibt die Situation auch an der Zehrengrabenniederung. Zwischen Bömenzien und Aulosen wurde ein provisorischer Deich aufgeschüttet und mit Folie abgesichert. Mit Zehntausenden Sandsäcken wurde der Deich zudem stabilisiert.

Ängstliche Blicke gehen in Richtung Hohengöhren. Am dortigen Deich war in der Nacht der erste Schaden festgestellt worden. Wenig später war er an drei Stellen über etliche Meter abgebrochen. Die Bundeswehr gab am Nachmittag ihre Bemühungen, den Deich zu retten, auf. Der Landkreis ordnete die Evakuierung von Hohengöhren und weiterer Orte an.

Viel Ärger machten in den vergangenen Tagen die Pegel-Prognosen in Sachsen-Anhalt. Für Magdeburg waren zunächst 7,47 Meter vorhergesagt worden. Dann waren es plötzlich nur noch 7,20 Meter. Am Sonntag kamen tatsächlich 7,47 Meter. Oberbürgermeister Lutz Trümper: "Ich ärgere mich darüber, dass ich den Prognosen geglaubt habe." Magdeburg-Rothensee und einige Straßen Buckaus soffen ab. Ein Umspannwerk war extrem bedroht.

Frank Goreczka vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz erklärte: Die Flut war so extrem. dass auch die Vorhersagemodelle an ihre Grenzen gestoßen sind. Das Besondere 2013: Auf den Norden kamen gleich zwei Flutwellen zu: Eine aus der Saale und eine aus der Elbe. Burkhard Henning entgegnet: Wer weiß, dass hier Naturprozesse ablaufen, kann sich nicht ernsthaft auf den Zentimeter verlassen."