Tangerhütte l Am 30. Juni läuft das aktuelle Fährzeugnis für die Motorfähre Ferchland-Grieben aus, für die veralteten Dieselmotoren, die rund 100 Liter Diesel pro Tag brauchen, wird eine Ersatzteilbeschaffung schwierig. Doch die technischen Herausforderungen sind nicht das einzige Problem für die betreibende Gemeinde Elbe-Parey.

Revision kostet 1,2 Millionen Euro

Es ist vor allem das Geld. Ohne die vom Land in Aussicht gestellte 90-prozentige Beteiligung an den Gesamtkosten von rund 1,2 Millionen Euro wird es schwierig, die Fährverbindung wie sie heute existiert zu halten. Und das Land habe sich bisher eher bedeckt gehalten, fasst Bürgermeister Andreas Brohm jetzt zusammen.

Schon jetzt ist die Fähre ein Zuschussgeschäft und die neu in den Tangerhütter Stadtrat gewählte AfD hatte sich gleich im September dafür stark gemacht, eine Kostenbeteiligung für die Fähre zu prüfen. Deshalb waren auch AfD-Vertreter und der Bürgermeister dabei, als es jetzt in Parey um die Zukunft der Fähre ging.

Die Elbfähre Ferchland-Grieben verbindet die Kreisstraße 1196 mit der Landesstraße 54 im ostelbischen Bereich und wurde 1998 vom Land als Neubau in Auftrag gegeben. Sie ist 29 Meter lang und knapp zehn Meter breit. Sie hat Platz für acht Pkw und zusätzliche Raum für Radfahrer und Fußgänger. Die Betriebskosten sollten von Anfang an die beteiligten Kommunen tragen.

In zwei Jahren 200 Tage an Land

Schon seit Jahren ist die Gemeinde Elbe-Parey Eigentümer der Fähre und die steht jetzt vor einem finanziellen Riesenproblem. Hinzu kommen Risiken, die auch nach erfolgreicher Landrevision erhalten bleiben: Die Fähre mit einem Wasserstrahlantrieb braucht mindestens 70 Zentimeter Arbeitstiefe und die wurden in den langen, trockenen Sommern 2018 und 2019 an 128 beziehungsweise 96 Tagen in den flacheren Bereichen unterschritten.

Wegen der langen Standzeiten waren 2018 über 40.000 Euro und 2019 bisher fast 70.000 Euro Minus erwirtschaftet worden. Hinzu kommen Unsicherheiten in Zusammenhang mit der EU-Abgasnorm und Neuregelungen der Fährführerscheine. Letztere sollen 2022 neu geregelt werden, so dass künftig ein Schiffsführerschein notwendig ist (Ausbildung drei Jahre), Ausnahmen gibt es für Fährführerscheine im Bestand nur noch bis 2024.

Künftig zwei Mann Besatzung

Im Gespräch ist auch eine neue Besatzungsordnung, die Schiffsführer und Deckmann notwendig macht und die Fähre bei der Revision wie ein Fahrgastschiff mit weiteren Vorgaben einstuft.

Mit den Optionen vom Neubau einer Gierseilfähre (die damals nicht gewünscht war, weil man den Schiffsverkehr auf der Elbe noch ausbauen wollte, wie Griebens Ortsbürgermeisterin Rita Platte berichtet) über Austauschmotoren (die nach aktuellem Stand nicht in den Motorraum passen würden) und weiteren Ideen will sich eine Masterarbeit auseinandersetzen, die im Dezember in Parey vorgestellt werden soll. Auch dann will die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte vertreten sein.

Im Hauptausschuss in Tangerhütte war man sich jetzt in einem einig: Die Fährverbindung ist wichtig und muss für die Menschen auf beiden Seiten der Elbe erhalten bleiben. Aber, so machte Stadtratsvorsitzender Werner Jacob (CDU) deutlich: „Es kann doch nicht im Sinne des Gesetzgebers sein, alle Fähren in Deutschland stillzulegen. Wir müssen den Städtetag, Bundestagsabgeordete und Landtagsabgeordnete ansprechen und Verbündete finden!“

Rita Platte (WG Altmark/Elbe) forderte: Landkreis und Land müssen mit ins Boot! Die Kommunen können nur die Betriebskosten tragen, alles andere ist nicht zu schultern!“ Wollfgang Kinszorra (WG Zukunft) monierte, dass „verarmte Kommunen“ immer weiter „gemolken“ werden und nicht wüssten, wie sie ihre freiwilligen Aufgaben noch erfüllen können.