Die Flora und Fauna der Altmark:

Endlich sind die richtigen Leute auf verantwortlichem Posten

Der Unterhaltungsverband „Tanger“ hat damit begonnen, die Schäden der Melioration zu beseitigen

Von Wolfgang Lippert
Der Autor Wolfgang Lippert aus Tangermünde (links) mit Jan Klein vom Unterhaltungsverband am Tanger im Süppling.
Der Autor Wolfgang Lippert aus Tangermünde (links) mit Jan Klein vom Unterhaltungsverband am Tanger im Süppling. Foto: R.-M. Wienecke

Altmark - Zahlreiche Tiere und Pflanzen haben in der Altmark ihr Zuhause. In verschiedenen Episoden wird die heimische Flora und Fauna in ihren Zusammenhängen erklärt. Heute: der Süppling.

Den Süppling hatte ich nach dem Krieg noch als riesiges Feuchtgebiet kennengelernt. In der untersten Bodenschicht, dem C-Horizont, lagert Raseneisenerz. Dieses Vorkommen war der Grund, dass man die Tanger-Hütte errichtet hatte, um das Eisen zu verhütten. Oberförster Wilhelm Großgebauer erzählte mir, wie man dabei vorging.

War das Wasser abgeflossen, wurde das Erdreich an der Oberfläche, der A- und B-Horizont, abgegraben und aufgeschichtet, darunter konnte das relativ trockene Raseneisenerz geborgen werden. So entstanden aus dem Material von A- und B-Horizont lange Dämme, auf denen man Erlen anpflanzte, die vertragen Überflutungen. Nach der Überflutung sorgte ein kluges Grabensystem dafür, dass Wasser über den Tanger nach Tangermünde in die Elbe abfließen konnte, denn stehendes Wasser fängt an zu stinken, das hatte man verhindert.

Die Tiefebenekann zur Steppe werden

Ich hatte nach dem Krieg den Erlenbruchwald Süppling bei Weißewarte als riesigen Feuchtraum mit Wasser im Überfluss kennengelernt. Es versickerte immer genug bis ins Grundwasser, so dass Trinkwasser nie alle wurde und unser offener Brunnen in Grieben nie versiegte.

Dem folgte in der DDR-Zeit die staatlich angeordnete Komplex-Melioration, ein Trockenlegen der Feuchtgebiete, um Grünland zu Ackerland zu machen. Nun hatte ich als Student von Professor Hermann Meusel erfahren, dass die Norddeutsche Tiefebene seit der Eiszeit ganz natürlich trockner und trockner wird. Er warnte schon vor über 60 Jahren, dass in längeren Trockenperioden die Norddeutsche Tiefebene schnell zur „Steppe“ werden kann. Selbst dieser umfassend gebildete Mann fand kein Gehör. Auch interessierte die Wasserwirtschaft der DDR nicht, was alles in den vielen Kleingewässern an Tieren, speziell an Fischen vorkam. Sie wussten nicht, dass vor einigen 100 Jahren unsere Altvordern in der Altmark zu einem großen Teil von Fischen gelebt hatten. Wo sind diese Fische heute? Selbst kleinste Gräben wurden durch Wehre gekammert und so die ganz natürlichen Wanderung anadromer Fischarten unterbunden.

Künstliche Wasserlöcherfür das Wild

Als man die Flusssohle des Tangerhütter Tangers während der Melioration etwa um einen Meter absenkte, fiel selbst das Bucher Rohr im Forst Grieben trocken. Das war bis dahin eine wasserführende Senke, die völlig mit Schilf zugewachsen war, in dem Rohrweihen und Blesshühner brüteten, einmal sogar der ganz seltene Waldwasserläufer. Solche Auswirkungen hatte die Trockenlegung des Süpplings. Alle natürlichen Wasserlöcher im Forst zwischen Grieben und Tangerhütte fielen trocken. Einige Wasserlöcher hat man mit einem Bagger künstlich vertieft, damit dort Wild wenigstens wieder Wasser schöpfen kann.

Die Verantwortliche des Unterhaltungsverbandes „Tanger“, um Jan Klein und Detlef Braune, sind nun dabei, diese Scharte auszuwetzen. Sie haben die Fehler erkannt und begonnen, den entstandenen Schaden im Tanger-System zu beheben. Es soll im alten Sinne wieder hergestellt werden. Endlich befinden sich die richtigen Leute auf den verantwortlichen Posten.