Stendal l Der Tiergarten in Stendal ist unumstritten eine Erfolgsgeschichte. „Es hat sich sehr viel zum Positiven verändert“, sagt die Leiterin Anne-Katrin Schulze. Gern spannt sie bei ihrer Betrachtung den Bogen weit zurück: Die Historie begann schon im Jahr 1934.

Durch eine sogenannte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Hitler-Regimes entstand der künstlich angelegte Stadtsee und ein kleines Tiergehege, unter anderem mit Wildschweinen, Hirschen und Affen. Im Juni 1944 starben fast alle Tiere durch einen Bombenangriff, und die Anlage wurde zerstört. Im Mai 1952 wurde der Zoo als ein Projekt des Nationalen Aufbauwerkes wiederbelebt. Seitdem ist die sechs Hektar große Anlage in den Händen der Stadt.

Da während der DDR-Zeit nicht viel in die Anlage investiert wurde, sei aus Sicht von Anne-Katrin Schulze die Wiedervereinigung für die Tiere und Mitarbeiter ein Glücksfall gewesen. Die Stadt und der 1995 gegründete Förderverein Tiergartenfreunde Stendal unterstützen die Umstrukturierungen und Umbaumaßnahmen. Ab 1998 wurden Gehege nach und nach zu modernen Großanlagen umgebaut.

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Tigertausch geplatzt

Die größte Herausforderung seien der Bau der neuen Anlagen für die Bären und sibirischen Tiger gewesen, erinnert sich die Leiterin. Die Arbeiten der Bärenanlage haben ein ganzes Jahr gedauert, bis 2001 dann groß Eröffnung gefeiert wurde. „In der heutigen Waschbäranlage waren früher die Bären“, sagt Anne-Katrin Schulze. Zuvor hatten sie nur 100 Quadratmeter Platz gehabt. Durch den Umzug sind es heute 700 Quadratmeter.

2005 wurde der Bau der modernen Tigeranlage begonnen, ein Jahr später wurde sie eröffnet. Seit 30 Jahren beherbergt der Tiergarten sibirische Tiger. 2010 wurde Tania in Stendal geboren, die heute noch in der Anlage lebt. Nach dem Tod ihres Vaters Buran im März dieses Jahres ist das Team bemüht, einen neuen Tiger zu bekommen. Der ursprünglich geplante Umzug des Tigers Augustus aus dem Zoo in Eberswalde „hat sich leider zerschlagen“, bedauert die Chefin.

Zu weiteren Neuerungen gehören die erweiterte Luxanlage, das umgestaltete Wolfsgehege, das Exotenhaus und die begehbare Vogelvoliere. All diese Projekte dienen der artgerechten Tierhaltung.

Um den Tiergarten für die jüngsten Besucher noch attraktiver zu gestalten, wurde Anfang der 90er Jahre das Schweinehaus abgerissen. „Das Gebäude war sehr marode“, erinnert sich Anne-Katrin Schulze. So konnte dort der Spielplatz erweitert werden. Was noch aussteht, so die Leiterin weiter, sei der Bau eines neuen Kioskgebäude. „Wann der Bau gestartet wird, ist noch nicht klar.“

Steigende Besucherzahl

Für die Mitarbeiter hat sich ebenso einiges zum Positiven verändert. Die neu angeschafften Geräte vereinfachen die Arbeit. Früher mussten beispielsweise mit Wasserkannen die Tiere jedes einzelnen Geheges versorgt werden. „Heute haben sie Selbsttränken.“ Das Schleppen von schweren Kannen habe sich somit erledigt.

Aktuell leben 350 Tiere von 74 verschiedenen Arten im Stendaler Zoo. Anne-Katrin Schulze achtet darauf, dass kein Tier alleine ist. Einige Tiere seien in der vergangenen Zeit entweder aus Altersgründen oder wegen Krankheit verstorben. So suche die Leiterin ein Nandu und einen Ziegenbock. Doch woher kommt der Nachwuchs? „Von anderen Tierparks, sozusagen im Tausch mit den Stendaler Jungtieren. Dafür gibt es extra eine Tausch- und Kaufliste“, erläutert Anne-Katrin Schulze.

Damit alle Tiere versorgt werden können und die Gehege sowie die Anlage des Tiergarten sauber sind, sind aktuell sechs Tierpfleger und zwei Zootierpfleger beschäftigt. Außerdem arbeite die Leitung mit dem Berufsbildungswerk Stendal zusammen, das eine Ausbildung zum Tierpfleger in der Fachrichtung Heim- und Pensionstierpflege anbietet. So absolvieren zurzeit 14 Auszubildende ihre Lehre im Zoo.

Bester Lohn für all das Engagement, „ist die anhaltend gute bis steigende Besucher-Resonanz“, sagt die Leiterin. Im Jahr 2001 besuchten rund 49 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene den Tiergarten. Im Vorjahr waren es um die 70 000 Besucher.

Die gut vierwöchige Zwangsschließung wegen der Corona-Pandemie in diesem Frühjahr „haben wir durch den Besucheransturm nach der Wiedereröffnung gut verkraften können.“ Sehr beliebt bei den Bürgern seien die Feste, „sie warten regelrecht darauf“, sagt Anne-Katrin Schulze und weiß: „Auch den Tieren auf der Anlage tun Besucher gut, besonders den Zicklein im Streichel- gehege.“