Stendal l Warum beteiligen sich im Landkreis Stendal deutlich weniger Kinder und Jugendliche an der Schulspeisung als landesweit? Das zu klären, ist die Kreisverwaltung aufgefordert. Sie soll zudem ein Konzept für eine Verbesserung erarbeiten.

 Es besteht dringender Handlungsbedarf, so die Antragsteller. Ein halbes Jahr Zeit wird der Kreisverwaltung gegeben, um ein Konzept zu erarbeiten. Das Ziel: Deutlich mehr Kinder und Jugendliche sollen sich an der Schulspeisung als bislang beteiligen. Die Statistik für den Landkreis Stendal bei den staatlichen Schulen sieht nämlich düster aus. Bis auf die Förderschulen liegen alle anderen Schulbereiche deutlich unter der Beteiligungsquote im Land Sachsen-Anhalt.

Viele Erkrankungen verursacht

„Es besteht dringender Handlungsbedarf“, mahnte Nico Schulz in der jüngsten Kreistagssitzung. Der Fraktionschef von Pro Altmark stellte den später mehrheitlich beschlossenen Antrag für eine Konzepterarbeitung. Der jetzige Zustand sei „aus gesundheitlichen Aspekten nicht zu akzeptieren“, betonte Schulz. Leider gebe es immer noch zu viele Kinder, die in ihren Elternhäusern gar keinen oder einen sehr geringen Zugang zu gesundem Essen hätten. Und ungesunde Ernährung sei wiederum ursächlich für sehr viele Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Arteriosklerose, Schlaganfall und vieles mehr.

Es gebe nichts Wichtigeres als die Gesundheit unserer Kinder, hob Schulz nochmals hervor. Deshalb sei die Politik auf allen Ebenen gefordert. Der Landkreis Stendal könne mit gesunder Schulspeisung seinen Beitrag leisten. Deshalb gehöre zum Konzept auch eine Ursachenforschung, die gemeinsam mit der Hochschule Magdeburg-Stendal erfolgen sollte. „Am Versorger scheint es nicht zu liegen“, sagte der Fraktionschef. Festgeschrieben seien zudem Rahmenbedingungen, die zu berücksichtigen sind (siehe Infokasten).

Realität ist ernüchternd

Geprüft werden soll auch die Möglichkeit, in den Schulen selbst zu kochen. Denn dort, wo es Schulküchen gibt wie in Flessau und Lüderitz, liegt die Beteiligung der Kinder am Mittagessen bei 90 Prozent. Davon sind einige Schulen in Stendal weit entfernt. Beispielsweise liegt die Beteiligung in der Kommarow-Sekundarschule bei nur drei Prozent. Von etwa 250 Schülern nehmen im Schnitt fünf bis sieben Lernende an der Schulspeisung teil. Nebenan in der Gagarin-Grundschule nur 23 Prozent. „Schlechte Esser“, so die Statistik, scheinen auch die Jugendlichen am Winkelmann-Gymnasium zu sein. Hier liegt die Quote bei elf Prozent.

Wie sieht es in der Realität aus? Die Volksstimme schaute sich kurz um. In der Komarrow-Schule fehlt die räumliche Möglichkeit, das Mittagessen auszugeben und einzunehmen. Zudem ist der Ausländeranteil sehr hoch und somit nur deutsche Küche nicht gefragt. Das gilt auch für die Gagarin-Grundschule. Dort können die Kinde aber zumindest in gepflegter Atmosphäre speisen. Wer nicht an der warmen Mittagsmahlzeit teilnimmt, hat vom Elternhaus Brote oder Fladen mit bekommen. Hier zeigte sich auch, dass nicht alle Eltern, denen ein kostenfreies Mittagessen für ihre Kinder zusteht, davon Gebrauch machen. Bei den Gymnasiasten wurde als Grund für den Verzicht auf die Schulspeisung zum einen der Geschmack genannt, zum anderen eine zu kurze Mittagspause. Um den Hunger zu stillen, da gebe es den Supermarkt nebenan. Was landet im Korb? Aufback-Burger für knapp drei Euro. Soviel kostet im Schnitt ein Schulessen.