Stendal l In der vergangenen Woche begann die GbR Pöhl/Zimmermann aus Gohre mit der Ernte des Rapses. Die Zwischenbilanz von Volker Pöhl ist niederschmetternd. Der Ertrag erreiche nicht einmal den Wert des zurückliegenden Dürrejahres.

Fahre der Betrieb von dieser Frucht durchschnittlich 33 Dezitonnen je Hektar vom Acker, waren es im 2018 immerhin noch drei Viertel dieser Menge. In diesem Jahr liegt der Ertrag bei nur 23 Dezitonnen je Hektar.

Bei der bereits gedroschenen Gerste mussten diese Landwirte aus Gohre ähnliche Einbußen hinnehmen. Sind auf ihren Böden Ernten zwischen 65 und 70 Dezitonnen je Hektar bei dieser Getreideart die Regel, waren es in diesem Jahr nur 52 Dezitonnen.

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Der Vermehrungsweizen, Roggen und Triticale stehen noch auf den Flächen des Betriebes, sie werden fast zeitgleich reif, müssen in den kommenden Tagen Schlag auf Schlag eingefahren werden. Eine Ernteprognose will Pöhl für diese Kulturen noch nicht wagen, er rechnet aber mit dem Schlimmsten. „Woher sollen es die Pflanzen auch nehmen. Das Wasser fehlt.“

Mit Dürrehilfen ist nicht zu rechnen

Im nur wenige Kilometer entfernten Lüderitz fiel scheinbar etwas mehr Regen, wenn auch lange nicht genug. Seit Mittwoch wird hier bereits der Weizen gedroschen, und Manfred Pecker, Geschäftsführer der Landprodukte Tangerland Lüderitz, hofft zumindest auf eine zufriedenstellende Ernte.

Bereits der Rapsertrag habe ihn überrascht. „Ohne die Trockenheit hätte es noch mehr sein können, aber 31 Dezitonnen je Hektar sind für diese Verhältnisse gut.“ Auch die Gerstenerträge seien zwar kein Grund für Freudentänze, aber auch keiner für Tränen.

So differenziert wie zwischen Gohre und Lüderitz sieht es im zweiten Dürrejahr in Folge für den gesamten Landkreis Stendal aus. Der nördliche Teil, beispielsweise die Wische mit ihren lehmigen Böden, bekam mehr Wasser ab als der sandige Süden. Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Stendal, nennt deshalb auch die große Ertragsspanne zwischen 30 und 60 Dezititonnen je Hektar Gerste, eben je nach Region.

Auch für den Mais zeichne sich ein Nord-Süd-Gefälle ab. Steht er im Osterburger Bereich teils noch „sattgrün auf dem Feld“, sieht es auf den Schlägen um Tangerhütte ähnlich düster aus wie im Vorjahr.

Diese Kultur vertrocknet auf dem Stengel. Während für das Getreide die Messen gesungen sind, könnte Regen im Falle des Maises aber noch das Schlimmste verhindern. Auf vielen Schlägen wird es aber nicht mehr zu einer ordentlichen Kolbenbildung kommen, so dass auch der nächsten Silage wieder die Energie fehlen wird.

Um das Grünland in der Tangerregion ist es ebenso schlecht bestellt. Nach einem mittelmäßigen ersten Grasschnitt kann der zweite vielerorts als Totalverlust verbucht werden. Öffnen sich in den nächsten drei Wochen die Wolken, können die Bauern noch auf eine Grasernte im Herbst setzen.

Schon jetzt steht aber fest: Am Ende der Saison werden Gras- und Maissilagen sowie Heu fehlen. Futterknappheit ist das zweite Jahr in Folge vorprogrammiert. Bereits nach dem Winter waren die dürftigen Futterstöcke aus 2018 in einigen Betrieben frühzeitig abgebaut. Die Bauern brachten ihr Vieh nur über die Runden, indem sie Getreide als Grünschnitt nutzten.

Aufgrund ihrer für den trockenen Sommer 2018 noch recht guten Erträge kam die GbR Pöhl/Zimmermann nicht in den Genuss der im Vorjahr gezahlten Dürrebeihilfen. In diesem Jahr brauchen die Gesellschafter, wie alle ihre Kollegen, gar nicht darauf hoffen.

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/ Die Grünen) lehnt Zahlungen dieser Art konsequent ab. „Ihr scheint nicht bewusst zu sein, wie schlimm es um einige Betriebe gestellt ist“, schimpft Kerstin Ramminger.

Hoffnung, dass die Ministerin ihre Meinung zu Gunsten der betroffenen Landwirte noch einmal ändern könnte, habe sie nicht. Weiterhin bemängelt die Geschäftsführerin des Stendaler Bauernverbandes, dass die Dürrehilfen aus dem Vorjahr bisher nur teilweise in den betroffenen Betrieben angekommen sind und ihr keine Behörde darüber Auskunft erteilen kann, bis wann die Bauern mit dem Geld rechnen können.

Weniger Geld bei gleichem Aufwand

Das wird aber dringend gebraucht. Obwohl sich „keiner in die Karten gucken lässt, geht Ramminger davon aus, dass einige Existenzen bereits bedroht sind, denn die Reserven sind aufgebraucht. Geld von Banken zu bekommen, werde auch immer schwieriger.

Bereits in den vergangenen Monaten trennte sich ein Milchviehbetrieb nach dem anderen von seinen Kühen. Die Bauernverbandsgeschäftsführerin fürchtet, dass sich dieser Trend nun fortsetzt.

Es wird nämlich nicht nur das Futter knapp, sondern auch das Personal. Schließlich sind da aktuell noch die schlechten Milchpreise von 30 bis 32 Cent je Kilogramm, die einem Bauern den Schritt hin zum milchviehlosen Wirtschaften erleichtern, denn mindestens 40 Cent werden benötigt.

Je nach Witterungsverhältnissen wird sich die Ernte in der östlichen Altmark noch etwa drei Wochen hinziehen. Für das Wenige, was sie von den Feldern einfahren, werden die Landwirte keine höheren Erlöse bekommen. „Die Prognosen für die Getreidepreise sind nicht gut“, so Ramminger, denn auf dem globalen Markt sei alles in Ordnung. An der Börse schert sich eben niemand darum, ob die Altmark unter einer Dürre leidet.

Um 52 statt 70 Dezitonnen Gerste je Hektar zu ernten haben Volker Pöhl und seine Kollegen aber die selben Aufwendungen. Die Preise für Saatgut, Dünger, Diesel und Maschinenstunden sinken bekanntermaßen nämlich nicht, wenn der Regen ausbleibt.