Stendal l Wer auf der Homepage des Landkreises Stendal nach offenen Stellen sucht, hat die Qual der Wahl: Innerhalb von nur zwei Wochen hat die Verwaltung zwölf Jobs ausgeschrieben – in allen Hierarchiestufen vom Aktenboten bis zum Sachgebietsleiter für Soziale Dienste.

Eine Stelle fällt dabei besonders ins Auge: die eines Klimaschutzmanagers beziehungsweise einer Klimaschutzmanagerin. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit versucht der Landkreis, diese Spezialisten-Position zu besetzen, für die Bewerber nicht nur ein abgeschlossenes Studium der Geographie und Raumplanung beziehungsweise der Wirtschaftswissenschaften mitbringen sollten; auch „zusätzliche Qualifikation in Bereichen Energie, Klimaschutz, fundiertes Wissen im kommunalen Klimaschutz“ sowie „Berufserfahrung in der Projektsteuerung und Moderation“ sind laut Ausschreibung erwünscht.

Anforderungen zu hoch für Stendal?

Zu hohe Anforderungen für eine Stelle, die in der Einstiegsgruppierung mit einem Brutto-Jahresgehalt von knapp 43.000 Euro vergütet wird? Und das in einer Region wie Stendal, in der ein Durchschnittsverdiener pro Jahr gerade einmal auf gut 31.000 Euro brutto kommt?

Nein, betont Angela Vogel, die Büroleiterin von Landrat Patrick Puhlmann (SPD), es habe durchaus Bewerbungen auf die erste Ausschreibung des Klimaschutzmanagers gegeben – ebenso wie „verschiedene Bewerbungsgespräche“. Allerdings habe die danach ausgewählte Kandidatin noch vor Vertragsunterzeichnung „aus persönlichen Gründen“ ihre Bewerbung zurückgezogen. Weitere Kandidaten seien zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verfügbar gewesen.

Schwierig, Fachkräfte zu finden

Generell sei es für die Verwaltung zunehmend schwierig, Spezialisten zu finden: Angela Vogel nennt als Beispiele die Bereiche Ingenieurswesen, IT und Medizin. Allerdings sei es bislang noch immer gelungen, „nahezu alle Stellen“ zu besetzen.

Wobei für „Spezialaufträge“ auch die Kreisverwaltung Kapazitäten „einkaufen“ muss. So hatte Landrat Puhlmann während der jüngsten Kreistags-Sondersitzung zur Zukunft des Krankenhausstandorts Havelberg unumwunden eingeräumt: „Wir brauchen für Verhandlungen (mit den Anbietern Salus und Johanniter; d.Red.) externen juristischen Sachverstand, um auf Augenhöhe zu verhandeln“.

Bei der Stadt Stendal hingegen sind es nicht nur Spezialaufträge, die nicht mit eigenem Personal erledigt werden können: „Wir schränken unsere Baumaßnahmen ein, weil uns die Leute fehlen“, sagt Stadt-Sprecher Philipp Krüger.

Bauingenieure in Stendal gesucht

Besonders gravierend sei der Fachkräftemangel im Bereich der Bauingenieure: Die Verwaltung bilde in diesem Bereich nicht selbst aus und sei deshalb auf Bewerber aus der freien Wirtschaft angewiesen. „Drei bis vier Ingenieure würden wir bestimmt nehmen“, schätzt Krüger. Jüngstes Beispiel, bei dem sich das Personalproblem des Rathauses ausgewirkt hat: der Neubau eines Tierpark-Kiosks. „Wir haben vom Rat den Auftrag bekommen, aber wir können ihn nicht umsetzen.“ 190.000 Euro stehen im städtischen Haushalt bereit – und nur durch ein „Outsourcing“ gibtʼs die Chance, dieses Geld auch ausgeben zu können: Die städtische Wohnungsgesellschaft SWG kümmere sich um den Kioskbau, so Krüger.

Übrigens sind die hiesigen Verwaltungen mit ihrem Fachkräftemangel nicht allein. So hatte schon vor knapp zwei Jahren der Braunschweiger Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) vor „seinem“ Stadtrat fast verzweifelt gesagt: „Nennen sie mir 100 Bauingenieure – und wir stellen sie sofort ein.“