Stendal l Fürs Radfahren wird keine Werbung gemacht, die Radverkehrslenkung an Baustellen ist miserabel, die Breite der Radwege lässt zu wünschen übrig. Diese Mankos in Stendals Radfahrerfreundlichkeit stachen in der bundesweiten ADFC-Umfrage vor zwei Jahren hervor. In der Positivwertung ganz oben landeten die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, das zügige Radfahren wie auch die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung. In der Gesamtnote gab es nur eine ernüchternde 4,0 (eine 1 hätte „fahrradfreundlich“ bedeutet, eine 6 „nicht fahrradfreundlich“).

Dranbleiben lohnt sich

Damals war Stendal erstmals dabei, 155 Teilneher hatten den Fragebogen ausgefüllt. Nun haben die Hansestädter erneut Gelegenheit, ihre Meinung zur Radverkehrssituation schriftlich kundzutun. Bis 30. November kann man mit abstimmen.

Lohnt sich das Mitmachen überhaupt, finden diese Einschätzungen Gehör? Werner Hartig vom Landesverband des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) und Koordinator der Gruppe Stendal-Tangerland, sagt dazu klar ja. Und zwar deshalb: „Die Bürger der Stadt, die Rad fahren, sind in dieser Hinsicht die Alltagsexperten. Sie haben die tägliche Erfahrung, kennen Stellen, wo es hapert. Und die Stadtverwaltung bekommt auf diese Weise wichtige Rückschlüsse, ob sich Schwerpunkte geändert haben.“ Sicher brauche es einen langen Atem, könne man nicht erwarten, dass sich innerhalb zweier Jahre Dinge grundlegend änderten. „Aber genau dieses Dranbleiben ist wichtig, um zu zeigen: Dieses Thema ist uns wichtig.“

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Radfahrer machen viel falsch

In den anderthalb Jahren seit Umfrage-Auswertung habe sich durchaus etwas getan, stellt Hartig fest. „Es ist angefangen worden, Unklarheiten zu beseitigen“, sagt er und meint damit zum Beispiel Beschilderungen, die Gehwege auch für Radfahrer freigeben. Und der ADFC werde in Beratungen beteiligt. Was nach wie vor fehle, sei die erweiterte Beschilderung solcher Sackgassen, die für Radler offen sind – genauso hapert es weiterhin an der für Radfahrer geltenden Beschilderung von Baustellen.

Was den Radverkehrslobbyisten zudem nach wie vor Kopfzerbrechen bereitet – zumal es das eigene Ansinnen durchkreuzt –, ist das Fehlverhalten vieler Radfahrer. Vor allem das Fahren auf Gehwegen scheint sich zu etablieren. „Es ist haarsträubend“, findet Hartig, „man braucht sich nur mal zehn Minuten draußen umzusehen und sieht massenhaft Radfahrer, die auf Bürgersteigen, quer über den Markt oder über den Winckelmannplatz fahren. Und das sehr zügig!“ Da fehle es oftmals an Grundwissen.

Bis 30. November abstimmen

Im Übrigen hält Hartig nichts davon, die Verkehrsteilnehmer gegeneinander auszuspielen – er kämpft einfach für mehr Gleichberechtigung und Rücksichtnahme und vor allem: „Eine Stadt mit hoher Aufenthaltsqualität.“ Sein Lieblingsmodell dafür ist das des „Shared Space“ (geteilter Raum), wobei alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. In Schönebeck wurde dieses stadtplanerische Element gerade prämiert.

Wer seine Meinung zum Radverkehr äußern möchte, kann bis 30. November bei der Umfrage mitmachen. Sie ist online zu finden auf www.fahrradklima-test.de (dauert ca. 10 Minuten) oder kann auf Fragebögen (liegen in den beiden Stendaler Fahrradläden aus) ausgefüllt werden. Damit Stendal in die Wertung kommt, müssen mindestens 50 Teilnehmer mitmachen.