Stendal l Wie kann es gelingen, mehr Menschen für den ehrenamtlichen Dienst in der freiwilligen Feuerwehr zu gewinnen? Diese Frage stellt sich Michael Geffers, Stendaler Stadt- und Ortswehrleiter, jedes Jahr aufs Neue – und findet doch keine Patentlösung. Seine Vermutung: „Die gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen für das nicht planbare Ehrenamt Feuerwehr stehen den Neigungen und Lebensvorstellungen der allermeisten Menschen im Wege.“

Sieben neue Mitglieder

Aber auch wenn man bereits alles versucht habe, werde man „weiterhin versuchen, um Mitglieder für den aktiven Dienst zu werben“, verkündete Geffers am Sonnabend auf der Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Stendal. Bestärkend dabei dürften die sieben neuen Eintritte gewesen sein, ebenso erfreulich die Dienstjubiläen von 10 bis 50 Jahre. Zwei Zeichen dafür, dass es einige Menschen sehr wohl zur Feuerwehr zieht und vor allem hält.

Aktuell gibt es in der Stendaler Ortswehr 117 aktive Kameradinnen und Kameraden, 85 davon sind einsatzbefähigt. Außerdem sind da die Frauengruppe (12 Mitglieder), die Jugendfeuerwehr (27), die Kinderfeuerwehr (20) sowie die Alters- und Ehrenabteilung (13). Genaue Zahlen für die anderen 25 Ortswehren der Hansestadt Stendal liegen nicht vor.

Bilder

Katze, Wespen, Vogelspinne

Wer mit dem Aufgabenspektrum der Feuerwehr nicht vertraut ist, kann ins Staunen geraten, zu welchen Ereignissen sie zuweilen gerufen wird – längst nicht nur zum Löschen. Bei den 317 Einsätzen des vorigen Jahres handelte es sich bei gut einem Drittel um Brände, 68-mal begaben sich die Einsatzkräfte wegen Fehlalarmen in die Spur, den großen Rest aber machten technische Hilfeleistungen aus. Diese Sparte wiederum ist erstaunlich vielfältig, wie Geffers anhand einiger Fotos veranschaulichte.

Da müssen Wohnungs- oder Fahrstuhltüren geöffnet werden, weil sich Menschen in einer Notlage befinden. Es wird zu Verkehrsunfällen ausgerückt, werden Schadstoffe beseitigt. Da hat sich eine Katze im Motorraum eines Pkw verkeilt oder muss ein Wespennest umgesetzt werden. Einmal gab es gar den Verdacht auf radioaktives Material sowie eine entlaufene Vogelspinne.

Keine Katastrophen

Zu Geffers‘ Bilanz gehörte die erleichterte Feststellung, dass „bei den vielen dienstlichen Aktivitäten glücklicherweise niemand ernstlich verletzt wurde“. Auch größere Herausforderungen wie Katastrophenschutz- oder Hochwassereinsätze oder Gefahrgutunfälle blieben 2018 aus.

Was zur Feuerwehr noch gehört, sind neben den akuten Einsätzen die Ausbildungen und Übungen, Dienstabende, Theaterwachen, Brandschutzerziehung und Veranstaltungen für die Öffentlichkeit, wie Weihnachtsbaumverbrennen, Mai- und Martinsfeuer oder der Tag der offenen Tür.

Kritik an ABC-Ausbildung

Anerkennung für ihr Wirken sprach den Feuerwehrleuten neben anderen auch Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) aus: „Es ist eine Tätigkeit, die großen Respekt und viel Dank verdient. Die Feuerwehr wird auch künftig eine wesentliche Aufgabe unseres Haushaltes sein.“ Einige der anstehenden Investitionen hatte der Stadtwehrleiter denn auch kurz zuvor benannt: einen Gerätewagen Umweltschutz, ein Mittleres Löschfahrzeug, einen Mannschaftstransportwagen und den Umbau der Feuerwehrhalle.

Einen wohl weniger mit Geld zusammenhängenden Wunsch konnte Michael Geffers nicht umhin, kritisch anzubringen: eine Verbesserung der Zusammenarbeit in der ABC-Ausbildung. Da hapere es seiner Ansicht nach beim Fachdienst des Landkreises und den Feuerwehren der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck: „Weder vernünftige Technik noch Helfer stehen planmäßig in ausreichender Zahl zur Verfügung.“