Stendal l Nein, leicht hatte es das Bauunternehmen Müller selten. Getrotzt hat es den oft widrigen Zeitläuften dennoch. Kurz nach der Gründung im Jahre 1919 waren die wirtschaftlichen Voraussetzungen gelinde gesagt nicht die besten. Beirren ließ sich Ernst Müller dennoch nicht. Aus Berlin in die Altmark gekommen, hielt er an seinem Plan fest: Eine Firma für Baumaterialien gründete er.

Hundert Jahre später sitzt sein Enkel Uwe Müller im selben Büro wie damals der Großvater. An den Wänden erinnern Familienfotos an die enorme Tradition. Die wechselvolle Firmengeschichte ist regelrecht mit Händen zu greifen, wenn man sich die ersten Zeitungsannoncen durchliest. Ohne Unterbrechung blieb der Betrieb stets in der Hand der Familie.

Geschäftsführer seit 1977

Mit seinen 76 Jahren führt Uwe Müller immer noch die Geschäfte. Aufzuhören kommt ihm nicht in den Sinn. Würde sich wahrscheinlich auch komisch anfühlen. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er fast ununterbrochen im Betrieb, seit 1977 in leitender Funktion.

Im Laufe der Jahrzehnte hat er fast alles erlebt, was man in der Branche erleben kann. Den mühsamen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Drangsalierung der Privatunternehmerin der Frühphase der DDR. Die Benachteiligung als Kind eines Unternehmers aufzuwachsen.

Schwierige Phase nach der Wende

„Für Kommunisten habe ich nie viel übrig gehabt“, kommentiert er das schwierige Umfeld in dem untergangenen Staat. In den 50er Jahren hätte seine Mutter die Stadt am liebsten verlassen, um in ihre Heimat in Hamm (Nordrhein-Westfalen) zurückzukehren. Doch sein Vater blieb stur, ließ sich nicht einschüchtern. Und hielt durch. Sogar als Anfang der 70er-Jahre das Regime die Daumenschrauben noch einmal fester anzog.

Wer allerdings glaubt, dass sich mit der Wende schlagartig alles verbesserte, liegt falsch. Natürlich verschwand die staatliche Willkür. Dafür ging es plötzlich ums nackte wirtschaftliche Überleben. Der Übergang vom Sozialismus in die Marktwirtschaft forderte seinen Tribut. Auf Rücksichtnahme brauchte da niemand zu hoffen. In kürzester Zeit fielen die Auftraggeber weg. Eine neue Strategie musste her. Uwe Müller entschied, auf den Handel mit Baustoffen zu setzen. Das Konzept ging auf. Dass die Firma noch existiert, ist nicht zuletzt der unternehmerischen Weitsicht des Geschäftsführes zu verdanken.

Ein passionierter Fußballer

Das würde der passionierte Fußballer - jahrelang stand er dem BSC Stendal vor - niemals zugegeben. „Ein Unternehmen ist immer nur so gut wie seine Mitarbeiter“, gibt er das Lob an seine Belegschaft weiter. 16 Angestellte sorgen dafür, dass der Laden weiter läuft. Wie so viele Betriebe im ganzen Land sei es aber auch für seinen zunehmend schwer, geeignetes Personal zu finden. Der Mangel an Fachkräften schlage voll durch. Für Uwe Müller ist das allerdings nicht allein ausschlaggebend. Ein wenig hadert er mit der Mentalität der jungen Menschen:

„Es fehlt oft der Ehrgeiz und die richtige Einstellung.“ Nicht nur in beruf- licher Hinsicht. Beim Sport sei es ähnlich. „Früher wollten wir uns immer mit den besten messen. Jetzt stehen andere Dinge im Vordergrund. Ich kann dass nicht immer nachvollziehen.“