Stendal l Im Mai 2014 war es soweit. Der Verein Islamische Gemeinde Stendal wurde gegründet. Bereits einige Monate zuvor hatten die Mitglieder in der Friedrich-Ebert-Straße 22 ein Kulturzentrum eröffnet. Sie nannten es absichtlich Kulturzentrum, nicht Moschee, auch wenn darin gebetet wurde. Ein Minarett werde es nicht geben, sie wollen die Nachbarn nicht stören, sagte Vorsitzender Mohamed Msaik. Typisch für die Islamische Gemeinde, die von Anfang an auf Miteinander gesetzt hat.

Und gemeinsam mit Besuchern auch aus anderen Nationen und Religionen soll das fünfjährige Vereinsbestehen gefeiert werden. Allerdings nicht mehr in der Friedrich-Ebert-Straße, sondern in der Lucas-Cranach-Straße, wo die Islamische Gemeinde seit 2016 ihren Sitz hat. Bis dahin war es ein schwieriger Weg, denn die dort beheimatete Diskothek „Vickys Szene Club“ wollte ihren Betrieb wieder aufnehmen. Der Eigentümer hatte ihr jedoch gekündigt. Es kam zur gerichtlichen Auseinandersetzung, die Islamische Gemeinde bekam Recht.

Mit dem Umfeld absolut zufrieden

Bedenken, dass sich das Umfeld in Stadtsee III gegen die Moschee – nun bekam sie wirklich diese Bezeichnung, ein Minarett gibt es aber weiterhin nicht – richten werde, bewahrheiteten sich ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Veranstaltungen wie das Zuckerfest wurden auch aus der Nachbarschaft sehr gut besucht. „Für uns ist Stendal wirklich eine Vorzeigestadt“, sagte Vorstandsmitglied Sami Mukbel in einem aktuellen Gespräch mit der Volksstimme.

Wohl nicht überall wäre ein so friedliches Miteinander in einem Stadtviertel, in dem auch arme Menschen leben, denkbar. Die Gemeinde war hochmotiviert, das Kulturzentrum sollte auch zu einer Begegnungsstätte werden für Menschen aller Glaubensrichtungen und Herkunft. Doch die Aufbruchstimmung bekam einen Dämpfer, genauer sogar mehrere. Der erste war der sogenannte Kopftuchstreit. Nachdem Susi Möbbeck (SPD) im Februar Der 2018 in der Moschee ihr Halstuch über den Kopf gelegt hatte, mokierte sich Bildungsminister Marco Tullner (CDU) auf Twitter: „Staatssekretärin Möbbeck tritt offiziell mit Kopftuch bei Moslems in Stendal auf. Ich bin nur noch sprachlos.“ Die Gemeinde bedauerte die Diskussion.

Im Verfassungsschutzbericht

Nächster Dämpfer waren Medienberichte im März über die angebliche Forderung der Gemeinde nach einem eigenen Friedhof. „Das wollten wir nie und sind mit der Lösung auf dem städtischen Friedhof absolut zufrieden“, bekräftigte Mukbel.

Der schwerste Schlag allerdings war die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht 2017 im April: Die Islamische Gemeinde Stendal werde vom Landesverfassungsschutz beobachtet. Mitglieder, auch des Vorstandes, sollen Verbindungen zur Muslimbrüderschaft haben, auf Facebookseiten deren Inhalte teilen und zu Gewalt aufrufen. Die Verantwortlichen zeigten sich schockiert, wehrten sich gegen die Vorwürfe, suchten das Gespräch mit den Verfassungsschützern, das allerdings nicht zustande kam.

Trübe Stimmung hat sich breitgemacht

Dreimal Negativschlagzeilen im Monatstakt, das legte sich auf die Stimmung in der Islamischen Gemeinde. „Wir machen das alle ehrenamtlich, da überlegt man schon, ob man weitermachen will“, sagte Mukbel. Die Aktivitäten wurden reduziert, mit der Geburtstagsfeier am Donnerstag, 28. März, ab 19 Uhr will sich die Islamische Gemeinde aber zurückmelden.

Und natürlich Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre halten, über Erreichtes und Gelungenes sprechen wie über Schwierigkeiten und die Konsequenzen aus der Erwähnung im Verfassungsschutzbericht. Man will in der Al-Rahma-Moschee miteinander ins Gespräch kommen. Willkommen sind wie immer alle Religionen und Nationalitäten.