Zahl der Todesopfer steigt

Im Zuständigkeitsbereich des Stendaler Polizeireviers lässt sich festhalten, dass die Zahl Unfalltoten steigt:

2016 sind neun Menschen gestorben, 2017 zehn, 2018 auch zehn und 2019 dreizehn.

Stendal l Es ist kühl an diesem Tag, die Sonne strahlt und in regelmäßigen Abständen rauscht ein Fahrzeug auf der Bundesstraße 107 in Richtung Schönhausen (Elbe) vorbei. Neben der Fahrbahn befindet sich eine Gedenkstätte für zwei Verkehrsopfer, die am 1. November 2018 verstarben.

Der 20-jährige Fahrer kam laut Polizeiangaben in einer leichten Linkskurve von der Straße ab und kollidierte mit einem Straßenbaum. Er und seine 39-jährige Beifahrerin verstarben noch an der Unfallstelle, ein zweijähriges Kleinkind konnte schwerverletzt aus dem Wagen geborgen werden. Zwei Unfallkreuze, die an die Opfer erinnern, sind mit großer Sorgfalt und Mühe aufgestellt: frische Blumen, angezündete Grablichter und Engel zieren den Unfallort.

Weltgedenktag der Vereinten Nationen

Der Weltgedenktag der Straßenverkehrsopfer am morgigen Sonntag soll an Menschen wie die beiden Verstorbenen erinnern. Seit 1995 findet der Trauertag, von der Generalversammlung der Vereinten Nationen initiiert, jährlich am dritten Sonntag im November statt. Laut Angaben der Vereinten Nationen ist der Tag ein wichtiges Werkzeug im globalen Bestreben, Verkehrsunfälle zu reduzieren.

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Stendal starben 2019 dreizehn Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr. „Drei mehr als 2018. Tödlich verunglückten acht PKW-Fahrer und Insassen, ein Kradfahrer, zwei Radfahrer sowie zwei Quadfahrer“, teilt die Polizei mit. Die traurige Bilanz: Im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Stendal ereigneten sich 2019 durchschnittlich elf Unfälle am Tag, alle zwei Stunden und 23 Minuten wurde ein Auto beschädigt, alle 26 Stunden und 38 Minuten wurde ein Verkehrsteilnehmer verletzt und jeden 28. Tag starb ein Mensch im Straßenverkehr.

Tägliche Erinnerung kann schmerzhaft sein

An die Opfer erinnern häufig sogenannte Unfall- oder Erinnerungskreuze. Etwa 30 davon stehen laut Schätzungen der zuständigen Straßenbaubehörde Regionalbereich Nord an den Bundes- und Landesstraßen in den Kreisen Stendal und Salzwedel. „Unfallkreuze werden oft durch Angehörige und Freunde von Unfallopfern aufgestellt und auch durch die Polizei aus Pietätsgründen respektiert“, sagt Dirk Marscheider. „Für Angehörige kann es auch schwer sein, vielleicht sogar täglich an diesen Straßenkreuzen vorbeizufahren. Wenn ich mich in diese Angehörigen hineinversetzte, stelle ich mir diese Momente sehr schwer vor. Und sie sind dann auch ständig wiederkehrend“, fügt der Pressesprecher des Polizeireviers Stendal hinzu.

Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, ob das Aufstellen der Erinnerungskreuze erlaubt ist. Nach Angaben des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr dürfen sie den Straßenverkehr jedoch nicht behindern. „Dass ein Kreuz in die Fahrbahn ragt, kann ebenso wenig geduldet werden, wie das Setzen fester Hindernisse, etwa Gedenksteine und Sockel. Gleiches gilt für irritierende Blinklichter“, sagt Peter Mennicke, Pressesprecher des Verkehrsministeriums. Werden diese Kriterien nicht eingehalten, müssen die Kreuze entfernt werden, bestätigt die Polizei.

Unfallprävention durch Kreuze

Die Kreuze sind nicht nur ein Stück Erinnerung, sie helfen zudem bei der Prävention von Unfällen. „Da die Erinnerungskreuze Unfallstellen markieren, könnte man vermuten, dass sie Autofahrer dazu veranlassen, den Fuß vom Gas zu nehmen“, sagt Mennicke. Die Stendaler Polizei schließt sich dem an. Die Kreuze würden zum Nachdenken anregen und andere Verkehrsteilnehmer vielleicht „wachrütteln“, sagt Dirk Marscheider.

Doch es gibt auch negative Aspekte. „Möglicherweise wird der Gefahrenbereich absichtlich genutzt, um das Fahrverhalten des eigenen Autos zu testen“, sagt der Pressesprecher des Ministeriums. Seitens der Polizei wird eine mögliche Ablenkung der Verkehrsteilnehmer zu bedenken gegeben.

Zahlreiche Initiativen zur Vorbeugung von Unf

Neben dem Weltgedenktag für Straßenverkehrsopfer gibt es zahlreiche weitere Initiativen, die sich für die Prävention von Verkehrsunfällen einsetzen. So hat etwa das Land Sachsen-Anhalt mit dem Verkehrssicherheitsprogramm 2021 einen umfassenden Ansatz zur Unfallprävention formuliert. Es ist in drei Handlungsfelder aufgeteilt: Mensch, Infrastruktur und Fahrzeugtechnik.

Verkehrskontrollen und Geschwindigkeitsmessungen würden laut Dirk Marscheider vom Polizeirevier Stendal auch zur Prävention zählen. Hinzu kämen Veranstaltungen und Verkehrserziehung. Die Stendaler Polizei hat besonders für Jugendliche eine weitere Maßnahme: „Den sogenannten Schockraum“, so Marscheider. Dort soll deutlich werden, was eine kurze Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr auslösen kann. Im Schockraum befinden sich neben Unfallkreuzen unter anderem Bilder von Unfällen. „Die Veranstaltungen zum Schockraum fanden 2019 und 2020 im Berufsschulzentrum in der Schillerstraße statt.“

Mehr Senioren im Verkehr gestorben

Trotz aller Maßnahmen machten 2019 die Verkehrstoten im Zuständigkeitsbereich Stendal ein Zehntel aller Verkehrstoten im Land Sachsen-Anhalt aus. Es waren nicht die jungen Fahrer, die am meisten betroffen waren, sondern die über 65-Jährigen. Laut der Unfallstatistik stieg die Zahl der tödlich verunglückten Senioren auf fünf; vier mehr als im Jahr 2018. Bei den 18- bis 25-Jährigen verringerte sich die Zahl der Getöteten von zwei auf eins.

Weitere Informationen zum Weltgedenktag für die Straßenverkehrsopfer finden Sie im Internet unter: https://worlddayofremembrance.org/.